Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wohnen sollen, scheint ausgeschlossen, daß da vielleicht sogar 'ein jüdisches i eben herrschen soll, ist undenkbar. Wenn man allerdings an Ort und Stelle kommt, wird man seine Ansicht in mancher Hinstellt berichtigen müssen. — In Pommern loben muicführ 6000 Joden, davon ungefähr die Hälfte in der l'rovinzialhauptstaeU Stettin. R.ibbinatssitze sind außer dieser die Städte Stargard und Stolp in Hinterpommern. Von r.ina iihlen mit eigenen Lehrern bzw. Predigern sind noch zu nennen: Stralsund. Pasewalk. Kolberg. Schivelbefai, Bclgard, Köslfn. Nou-Stcltin. 1 auettburg und andere. Der preußische Landesverband, der eine- Reihe von Gemeinden -nli\ entioniert. übt durch die drei Rabbiner der Provinz die lnspektion über den Religtoaauriterricht aus und verbindet damit jeweils Vortrag «der Predigt .'des betreffenden IJabhiners. 1 . Natürlich ist in der langgestreckten Provinz die lie- -i.delung der .Inden im allgemeinen eine dünne: es fehlt hier aueh die alte jüdi-ehe Kultur, die den Westen und Sailen, die die Grenzmark, Schlesien und Ostpreußen aus-, zeichnen. Daher kommt es. daß die pommersehe Judenheit ni< ht die Bedeutung hat. wie die rheinische oder schlesische oder gar posensehe. So sind die pommersehen -luden im ganzen dem traditionellen Judentum entfremdet, mit Ausnahme einer kleinen Gemeinde, Locknitz, in der Nähe von Stettin. In Stettin seiher gibt es eine von deutschen Juden begründete orthodoxe Gemeinde, die »bor heute beinahe ausschließlich ostjüdi.-eli-lanilsmannsehaft liehen ( harakter trägt. Dagegen ist in Verbindung mit der Zeitströmung durch die!-.inWanderung aus den abgetretenen Gebieten von Posen und We.-t preußen eine stärkere Betonung der Tradition im religiösen Leben der Gemeinde eingetreten. Durch die Zahl ihrer Juden und durch diepolitische Bedeutung ist die Provinzialhauptstadt Stettin in erster Linie für das jüdische Lehen in Pommern maßgebend. Der von außen Kommende wird von der Fülle des jüdischen Lebens überrascht sein. Die Synagoge, die Uber 50 Jahre schon steht, und clie in mancher technischen Hinsicht nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügt, ist eine der wenigen, bei denen der maurische Stil wirklich reizvoll wirkt. In der angebauten VVoehentagsjsynagOge findet täglich d?r zweimalige Gottes.- dienst statt/. Von den Rabbinern, die in den 100 Jahren, seitdem die Gemeinde besteht, hier ircwirkt haben; ist der bekannteste Ileinemann Vogelstoin: einer der anerkannten Führer des alten jüdischen Liberalismus. Fr hat in SOjähriger Tätigkeit <las Gepräge der älteren Generation bestimmend beeinflußt; Seit seinem Tode haben sich Anschauungen und Verhältnisse geändert, .-o daß die jüngere Generation heute eine andere jüdische Stellung einnimmt. Wir wollen ciarauf hinweisen, daß der in unserem Jugendkrei-e wohlbekannte Rabbiner Dr. Wiener, Berlin, als Nachfolger Vogelsteins und als Vorgänger des jetzigen Rabbiners lange Jahre in Stettin gewirkt hat. F.in Alter-heim und eine Waisenanstalt, beide privater Initiative entsprangen, und im wesentlichen von privaten Mitteln erhalten, geben von der sozialen Einstellung der Gemeinde Zeugnis. Wie in jeder jüdisc hen Gemeinde, so gibt eauch hier eine Reihe von Vereinen. Chevra KadSseha, Fr.menverein. usw., die vor allen .Dingen -ich der sozialen Arbeit widmen. Die Organisation der Jugend allerdings läßt manchezu wünsc hen übrig. Früher waren Blau-Weiß und Kameraden stark vertreten. Die Kameraden sind völlig eingegangen, der Blau-Weiß ist in den Kadimah-Bund übergegangen, der allerdings auc h nur einen geringen Bruchteil der Jugend umfaßt. Line Zeitlang gelang es dem Verfasser dieser Zeilen, in einer Jugendgeroeinde die Schuljugend organisatorisch auch außerhalb des Unterrichts zu erfassen. Doch hat dieser Versuch keine lange Dauer gehabt. Viel Erfolg nach der Anzahl ihrer Mitglieder sowohl, als auc h nach ihrer Tätigkeit haben die jüdischen Sportvereine. Ruderveroin- und Turnverein. Der jüdische Jugendbund; der unin diesem Zusammenhang am meisten interessiert, hat ein Wechsel volles Schicksal gehabt: Vor dem Kriege hat er als sogenannter ..Knabenverein" eine erste Blüte geliaht. Nach dem Kriege hat er mit seinen Neutralitätsgedanken nicht viel Frfolg erringen können. Der Fnergie unseres Freundes Soegall gelang es eine Zeitlang im Verein ein rege- Leben zu entfalten, aber auch das flaute nach einiger Zeil ah. i Dabei ist ein Jusendbund hier besonders notwendig, einesteils» tun die abseits stehenden Jugendlichen zu ort issea, 'andererseits, um für die Jugend der verschiedenen anderen Vereine eine gemeinsame Plattform zu schaffen. Aus