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Das jüdische Literaturblatt · 1881-03-16 · No. 11. (16.3.1881) · p. Seite 43

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 11. (16.3.1881)
Date
1881-03-16
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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R. Me'ir Padua: זאת לפנים בישראל עטיל שניאור und am Schlüsse des Gutachtens kurzweg: Schneor genannt wurde, identificiren Löw und Kohn unter Berücksichtigung der zahlreichen in nichtjüdischen Quellen berichteten übereinstimmenden Momente mit dem in der ungarischen Geschichte wohl bekannten Finanzminister Emerich Szerencsds. Alles stimmt in den jüdischen und nichtjüdischen Relationen, blos ein Umstand bietet nach Löw und Kohn ein schwer zu beseitigendes Hinderniss. Die ungarischen Geschichtsschreiber behaupten nämlich, dass Szerencsds vor seiner Taufe S a 1 a m o n geheissen habe, während die jüdischen Quellen ihn Schneor oder Schneor עטיל nennen, ,aber“ — damit beruhigt sich Löw — ״seinen eigenen Glaubensgenossen war sein Name ohne. Zweifel genauer bekannt‘‘ und in der ungarischen Gemeinde zu Oien hatte die ungarische Nationalität so tiefe Wurzel geschlagen, dass in deren Mitte noch iin 16. Jahrhundert der Name Attila Senior (עטיל שניאור) vorkam (Ben Chan. a. a. 0.) Kohn ist gleichfalls der Ansicht, dass ״wo es sich um einen jüdisehen Namen handelt, die zwei übereinstimmenden jüdisehen Berichte grössere Glaubwürdigkeit beanspruchen dürfen und dass die Christen aus dem ungebräuchlichen Schndor leicht den gebräuchlichen Namen Salomon machen konnten “ Zu עטיל שניאור bemerkt Kohn, ״dass Sperencsds als Jude mit dem Namen Schneor zur Thora gerufen und im Privatverkehr Etele. Attila genannt wurde.“ Merkwürdiger Weise ist es zwei so gelehrten Männern wie Löw und Kohn entgangen, dass der von ihnen angefochtene Umstand in Bezug auf die Verschiedenheit der Namen gerade die beste Stütze für die Identificirung von Schneor und Sperenscös gewährt. שגיאור ist, wie aus dem ם׳ השמות lind anderen Ritualwerken ersichtlich, der Thoraname (שם הקדש) für לקמן. Den Christen war also der Volgärnatne זלמן Salo mon bekannt, während in den Gutachten, zumal es sich um das Aufrufen zur Thora handelt, der Thoraname Schneor gebraucht wird. Was für eine Bewandtniss hat es aber mit dem Namen ע טיל שניאור bei R. Meir Padua? Ich bedauere, meinen patriotischen Landsleuten die Freude an dem jüdischen Attila stören zu müssen Szereticses kanu als Jude unmöglich Attila geheissen haben. Hätte er diesen eizungarischen oder richtiger erzhunnischen*) Namen schon als Jude geführt, warum sollte er ihn nicht ins Christcnthum mit hinübernehmen? Es ist klar, dass der jüdische Name Salomon, obzwar ihn auch ein ungarischer König führte, bei der Taufe dem christlicher oder ungarischer klingenden Im re (Einerieh) weichen musste, aber den nationalen Attila zu opfern, lag doch wahrlich kein Grund vor. Die ungarischen Geschichtsschreiber hätten gewiss auch nicht verfehlt, dieses Namens, wenn ihn Szerencs6s je geführt hätte, zu gedenken. עטיל ist darum weder Attila, noch wie Zunz (Namen der Juden, ges. Schriften II, 55) schreibt: Itel, sondern ein jüdischer Vulgärname, der mit Schneor Salman zusammenhängt und darum bei Elijah Halevi auch weggelassen ist, vielleicht verschrieben — mit der leichten Aenderung des ט in מ — aus ו,עמיל), der Abkürzung von Salman und Meschullam (ולטי המכונה זעטיל). Vergl die liitualcodices נחלת שבעה §45,03 und Zunz a. a 0.41: Semmelkind זלמן׳ זלקינד Vielleicht dürften auch bei R. Mei'r Padua: לפנים בישראל עט י ל die vier letzten Buchstaben von בישראל herüber־ zuzielien sein und אש־ לעמיל, wie der gleichzeitig um 1500 lebende bekannte Schwärmer Ascher Lern 111• lein hiess, zu lesen sein. Wenn diese Combination, *) Der יץ הונייש neben יין ורענקיש io 6«n Gutachten des R. Mei'r b. Barnch Nr. 767 ist weder hunnischer, noch wie Kohn ■ S.