Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No.2 27 im salbungsvollen Tone christlicher Prediger die Umwandlung des nationalen Judentums in eine universelle Gottes- und Sittenlehre, des Volkes Jsraels in eine Glaubensgemeinschaft verkündete. Man hatte auf dem Altar des Verbrüderungsgedankens Seine Eigenart geopfert. Durch die Gutachten einiger obskurer italienischer und ungarischer Rabbiner, die sich Jacobson mit Hülfe eines Abenteurers verschärft hatte, wurde dem ganzen Getue der Schein der Berechtigung verliehen. . Der Kampf frommer Gegner dieser Reform war nicht sehr wirkungsvoll, weil sie sich an nebensächliche Einzelheiten klammerten und nicht erkannten, dass das wesentliche Kriterium dieser 'Reform nicht Irreligiosität, sondern die Verneinung des nationalen Gedankens war. Das zeigte sich schon im Verlauf des 2. Hamburger Tempelstreites 1841/42. Allerdbgs gelang es den Vertretern der neueren Richtung nicht, der gewünschten extremen Reform allgemeine Geltung zu versebaffen, aber so viel ging doch von der Gedankensaat auf, die sie ausgestreut hatten, dass im Bewusstsein der meisten jüdischen Zeitgenossen der nationale Gedanke allmählich' in den Hintergrund gedrängt wurde und teilweise gänzlich verschwand. Der 1842 gegründete Verein der Reformfreunde zu Frankfurt a. M., der von der Fortbildungsfähigkeit der mosaischen Religion sprach und Talmud, Messiashoffnung, Speisegesetze und Beschneidung beseitigt wissen wollte, zeigte sich nicht lebensfähig. Dagegen stand die 1844 in Braunschweig tagende Rabbinerversammlung ganz unter dem Einfluss ihres Leiters Samuel Holdheim, der die Scheidung der Bestandteile des Judentums, des rein Religiösen vom Nationalen, dadurch zu vollziehen suchte, dass er Messiashoffnung, Sabbat, jüdische Ehegesetze und die hebräische Sprache, weil sie Merkmale des Nationalen seien, verbannt wissen wollte. Diese Wünsche sah Holdheim, nachdem noch eine zweite Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. stattgefunden hatte, im Jahre 1846 durch die Gründung der jüdischen Kirche in der Johannisstrasse zu Berlin verwirklicht. Auch wenn dieses Beispiel einer radikalen Reform vereinzelt dasteht, so steht doch das heutige offizielle Judentum unter dem Einfluss der antinationalen Reformgedanken, und selbst die Partei der Altfrommen kann mit ihrer einseitigen Auffassung des Judentums und ihrer Gegnerschaft gegen die moderne national - jüdische Bewegung diesen Einfluss nicht ganz verleugnen. Die Reformer hatten sich jedoch geirrt, wenn sie vollkommene 2*