Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr.11. (1.6.1875)
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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für daS Heiligthum des göttlichen Schutzes sich werth machen. Diese Spende, dem göttlichen Heiligthume geweiht, wird ihnen Sühne und Lösegeld sein und sie bedürfen nicht des von Gott verabscheuten Menschenopfers, daß Gott ihrer gedenke und vor Niederlage sie schütze. Neben Moloch wurde Ascherah als die Göttin der fegenspendenden Kraft, als die Göttin der Fruchtbarkeit verehrt. In schattigen Hainen, auf grünen Hügeln, aus den Waldhöhen des Libanon wurde dieser Göttin gcopsert. Die Terebinthe, die immergrüne Fichte und Cypresie, namentlich der Granatapselbaum, als Sinnbild der Fruchtbarkeit, waren ihr geweiht. Ihr zu Ehren hatten sich die Jungfrauen prcisgegebcn uitb die Frauen webten Zelte für die dem sittenlosen Dienste. der Göttin geweihten Männer und Weiber. An den Festen, welche zu Ehren der Göttin gefeiert wurden, wird nun erzählt, saßen die Jungfrauen in langen Reihen im Haine der Göttin und harrten der Wallfahrer, die zum Heiligthum der Göttin kamen. Warf einer der Wallsahrer einer Jungsrau ein Goldstück in den Schooß, dann mußte sie ihn! zu Willen sein, das Goldstück aber gehörte den! Heiligthume der Göitin. Gegen diesen schamlosen, alle Sittlichkeit verhöhnenden Brauch ist wohl Deut. Cap. 23 B. 19 ״Du sollst nicht den Lohn der Buhlerin in das Heiligthunl des Herrn bringen", gerichtet, welches nur eine Ausführung des B. 18 ist, der zweifellos die den: sittenlosen Dienste der Göttin sich weihenden Priester und Priesterinnen im Auge hat. Die kanaanitischen Völker gingen aber in der Bilvung ihrer Göttergestalte» weiter; sie faßten die wohlthätigen und verderblichen Nächte der ■Matur in einer und derselben Gottheit zusammen. Diese Zusammenfassung tritt uns in der männlichen Gottheit Baal Melkart und in der weiblichen Gottheit A s ch e r a t h - A st a r t e entgegen. Wie Baal Melkart abwechselnd Segen und Verderben gab, so verlieh Ascherah- Astarte bald Segen, Liebesgenuß und Geburt, bald Verderben, Krieg und Tod. Diese Völker blieben aber bei der Vereinigung der wohlthätigen und feindlichen Macht in einer und derselben Göttergestalt nicht stehen, sie verschnwlzen die männliche und weibliche Gottheit in eine Gestalt. Baal Melkart und Ascherah- Astarte waren nicht niehr getrennt, sondern sie waren eins, sie wurden nunmehr in ihrer Mannweiblichkeit verehrt. So wurde die Astarie in Karthago, wo derselbe Götterdienst heimisch war mit dem Barte des Bielkart dargestellt und auch in andern Tempeln der Gottheit der mannweibliche Charakter derselben zum Ausdrucke gebracht. Dem inannweiblichen Charakter der Gottheit Ausdruck zu geben, erschienen die Priester des androgpnen Gottes in röthlich durchsichtigen Frauenkleidern, während die Frauen Männerkleider trugen und mit Lanzen und Schwertern bewaffnet waren. Diesem Brauche dürste das Verbot Deut. Cap. 22 V. 5 haben entgegentreten wollen: ״Mannesgewänder sollen nicht an einem Weibe sein und ein Mann lege nicht Weidergewand an, denn ein Gräuel des Ewigen ist jeder, der solches thut." So waren diese Gesetze, wie so viele andere des Pentaleuch nach zwei Seiten hin von Bedeutung. Sie waren von sittlichen Motiven ausgegangen, die einen allgemeinen und unvergänglichen Werth haben, richteten sich aber auch gegen ganz bestimmte damals verbreitete götzendienerische Bräuche, die durch ihren sinnlichen Anreiz desto gefährlicher waren. Giu zweites Tchreiben an Herrn Rabbiner vr. Lehmann in Mainz. B-n אוהב שלום• Bevor ich zur Beantwortung Ihres zweiten Artikels in betreff