Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr.11. (1.6.1875)
- Date
- 1875-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Z»r jStlnu^bing •ttr Inkenttznm u. Jude« bctTtfttnkm Uternrischen Erscheinungen ««f km (RtkttU kerPhi!,s,phi«,Erschichte,Ethn«^n^,ie,rhe,l,,ie, »rinOnU«, Exegese, Hmitetik, fitargik, Pädagogik. V _/ Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Rahmer. Magdeburg, 1. Juni 1879, Bicher ker ei,schliß,er, Literatnr. «eiche ker «ek de» ״Iik. Literaturktatt" in Magkeknrg (»ker ker ^»ornei. «mtzenschr.« tu Stettin) zngrsankt «erden, finken in kiese« Matte ein- ,etzenke Brsprechnag. V___/ Nrll Erscheint zweimal inonatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Aür die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift" (die jähri.9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch all« Buchhandlungen;in Leipzig dnrch Robert Fries« 4. Jahrgang. Uever riniqe Geu. Verbote des Pentateuch. von Rabbiner vr. Back in Lifsa. Der hohe Werth der Gesetze des Pentateuch besteht wohl unläugbar darin, daß dieselben sittliche Gedanken bergen, die keine Zeitströmung zu zerstören vermag. LLahrheiten, die im Lichte jeder Zeit, auf jeder Stuse der Bildung als solche anerkannt werden müssen. Der Talmud drückt dies in seiner Weise mit den Worten aus: Aus jedem Gebote, welches Gott den Israeliten gab, bildete sich sofort ein Engel, d. h. ein sittlicher Gedanke, der diesem Gebote unvergängliche Dauer sicherte. Trotz des selbstständigen, unabhängigen Charakters derselben werden uns viele Ge- und Verbote des Pentateuch dennoch klarer, wenn wir dieselben den religiösen Anschauungen und sittlichen Zuständen entgegeilhalten, welche die Völker beherrschten, als die Gesetze des Pentateuch gegeben wurden und welche vielleicht diese Ge- und Verbote veranlaßt haben dürsten. Die Eindringlichkeit, die Schärfe, mit welcher das Verbot des Götzendienstes im Pentateuch wiederholt wird, die .immer erneuerte Weisung jede Spur und jede Erinnermrg an denselben wegzutilgen, ist nur durch die damalige Verbreitung desselben, durch die Sittenlösigkeit, durch die Vergötterung der rohesten Leidenschaften, der schamlosesten Begierden, die er als Kein! in sich trug, zu erklären. Sollten nicht die jeder Sittlichkeit und wtenschlichkeit Hohn sprechenden Bräuche, mit denen die Heiden ihre Götter verehrten, Gesetze nöthig gemacht haben, um deren Einbürgerung in Israel zu verhüten? Ich will den Versuch nmchen einige uns frenld klingende Ge- und Verbote des Pentateuch, wie auch einige eigenthümliche Rede- Wendungen in denselben als gegen gewisse götzendienerische Bräuche gerichtet und durch dieselben veranlaßt zu erweisen. Daß dem allgemeinen und selbstständigen sittlichen Wertste derselben durch die zu gebende Erklärung kein Abdruck! geschieht, ist wohl einer weiteren Ausführung nicht bedürftig. Der sittenloseste, aber in ältester , Zeit in Syrien am meisten verbreitete Götterdienst war der des Baal und der Ast arte. Seine Heimaih war Phönizien, von dort breitete er sich über ganz Syrien aus und wurde sogar von den Völkern des ^großen assyrischen Reichs, namentlich von den Babyloniern, ausgenommen. Welche Verbreitung er in Kanaan gesuvden, zeigen die vielen Ortsnamen, welche den Namen dieses Götterpaares trugen. In dem Baal wurde die wohlthätige, lebenspendende Kraft der Sonne, überhaupt die wohlthätigen Mächte der Statur verehrt. Astarte dagegen war die Göttin der verderblichen, der schädlichen, der gefürchteten Mächte der ׳Natur; sie war eine jungfräuliche Göttin und chre Priester und Priesterinnen mußten das Gelübde der Ehelosigkeit adlegen, das Gebot der Keuschheit aus sich nehmen. Um des Dienstes dieser Göttin würdig zu sein, suchten Priester und Priesterinnen in dem Wesen der Göttin aufzugehen. Sie strebten darnach ihr ganz gleich zu werden, und um jede Lust zu ertödteu, entmannten sich Priester und auch Aichtpriester, um! das Wohlgefallen der strengen, jungfräulichen Götttn sich zu erwerben, oder wenigstens um ihren harten Zorn abzuwenden. Dieser bei den syrischen Völkern verbreitete Dienst der Astarte dürfte das Verbot Deuteron. Cap. 23 V. 2 veranlaßt haben: ״Es soll kein Entmannter in die Versammlung des Ewige« kommen." Wie Baal und Astarte wurde auch ein anderes Götterpaar. Moloch und Ascherah verehrt; jedoch hier war da- Verhältniß ein anderes, die männliche Gottheü, Moloch, war der Gott der verderblichen Mächte der Mtur, dessen Zdrn man durch Menschenopfer zu sühnen versuchte. Wenn die Saaten dorrten, wenn Seuchen die Städte verödeten, wen« Krieg das Land heimsuchte, glaubte man durch Hingabe de- Liebsten, des erstgeborenen Sohnes oder des theuersten Kindeden harten Sinn des strengen Gottes zu mildern und seine« Zorn auf den Feind ablenken zu können. Namentlich, wen» ein Krieg im Anzuge war, wurden die schönsten Jünglings die heißgeliebten Kinder dem Götte geopiert, man sah in diese« Opsern ein "Lösegeld", welches dem Gotte hingegeben wurde, um dafür nicht nur den Sieg, sondern das Leben eines jeden Einzelnen zu erkaufen. Sollte!licht vielleicht das Gebot, ExoV. Cap. 30, V. 12 u. 13 diesen heidnischen Brauch im Auge gehabt haben und bestrebt gewesen seit!, diesen heidnischen Brauch in sittliche, edlere Bahnen hineinzuleiten? Jenes ®et bot befiehlt, daß bei einer jedesmaligen Musterung des Bolkes von einem Jeden unter demselben, der das kriegslüchttge Aller erreicht hat, ein halber Schekel skr das Heiligthum eingehoben werde. Dieser halbe Schekel sollte gegeben werden als ״Sühne", als ״Lösegeld" für dieselben, damit keine ״Niederläge" sie treffe. Musterungen des Volkes wurden immer vorgenommen, wenn ein Krieg beoorstand. .In solchen Fällen, wo die heidnischen Völker ihre Kinder, die auserlesensten Jünglinge dem Moloch opferten oder vielmehr als ״Sühne" und Lösegeld ihm Hingaben, sollten die Israeliten durch eine Spende