Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Wer das sagt und es mit billigen Redensarten und dem karikierensollenden Titel „Centraiverein deutscher Jugend jüdischen Glaubens'' belegt, darf in der heutigen Zeit in unserem Verband keine Führerverantwortung tragen. Wir hoffen alle, daß unser Programm vom nächsten Jahre unser oberstes und letztes Ziel: ..Jüdische Einheit auf Grund jüdischen Wissens" an erster Stelle „prangen" lassen kann. Jetzt ist es unsere Pflicht, aus unserer Gemeinschaft seelischen Druck zu bannen. Daß diese innere, tiefere Not der jüdischen Jugend heute so sehr als von außen bestimmt empfunden wird am deutlichsten zeigen, wie schwerwiegend dieser doi „äußere Feind" ist und wie notwendig es ist, ihm zunäc; begegnen. Denn nur so kommen wir an die Würze' Judennot. Und um in Friedbergs Wendung zu bleiben regulieren wir das „Essen und Schlafen"! Denn in Ncr und Hunger ist schlecht aufbauen. E 1 i R o t h s c h i 1 d Erich Lot für die mitteldeutsche Gilde. muH pelte -t zu der erst i tat Friedensarbeit Verbände, die für Frieden und Völkerversöhnung kämpfen Eine Uebcrsicht. (Siehe: Jugendbund, Oktober 1930). II. 9. Versöhnungsbund. Das Ziel dieser, auf religiöschristlicher Grundlage aufgebauten, Gemeinschaft ist die Mitarbeit an der Schaffung eines Mcnschhcitsbundcs, von dem jeder Haß. Hader und Krieg ausgeschlossen ist. „Die Bewegung erstrebt daher mit allen Kräften den sozialen Frieden und die internationale Verständigung." Sie versucht, dieses Ziel zu erreichen, indem sie besonders internationale Konferenzen, Missionsrcisen, Vortragskurse, Sommerschulen einrichtet und eine rege Werbetätigkeit unter der Jugend entfaltet. Die Bewegung ist in zahlreichen Ländern, auch in überseeischen Staaten, verbreitet und hat ihr Sekretariat in Berlin. Adresse: Magda Hopf, Fruchfstraße 64 II. Monatlich erscheint nach Möglichkeit ein Mitteilungsblatt, das über die Arbeiten und Projekte informiert. Dieses Blatt ist zur sachlichen Friedensarbeit unentbehrlich. 10. W e 1 t j u g e n d 1 i g a. Sie ist eine der ersten übernationalen Jugendorganisationen, die noch in der Zeit der Hochflut gegenseitiger Verhetzung den Kampf um die Verständigung durch die Arbeit der jungen Menschen aufgenommen hat. Ihr deutscher Führer, der viel zu früh verstorbene, tapfere Georg Schulze-Moering, hat sich in diesem Kampfe bleibende Verdienste erworben. Die Tätigkeitsgebiete der Liga sind überaus reichhaltig. Es seien hier nur folgende aufgezeigt: Internationaler Zeitungsaustausch, internationaler Briefwechsel mit allen Ländern, Veranstaltungen und Vermittlungen der Teilnahme an internationalen Jugendtagungen, Errröglichung gegenseitiger Besuche. Zusammenarbeit mit allen gesinnungsverwandten Verbänden. Die Liga hat zum erstenmal diese Wege der Erziehung zur Friedensgesinnung eingeschlagen In dieser Hinsicht war sie bahnbrechend. Die Anschrift ihres deutschen Büros ist: Berlin SW. 11, Möckernstraße 133a. 11. Liga gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus. Das Tätigkeitsgebiet dieser Vereinigung, der eine Anzahl berühmter Politiker und Wirtschaftler aller Länder angehören, erstreckt sich im unermüdlichen Bestreben, den unterdrückten Völkern ohne Anwendung brutaler Gewaltmethoden die Freiheit und Selbständigkeit zu verschaffen und diese Völker für den Kampf um ihre Unabhängigkeit vorzubereiten. Die Tagungen der Liga sind von größtem weltpolitischem Interesse. Besonders eindrucksvoll war die Zusammenkunft in Frankfurt a. M., die am 21. Juli 1929 eröffnet wurde, und auf der die Abgesandten fast sämtlicher kolonialer und halbkolonialer Völkerschaften vertreten waren. Dieser Kongreß, von dem ein sehr lesenswertes Protokoll vorliegt, hat den Fortschritt der anti-imperialistischen- Bewegung deutlich gezeigt. Adresse der Liga: Berlin W. 8, Wilhelmstraße 48. 12. Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit. Die Liga kämpft für den Zusammenschluß aller Frauen, die jeden Krieg und jede Art der Kriegsrüstung ablehnen. Sie tritt ein für völlige Abschaffung der Kriegsmittel und des Mißbrauchs der Wissenschaft zu zerstörenden Zwecken, für die soziale, politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung aller, ohne Unterschied der Rasse, der Glaubensbekenntnisse und der Abstammung. Die Liga erstreckt sich über annähernd 30 Staaten. Ihr Hauptsitz ist in Genf, 12 Ruc du weux College, die deutsche Adresse: Gertrud Baer, Berlin- Wilmersdorf. Paretzerstraße 9. Die Arbeiten der Frauenliga, auch die r Veröffentlichungen und ihre' Aktionen, zei'gen von großem $lut und einer wundervollen Hingabe für den Sinn ihrer Idee. Bemerkenswert ist die Monatsschrift der deutschen Gruppe dieser Liga. J. Ra. Jetzt aber: Notbremse! Tausend geruhsame Zeitungsstrategen, die in irgend Form seelischer Bedrücktheit den Rummel auf dem Rem.i Kriegsschauplatz im Berliner Kinowesten verfolgt haben, v. besonders aufgestört, als sie von jenem Unterfangen der nungsvollen Jugend um Goebbels herum erfuhren, d;, ziemlich als das riskanteste Wagnis für jeden deutschen St bürger gilt: Im vollgestopften Wagen der Hochbahn /. nämlich tatsächlich ein paar Jünglinge die Notbren nachdem der Wagenführer am Nollendorfplatz nicht hai sondern bis zur Bülowstraße durchfahren wollte. Die Notbremse ist eines der wenigen heiligen Requisite: uns herum. In geordneten Zeitläuften geht man ihr peinl. aus dem Wege. Man nimmt sich in acht. Man könnte c eventuell mit der Hutkrempe an sie stoßen,- und was d eintritt, ist für den eingeschachtelten Mitbürger nicht al sehen. Man hat sich schon die Finger wund geschrieben. Es . keine Nuance, keine Tonleiter mehr, in der nicht das gra: hafte, widersinnige, chronische Elend dieser Gegenwart ihren merkwürdigen Generationen und Degenerationen geke zeichnet worden ist. Aber man wühlt immer und immer in mystischen Tiefe „wissenschaftlicher" Begründungen, gele'.' Thesen und Hypothesen, — man kommt aus der „Erkenn! der Tatsachen und ihrer sogenannten Zusammenhänge n heraus, nicht weiter. Herrschaften, — etwas mehr seelisc Affekt, und viel weniger Intellektualismus! Oder habt ihr noch übersehen, daß unsere Antipoden, die Nationalsoziali« die gewiß nicht aus lauter Leuchten, aber auch nicht lauter Tranfunzeln bestehen, daß dort um die Helden Nollendorfplatzes herum die Affekte eine nicht unbedeutc Rolle spielen? Wir aber, — wir verlassen uns indessen auf die Realität auf die Weisheiten der Geschichtsschreiber, auf wirtschj politische Theorien und auf die Maßnahmen der Regier So stehen wir politisch da, ohne eignen Elan, ohne seih tätigen Schwung, - - so stehen wir religiös da, — so sehen aus in unsrer gepriesenen Unentschlossenheit, die uns hinherpendeln läßt. Im besten Fall spannen wir uns an er andern Wagen. Wahrhaftig, es ist keine Tragödie mehr « man erlebt, wie (und Kaspar Hauser übertreibt nicht in n desten!) unsre Wendriner-Typen sich „geistig" auf die ,,!; tatur" hin orientieren. Sind wir, als Juden, noch irgendwie eine religiöse Gc>< schaft, dann werden wir doch sicher noch etwas zu J schmachvollen Kulturverfall zu sagen haben! Unsere Pre plätschert weiter, als ob wir im Jahrgang 1906 lebten, — höchste der Gefühle ist die Statistik von Friedhofsschändun. Warum posaunt ihr Journalisten aber nicht die tausend: schlimmere Schändung des pulsierenden Lebers in alle V hinaus? Warum findet ihr +tein befreiendes Wort, k"e neuen Ruf, — meinetwegen: eine Parole? Alle Debatten überlaßt ihr den andern, den Gegnern, hinterher wird man auch etwas dazu zu sagen haben, übliche „Stellungnahme" im Leitartikel. Alles, was sich b:v entwickelt, was wird und reift und schwillt, — endet :n Glanzleistung eines ausgezeichnet stilisierten Aufsatzes. Die Jugend hat das Problem der Ungerechtigkeit der R parationen aufgerollt. Ach so: das sind gewiß auch Di die den Pächtern und Schiebern der „Großen Politik lassen bleiben sollen? Das könnte so passen! Wer ist i in diese Tretmühle der jahrzehntelangen Tribute, der Milliar. lasten eingespannt? Doch — wir! Und Generationen, noch ungeboren sind! Und da — hat man die Entscheide eben einigen ganz raffinierten Vertretern der Hochfina: l .S.A. zu überlassen! LTnd schließlich wird es auch s ..unsere" Außenpolitik schaffen! Religiöse Kreise des Judentums, die Verbände der. jüdis Jugend, haben bisher hier ein gefährliches Spiel get. im ™t cb nn bt