Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 5 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Bundeslager der Junggruppen in Sorge (Thür.) vom 3.-6. Aug. r>.ili neben all den Diagen, die ein Lagerleben ausmachen, der Bundestag der Junggruppen noch eine ganze Menge sachr Arbeit hat leisten können, lag an einer guttfn Organisation und an der deutlich erkennbaren Planmäßigkeit der A!'«<-it. Ini Mittelpunkt stand die Neuwahl der Bundesleitung und damit Festlegung eines neuen Arbeitsprogramms und dann die zu schärfende Arbeitsgemeinschaft-mit dorn 3PIX mit der Absi« lit baldiger Fusion. Pier lDiskussion, eingeleitet von einem Referat Artur Hermanns, mit dei der Bundestag _scim u Anfang nahm, be- -. billigte sich mit der'Yerbandsidenlogie. Aus Unklarheiten und Irrtümern zu Beginn schälte sich -ehr bald eine Formulierung füT «Ii.' gesauitjüdische Haltung heraus, die in ihrer 'jüdischen Seite klar, allen annehmbar* war und die-vor allem in -ich die Forderung nach einer einheitlichen jüdischen Juireiidboweirung in Deutschland einbe/."g. Dafür will die ge-a'intj'üdi-i.he Haltung, will der Hund ilbündischer Träger di.....r Idee, die Verantwortung auf sieh nehmen. II it.- Ahraham. bUlirriger üundc-leiter, erstattete Bericht t die AH»'it de- Bundes, den er -• tt München 1930 mit Hu,- May zu-auilnon, von Weihnachten ab allein geleitet hrtlte , Kr -1• Hto eine Aufwürt-boweguntr, zahlenmäßig und in .|.T inneren Entwicklung fe-t. Als "w.--entlieh ergab sich, ■'eile' typi-eh lriindi*che Erscheinung, die Aelterenf rage. Hans Ahralräm legte Amt nifder. ' Der Bund dankt ihm eine iServorrageudo Führerarbeit' aef einem sruten Stück seines V\'ege-. : \ . neuen Bur»les!eifer wählte der Buta einstimmig Kurt London u*ib in groben ZiUr« u das Arbeitsprogramm dfii Bundes für ein Jahr. 1 iideoloiri-ehe Einstellung führt den. Rund zu -• i n - r Aufgabe innerhalb der Strömungen der jüdischen Jugendbewegung. Als Erziehung-form wurde ohne Einschränkung Scouting angenommen. I>azu wird eine gründliche Umstellung in der Bundes- und Gruppenarbeit erforderlich. Die Pfadfinderei stellt eine" ernsthafte Arbeitsforderung au die Gruppen und wird zugleich ihre Vereinheit'iehnung erreichen. — Die Aussprache drehte sich um die Wege zu dem geforderten jüdischen Scouting. um die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der notwendigen Um- Stellung, dann um die Stellung der Mädels in den Gruppen. Die Sonderbearbeitung der Mädchenrrage, vielleicht sogar Lü-uug der Mädels aus den gemischten Gruppen und Schaffung eines Mädels blindes wurden erwogen. 'Ein Referat von Artur Hermanns führte dann zur Stellungnahme des jungen Juden zum Geist der Zeit. Auder vielfachen Problematik orirab sich die Forderung nach Umstellung der Gemeinden auf eine neue Generation, auf eine neue, nicht religiöse, doch bewußt jüdische, sozialistische Einste]Inng eines Großteils der jungen Juden. In Kommissionen'wurde das Arbeitsprogramm mit organisatorischen Neuordnungen durchberaten. Vor allem wird der Mund seine Finanzen selbst verwalten. Der Bundestag war in seiner organisatorischen und geistigen Gestattung die Arbeit Kurt Londons. Mit seiner Waid übernahmen die Junggruppen die Pflicht, gegenüber den Forderungen, die ihnen gestellt wurden, sich zu bewähren: aus Ansätzen und dem Willen zu einem Rund soll ein wirklicher Bund werden. Vor allem aber sollen statt l.'Kt Menschen, die diesmal in .Sorge zusammenkamen, 1200. der ganze Hand, zum nächsten Bunde-tag mit gleichem Arbeitswillen Rommen. Leonhard FelsenthaL Eindrücke vom Bundestag I. D e r B u nd. W . - , - bb ologi.