des Frankel'schen Jeruschalmi Commentars schreite, will ich Ihnen den ״unbekannten Freund", an desien gute Absicht Eie so stark zweiflen, näher bezeichnen. Der ״unbekannte Freund" i>t weder ein Anhänger F.'s זצ׳ל noch L.'s, sondern ein treuer Anhänger des großen bescheidenen Hillel, der immer den Spruch im Munde führte: ״Sei von den Jüngern Ahrons, den Frieden liebend u. s. w.", und der, so weit es in seinen Kräften steht, sich in jeder Beziehung nach Hillel und seiner Lehre richtet. Er kam schon deshalb nicht dazu, Anhänger jener Personen zu werden, weil er seine talmudischen Studien schon vollendet hatte, als ihm der Name Fr.'s bekannt wurde und ehe L. noch eine Ahnung hatte, Rabbiner zu werden. Er hat das Glück gehabt, aus dem Munde des weltberühmten Rabenu Akiba Eger זצ״ל und vieler ״Großen" jener Zeit Thora zu hören. Von diesen hat er gelernt, Lomde Thora zu ehren und auch den zu achten, der bestrebt ist, aus irgend eine Weise dem Judeilthum zu dienen. Daher saßte er sofort große Achtung vor Fr., zu dem auch er keine persönliche Be- Ziehung gehabt hat, bis aus einen siüchtigen Besuch in Dresden iin Jahre 1851 — ein merkwürdiger Zufall - wo er ihn bei der גמרא getroffen und als צנא מלא מברא gesunden har, datier die Achtung vor ihm als Lamdan! _ Der ״unbekannie Freund" weiß von Fr., daß sein ganzes Streben dahin ging, Thora zu verbreiten und weiß es, wie groß desien Freude war, als ihm das Glück zu Theil geworden, eine ״Jeschiwa zu leiten, der er unbestritteil init großer Energie, Ausdauer und Hingabe vorgestanden hat. Es ist hier nicht der Ort zu untersuchen, was aus dem Iudenthum in Deutschland geworden wäre, wäre nicht Fr. an die Spitze des Seminars in Breslau gekommen. Darunl, bei aller sonstigen Achtung auch gegen L, gefällt die ׳Art und Weise, wie derselbe jetzt gegen Fr. vorgeht^ dem ״unbekannten Freunde" nicht, und das hat ihn veranlaßt, nach dem Ausspruche Goethe's: ״Es darf der Freund nicht schonen" eiile Entgegnung gegen die Angriffe L.'s zu schreiben, die von demselben nicht widerlegt worden ist. Soweit von dent ״unbekannten Freunde", und nun zur Sache. Sie schreiben, daß die Entgegnungen im ״Jüdischen Literaturblatte", an und für sich im höchsten Grade unbedeutend, in sich zersallen. Wisien Sie, daß diese Geringschätzung nicht mich und den andern mir unbekannten Correjpondenten trifft, ונחנו מה, sondern die größten Männer unsrer Zeit, in deren 'Manien wir geschrieben, Namen, vor denen wir Alle Rmpect haben müssen, nämlich den Lemberger und Grätzer Rabbiner זצ״ל! — Machen Sie es niit ihnen ab. Ihre ׳.׳ emerkung: ״da sie durchaus unwisienschaftlich gehalten sind" komnit mir sonderbar vor und es wundert mich sehr, von einenl Manne, der gegen diejenigen, die die Gemore wissenschaftlich behandeln, aus eben diesem Grunde ankämpft, solches zu hören. Von allen meinen Lehrern habe ich nie bei Diskussionen in der Gemore von ״wissenschaftlich oder nicht wissenschaftlich" gehört, ich teuue nur die Ausdrücke ordeittlich Peschar-Gemore lernen oder nicht, und wenn Sie nachweisen, daß unsere Erklärungen nicht ordentlich Peschat-Gemore sind, (aber nicht unwissenschaftlich), so bin ich gern bereit meinen Jrrthuin einzugestehn, und ich darf voraussetzen, daß der andere Correspondent dasselbe lhun wird. Meine Vermuthung 'שנאה ובו nehme ich zurück,*) ich glaube recht gern, daß Sie lediglich Princip — und Lauheit gegeil die Grundsätze des Judenthums — bekämpfen. Aber um des Himmels willen, wo ist in Ihrem ganzen ersten Artikel zu entdecken, daß es sich um ein Princip gegen die Grundsätze des Judenthums handelt, Ihre Angriffe richten sich ledig- *) Wir halten sie ausrecht. Red.