- 48< N»te,2 meint, hur. au er Wein, sondern-RJ1ei,n,wein. (lies ר*י9*ש) neben Franken wein. die ich als bescheidene Conjectur hinstelle, sich als richtig erwiese, so wäre auch eine Handhabe für die Erklärung des Namens Szerencs^s, den Schneor erst nach der Taufe führte, gefunden. Szerencsds, das im Ungarischen ״glücklich“ bedeutet, wäre also die Uebersetzung von אישר In allen Fällen ist עטיל verschrieben und Attila als jüdischer Natne vorerst nicht nachge* wiesen. J. Perles Tal, T. Een Blick in Talmoed en Evangelie. Amsterdam. 131 S. Genannte Schrift verdankt folgendem Umstand ihre Entstehung. Auf der iin Jahre 1879 in Amsterdam in ״Arti et Amicitiae“ staügefundenen Gemäldeausstellung befand sich ein von M. de Haan gemaltes Bild ״une conlroverse taimudique“ bezeichnet.“ Zu diesem Gem&lde schrieb der Leidener Professor Oordt in der Zeitschrift ״Eigen Haard“ (Nr. 1,1880) eine Erklärung, in welcher er, seiner Phantasie treien Lauf lassend, auseinandersetzt, wie die auf dem Gemälde dargestellten zwei Rabbinen einen Dritten, der ein Dorflehrer sein soll, in Folge einer talmudischen Conlroverse in die Enge treiben und sich an dessen Verlegenheit weiden. Es bandelte sich um eine talmudische Frage wegen ביעור המץ. Professor Oordt citirt die talmudische Discnssion zwischen Rabbi Jehtida und seinen Gegnern (Pesachim 27b), übersetzt die' nicht leichte Stelle, auffallender Weise, richtig, obgleich der Schluss der Talmudstelle mit der Uebersctzung nicht übereinstimmt, und nebenbei bemerkt, stellte es sich heraus, dass die ganze Stelle aus einer lateinischen Uebersetzung der Mechilta von Blasius llgolinus fast wörtlich abgeschrieben war. Prot. 0. knüpft mm an seine Erklärung des Gemäldes eine Besprechung über Mischna, Talmud, Tradition, Bedeutung des Talmuds und seiner Sittenlehren für das Judenthum und stellt, wie das leider bei christlichen Gelehrten, die das Gebiet des Talmuds unbefugter Weise betreten, fast immer der Fall ist, allerlei falsche, irrthiimliche Behauptungen auf, die mehr das Kennzeichen der Judenfeindlichkeit als der Wissenschaft an sich tragen Gegen Prof. O. schrieb nun Verfasser obiger Schritt zuerst eine kleine Broschüre, in welcher derselbe, obzwar in etwas zu derbem, beleidigenden» Tone, aber immerhin verdienter Weise abgeferligt wurde Dagegen schrieb Prof 0. nun noch einmal und meinte u. A., im ganzen Talmud sei nicht soviel Moral enthalten, wie in dem V. Cap. Matthäus, die Bergpredigt genannt. Oben angezeigte Schrift nun ist eine Widerlegung dieser Behauptung, indem der Vf. an der Hand der einzelnen Sätze des Matth. Cap. V nachweist, wie zum Tlieile wörtlich, zum Theile dem Sinne und dem Geiste nach dieselben Moralsentenzen an mehreren Stellen im Talmud und anderswo in den verschiedensten Schattirungen zu linden sind. Es ist dieser Vergleich und diese Gegenüberstellung von Talmud und Evangelium bereits längst in Deutschland von jiid. Gelehrten gemacht worden, aber es ist gewiss nützlich für die holländischen christlichen Gelehrten, in ihrer Muttersprache die Ueberzeugung zu gewinnen, dass die Originalität der Moral des Christenthums schwindet, wenn sie im Lichte des Talmuds und der Midraschim betrachtet wird. Wir Juden sind mit den Sittlichkeilslehren, die Bibel, Propheten, Talmud und Midrasch uns predigen, durch alle Jahrtausende in allen Gegenden der Welt vortrefflich rttisgekointnen, Beweis genug, dass sie sielt über alle möglichen Verhältnisse des Lebens erstrecken. Wir haben zwar nicht, ״wenn uns Jemand auf die rechte Wange schlug, auch die linke!ungehalten“ (Matth. V, 39), denn man schlug uns bald (Ulf beide Waqgen zugleich; waren wir’doclrseit der

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