diesem Grunde hat die Bne-Briss-I.oge, einen besonderen Jtigendausschufi gebildet,-der geistig und materiell die Jugendarbeit im Jugendbunde neu beleben und verstärken soll. -u-ätze dazu sind gemacht, hoffen wir. daß sie sich günstig ,Pjter entwickeln werden. Die Gemeinde als Mittlerin jüdischen BüdungSgults hat zunäc hst einen gut organisierten Religionsunterricht. ' ußerhalb des Unterrichtes wird in zahlreichen Arbeit-;i0jn. schaften teils mit, teils ohne Lehrer weiter gearboil . gedingt allmählich, den Gedanken des Hebräiscl..... ,\lt. Hebräisch und Nou-Ilebräiseh, unter jung und alt / verbreiten. Neben dem Schulwesen blüht das allg iein6 Bildungswesen in der Gemeinde. Kurse, Vorträge. gemeinschafton. die von der Gemeinde veranstaltet « den, ziehen einen immer weiteren Kreis an sieh. Eine sie: -.tetg vergrößernde jüdische Bibliothek, sowie ein monatli. erscheinenlies Gemeindehlatt helfen auf diesem Wege. Diese wenigen Andeutungen mögen genügen, un dic Fabel von dem unjudischen Stettin zu zerstören, wobei'wir allerdings nicht vergessen wollen, hinzuzufügen, daß lock vielezu leisten übrig bleibt. Die pommors» hon Gemeinden sind in einem Provirzlaj. verband zusammengeschlossen, der sich vor allem zur \ufgabe "macht, die Gemeinden mit Lehrkräften zu vor-' •,.„ Da es -ich hier um Bezirkslehrerstellen handelt, so Ist p; nicht immer leicht, die-auseinandergehenden Wünsche clor Kleingenieinden miteinander in Finklang zu bringen. 'I dzdem hat der Verband in den letzten Jahren unter energischer I eitung in dieser Hinsicht manches vollbringen können. l'.fa l'rovinzialverband der Zcni ral wohlfahrtsstelle leistet in den Grenzen seiner bescheidenen Mittel Fürsorgearbeit in der Provinz. In einer'Reihe von Gemeinden bestehen Jugendbtinde bzw. Jugendkreise. Von ihnen gilt im allgemeinen dasselbe, was wir von den Stettiner Jugendbünden tagtet, Einer zeitweilig intensiven Arbeit folgt immer wieder eine Epoche langsamen Dahinsiechen». Der Provinzverband ist ausgezeichnet organisiert und so steht zu hoffen, daß die Arbeit in den einzelnen .Tugendbünden bald wieder VOrwärM gebt In den einzelnen Gemeinden der Provinz ist es bfdj diese, bald jene Organisation, die den Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde bildet. In Stargard z. B. wird die jüdi-ehe Bildungsarbeit durch den Reichsbund jüdischer Frontsold.den geleistet, in Stolp dufch den Verein für „Jüdische Geschichte und Literatur". In den meisten Gemeinden befinden -ich Ortsgruppen des Zentral Vereins, in den größeren mehr oder minder starke zionistische Ortsgruppen. Eine besondere Bedeutung haben die drei 1 ogen des Ordens Bne-Bris«. .Sie -teilen Mittelpunkte jüdisch-geistiger, und zum Teil euch jüdisch-sozialer Arbeit dar, über den Kreis der eigentlic hen Ordensmitglieder hinaus. Wenn wir unsere Eindrücke zusammenfassen, so können wir feststellen, daß in der Provinzhauptsadt und an den größeren Orten jüdisches Loben einen neuen Aufschwung erhalten hat. daß in den Mittel- und Kleingemeinden Sehnsucht nach jüdischem Leben lebendig ist, daß aber hier die Kräfte der "l'cberlieferung fehlen und von atißen hergeleitet werden mußten. "Wenn man dabei in mancher Hinsicht hoffnunzsvoll blicken darf, so muß allerdings eine andere Erscheinung sehr pessimistisch stimmen. Das ist der beständige Bevölkerungsrückgang der Juden. Auch hier zeigt sich die Flucht von Kleinorten in die größeren Städte. Das bedeutet Zerfall der Klc-ingemeinden. Unmöglichkeit religiösen Lei ttg und religiösen Unterrichts. In den Städten aber selbst nimmt die Bevölkerungszahl der Juden rapide ab. Zuzug u.= anderen Provinzen ist nicht zu erwarten. Die Nähe Ber'ins wirkt wie ein Magnet. Die Geburtenzahl hat sich z fir geseniiher der katastrophalen Kriegszeit etwas gehoben, beträgt aber in Stettin z. B. heute weniger als die Hälfte 1er Todesfälle. Es -iml das Erscheinungen, die das ganze dein be Judentum betreffen, die sich hier an der Peripherie besonder? deutlich zeigen. Für uns darf das kein Grund sein, mit unserer Arbeit einzuhalten. Wo wir auch stehen, auf BSsichtsreichem oder weniger aussichtsreichem Posten, soll der < i -danke jüdischer Verpflichtung gerade die Jugend zu hl nel neuem Versuch und zu immer neuer Arbeit anfachen. Rabbiner Dr. Elk, Stetti II. . Es ist leicht, von jüdischem Leben zu sprechen in ■ Gemeinden, die zahlenmäßig so zusammengesetzt sind »1 seihst hei größtem Indifferentismus sich noch immer ug Persönlichkeiten finden, die sich gerne in den Dienrjenigen Vereine stellen, deren Aufgabe es sein soll. ethalb der Gemeinde jüdisches Leben zu pflegen und < . erhalten. Anders aber bei 'Gemeinden, die abseits von 1er