-icren. was hunderte meist mimler gute^Aji-spr.i' heu nicht .erreichen konnten, erreichten die vier Tag«; unseres sommerlichen Zusammenseins durch eine ganz Ta-t-ache: daß diese Tage nümliüh ein Bundeslager *:»{i>'ti; Wir fühlten uns mit aller Stärke, nicht amateurliall, -"iidern mit der Cianzhejt von 1."» jungen Menschen, i Bund. Bund der bindet nicht durch Interesscngemein- —ifi. nicht durch Bilduirgstätigkcit. sondern durch das von rwci jete Bewußtsein, daß wir alle, die wir diesem Bunde angehören, zutiefst Freunde sind. Freundschaft. Hilfsbereit- : i" /Und gute Laune selbst bei anstrengendster Arbeit, di''-'- drei Grundpfeiler der Seelenhaltung eines Sc-outs prägten das, Ge-ii Irt 'unseres Lagers." II. Der Führer. I - a h einmal mehr da., als einc Lagerleitung. Es war e ■ l ihl v da: Kurt London. Wer nicht auf dem Lager war, k not -i-.li kaum vorstellen, was das bedeutete. Nicht weil die ..Autorität ' mal endlich wieder zu ihrem Recht kam,,nicht » ' Diktatur geherrscht hatte, sondern weil Fachmann, I ihrer» Ltigi rältester und einiges mehr •■inmal in einer Per- .-•iir fcereinigt waren. Hier muß ich allerdings abbrechen, denn erstens darf man bekanntlich über einen neugewählten Buntle-Ieiter überhaupt nicht reden, und zweitens habe ich An:.--', selbiger könnte mir wegen Schmeichelei und ähnlicher M . itsvvrui ■ ■ in-n auf den Kopf kommen. I I I. D a s L a g e r 1 e b e, n. r*»u-\\ in lautet das Zauberwort, das jedem rechten L.i_'' i er-l den letzten Reiz gibt. An drei Abenden hatten wir Lagerfeuer, kein Teilnehmer wird eins davon Vergossen, Am er-ten Abend gehts lustig her.' Düsseldorf ist gewaltig, Moritaten, Theater uud Klamauk aller Art betrifft. Berlin bietet die Loreley auf sächsisch, so rührend, daß die Tränen vor Lachen kommen. — Das zweite Pau-Wau ist eine Bundesfeier. Hans Abraham tritt zurück, Kurt London tritt -ein neues Amt an. Gedichte werden vorgetragen, ernste Lieder gesungen. Während das Pyramidenfeuer schon langsam niederbrennt, singen wir, ein cnggeschlossener Kreis, das Bundeslied und versprechen damit, in diesem Jahr unsere ganze "Kraft einzusetzen für den Aufstieg und die innere Festigung iinseres Bundes. — Der letzte Abend brachte noch ein. gemischtes Lagerfeuer, Heiteres und Ernstes, Lieder und Erzählen von Fahrtencrlebnissen halten uns bis tief in die Nacht zusammen. - IV. A u s k 1 a n g. Die Trennung fällt schwer; am nächsten Morgen fahren die Gruppen nach Hause, um das Erlebnis dieses Lagers umzusetzen in praktische Arbeit. Wie wir das tun wollen, zeigt der genaue Bericht. Aber festzuhalten ist hier das, war wir an Eindrücken mitgenommen haben und was uns zur Leitschnur werden soll. Wir wollen ein Scoutbund werdenl Dii-t nötig: Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Freude. Vor aMera aber eine große und ernste Opferbereitschaft für den Bund, viel, viel Arbeit! Wer auf dem Lager war, soll dies Bewußtsein in seine Gruppe tragen, damit der ganze Bund weiß: So geht es, mit Opferwillen und Arbeitsfreude. So muß es gehen, so wollen wir ein neuer, starker, einiger Bund werden. Kurt Jonas. Der Hirschkopf aus dem Hause der Rabbi Akiba Eger r Kaum bin ich eine Stunde in Posen, in dieser heute polnischsten Stadt Poleus. da zeigt mir der freundliche Sekretär ihr Symigogengemeinde in einem verschwiegenen »Vinkel der Büroräume' einen aus Holz geschnitzten, großen Jlirschkopf. Und lächelt dabei und erklärt dieses Geheimnis: I'er Hirschkopf ist einst vor vielen Jahren aus dem alten Wohnhaus des berühmten Posener Gelehrten, Rabbi Akiba Eger, gerettet worden, als man damals dieses historische Haus niederreißen mußte. In diesem Hirschkopf hat mal vor Jahrhunderten ein Rabbi — wahrscheinlich war es der Hohe Rabbi Low, die bekannte Prager Gestalt, der übrigens eine Zeitlang auch in Posen gewirkt halte —, die „Schemau-s", die wundertätigen Gottesnamen, aufbewahrt, mit deren Kraft er jede Woche einen „Golem" erschaffen konnte. Das ist das Geheimnis des hölzernen Hirsclikopfos; und 12