Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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p, herie auf sich selbst angewiesen sind, und doch ihr es Out, ihr« Religion, erhalten wollen. Da ist es sehr den richtigen Weg zu finden, und es gehört viel Hatte dazu, die Eigenart der Gemciiidcmitglicdcr so zu ii, um diese auch individuell begeistern zu können. reche als Beamter einer Gemeinde, die als solche noch n/.ige mit geregelter Verwaltung im ganzen Vorpommern iiil die mit Stolz auf ihre Institutionen blicken kann, fast 150 Jahre alte Synagoge weist in ihrem Innern ein ,|erSchwedcuzeit stammendes kostbares Oraun hakaudesch . — Line Sehenswürdigkeit bildet der alte Friedhof im rko des Bismarck-Bohlcnschen Gutes in Niederhol: Ueber ■ Geschiebte dieses Friedhofes würde in einem besonderen ifsatze zu reilen sein. Der jetzige Bess aulom ist auch fast ii Jahre alt. — Auf Drängen des Jugcndbundcs war es der ..iiiciude möglich, im Gcmcindchause eine Wohnung freibekommen, um diese nach Umbau Gemeindezwecken /War zu machen. Neben praktischen Nebenrüumen ent- lud ein geräumiges, geschmackvoll ausgestattetes Gomcindcuiimer, das als Versammlungsraum für Sitzungen sowie als igendheim dient. Der .lugemlbund besitzt eine eigene Bii.itlick, und viele jüdische Zeitschriften aller Richtungen ieten Untorhaltungslcktüre für die Besucher unserer Miende. Der regelmäßige Bundcsabcnd findet jeden Mittoih statt. Kurse für Geschichto und Hebräisch erwecken i ts Interesse der Teilnehmer, und wenn die Teilnehmerzahl inen klein ist; ho hat sich doch ein Stamm von Besuchern gebildet, dem dieser Abend ein Bedürfnis geworden ist. AuBerdenl findet allmonatlich ein größerer Vortrag statt. Auch <lcr gesellige Teil kommt zu seinem Hecht. Wir hoffen, ■ laß der Bund durch das Heranwachsen der noch Jugendlieben in den nächsten Jahren an Zahl zunehmen wird; und -miiit sein Weiterbestehen als gesichert zu betrachten ist. — i'ür jüdisches .Leben innerhalb der Gemeinde sorgt sodann die Chrewah Kadi-chah. — Die Ortsgruppe des H. j. F. lwit -ii-li ein Verdienst erworben, die Gedenktafel der Gefallenen ni der Synagoge würdig gestaltet zu haben. Durch Anbringung von zwei künstlerischen Leuchtern auf Kosten des iliindes bildet sie ein Schmuckstück der Synagoge. Zur sportehen Unterhaltung dient ein Kegelklub, der jeden Donnerstag Sportbegeisterte zu gemütlichem Beisammensein ver- .niirt. So aktiv gestaltet sich das Leben in einer dafür interessierten Gemeinde. — Anders aber in den Nachbar- -'•incinden, wovon icht jetzt einen kleinen Ausschnitt geben möchte. . ■ Greifswald. Universitätsstadt und früher eine ansehnliche jüdische Gemeinde. Sic hat nie viel für jüdische /.wecke übrig gehabt; denn nur ein primitiver Betsaal in iiiietetcm Raum dient den religiösen Bedürfnissen an den 1! uiptfeiertagen. Seit acht Jahren amtiert dort 'kein Berniter mehr, und die Kinder wachsen ohne Religionsunterricht heran. Trotz Bemühung des Landesverbandes war es ■ i-her nicht möglich. Gr. zu bewegen, sich der Bezirks-;emetnde Stralsund - anzuschließen. Was unter diesen Um- -täiiden aus solch einer Gemeinde werden soll, ist wohl nicht i-bwer zu erraten. A n k 1 a m , eine kleine, aber interessierte Gemeinde, die : iir Erhaltung ihrer Institutionen sorgt. Eine massive > naiioge. wurde erst kürzlich neu renoviert. Der Religionsterricht wird durch den Lehrer in Stralsund erteilt. D e m m i n besitzt nur noch drei Familien. Eine nette kleine Synagoge zeugt von entschwundener Pracht. — Schade, /laß diese dem Verfall geweiht ist. Es sind Anschlußverhand- Iungen mit Stralsund im Gange. — Zur Erhaltung des jüdischen Lebens in diesen Zwerggemeinden, die ihre Selbständigkeit nicht aufgeben wollen, gehören viel Mittel; aber auch die Unterstützung der Verbände.- Hier ist eine dankenswerte Aufgabe vorhanden, tatkräftig einzugreifen. Simon Lemke. DL Einigen von euch wird sicherlich noch die eindrucksvolle Tagung der jüdischen Jugendbünde im Juni 1929 in Fünfsee bei Bad Polzin bekannt sein und sie werden von der landschaftlich schönen pommerschen Schw.eiz den schönsten Eindruck gewonnen haben. Anderen dagegen ist die von Wald und Seen abwechslungsreiche Gegend völlig unbekannt und sie glauben gar nicht, daß sich auch hier alte Gemeinden befinden. Eine unserer größten und ältesten Gemeinden war Märkisch-Friedland mit ungefähr 400 Familien. Dort wirkte auch der bekannte Rabbi Akiba Eger in der Jeschiwah. .Vier Lehrer hatte die Gemeinde einst nötig und heute versieht der eine den Religionsunterricht und das Schächten in drei Gemeinden mit, da nur noch 20 Familien dort wohnen. Das Gotteshaus ist über 203 Jahre, alt und unbedingt sehenswert. Die Geschichte der Juden in Dramburg, Tempelburg und Falkenburg (die Namen dieser Städte sind abgeleitet von Raubritterburgfen) ist ähnlich, alles einst blühende Gemeinden von 40 bis 50 Familien mit eigenen Lehrern. In Dramburg wirkte bis vor kurzer Zeit, 38 Jahre, Herr Kantor Kuschner. Die jetzt noch dort lebenden 7 Familien können keinen Lehrer besolden und das Bethaus ist geschlossen. In Tempelburg haben wir ein gleiches Bild. Mit dem Fortzuge des bekannten Predigers und Schriftstellers Herrn Lion Wolf, der auch Jahrzehnte dort im Amte war, ist ein fester Anhaltspunkt an jüdischem Leben genommen. Meine Heimatstadt Falkenburg, wo einst 40 Familien waren, umfaßt heute noch 10. Soweit urkundlich festzustellen ist, gehört die Familie Hiller mit zu den ältesten. Durch einen Schutzbrief -der Regierung der Neumark wurde im Jahre 1811 dem Juden Seelig Hiller der Aufenthalt und die Erlaubnis zur Ausübung eines Gewerbes zugesichert. Zu jener Zeit lebten größtenteils die Juden hier noch auf dem Lande, denn der jüdische Friedhof befand sich auf dem Dorfe „Heinrichsdorf", den man jetzt bebaut und ' die noch erhaltenen Grabsteine auf den Falkenburger Friedhof überführt hat. Wenn man sich heute diese ostpommerschen Gemeinden ansieht, wo einst jüdisches Leben herrschte und jetzt alles tot ist, wo die Gotteshauser nur an den höchsten Feiertagen geöffnet werden, wo der Jude ganz auf sich selbst angewiesen ist und hart um seine wirtschaftliche Existenz kämpfen muß, wo er unter dem Antisemitismus stark zu leiden hat, so finden wir ein Bild wirtschaftlicher und kultureller Not, die in diesen Kleingemeinden erschreckend deutlich hervortritt. Gewiß ist in den Großstädten der Kampf um die Existenz noch schwerer, doch der geistige Mensch kann weiterstreben und im Judentum mitleben, während in unseren kleinen Städten eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber jüdischen Fragen nicht zu verhindern ist. Lis-beth Hill er, Falkenburg. Krisis unseres Programms? Randbemerkungen zu Hans Friedbergs Artikel im Oktoberheft Unsere Freunde werden sich erinnern, daß Hans Friedberg in der Oktpbernummer als Einleitung zu unserer Reihe Artikel über die Richtlinien der Verbandsleitung eine kritische Betrachtung des ersten Wintorruiidschrciben* der Verbandsleitnng veröffentlichte. Diese Betrachtung hat starke Resonanz, insbesondere aber den Wunsch nach der Kenntnisnahme seines positiven Programms wachgerufen. Leider hat FriedBerg nichts wieder von sich hören lassen. Vielleicht wird ihn der nach folgende Artikel zur Fortsetzung seiner Arbeit veranlassen.- Auf Programme kommt es nicht an." — Trotz dieser Erms am Schlüsse seines Artikels hält Friedberg es für das Verbandsprogramm satzweise abzutun. Bevor wir über den Inhalt dieses umstrittenen Programms unsere Meinung äußern, wollen wir uns klar machen, wem es gegeben ist. Es stellt den geistigen Etat der kommenden Arbeitsperiode dar für eine Gemeinschaft junger jüdischer Menschen, die in der Erkenntnis der in der gegenwärtigen Notlage doppelt unhaltbaren Zerrissenheit der Juden nach Einigung und einiger Arbeit aller jüdischen Jugend über jede Sondermeinung hinweg streben. Wir wollen nicht darüber streiten, ob es berechtigt ist,- unserem Verband als Schwäche und Inhaltslosigkeit anzukreiden, was geistige und materielle Krise aller Juden und somit auch der in unserem Verband zusammengeschlossenen Jugend ist! Wir halten es für oberflächlich, die gegenwärtige Notlage als eine ..äußere" zu bezeichnen. Wir empfinden es nicht als ehrenrührig, zur nächsten — aber damit doch nicht oberrten! — Aufgabe, unserer Gemeinschaft die Bekämpfung des „äußeren Feindes": Arbeitnehmernot und Antisemitismus, zu machen. Denn diese- Nöte „prangen" eben an erster Stelle. Diese Lage ist nicht „stillschweigend" und mit „Hinweisen" zu beseitigen. 3