Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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28 No.'2 Totengräberarbeit getan zu haben wähnten. Das Feuer nationaler Begeisterung war auch unter den deutschen Juden nicht ganz erloschen, und die heimliche Glut erhielt ständige Nahrung aus dem Osten, wohin der Wellenschlag assimilatorischer Strömungen noch nicht gedrungen war. Der destruktiven Tätigkeit der Reformer liefen Bestrebungen parallel, die von dem Vorhandensein einer noch nicht ganz erloschenen und mehr unbewussten nationaljüdischen Gesinnung zeugten. Hierher gehört die Pflege jüdischer Wissenschaft, besonders der jüdischen Geschichte, wiewohl der erste Ansatz hierzu, der von Gans, Moser und Zunz gegründete Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden, die schädlichen Einflüsse der damaligen Zeit nicht verkennen lässt. Die Forschungen eines Krochmal, Rapaport, Zunz, Luzzato beleuchteten den geschichtlichen Werdegang des jüdischen Volkes und Hessen erkennen, dass die Förderer der Entnationalisierung des Judentums von falschen historischen Voraussetzungen ausgegangen waren. Ehrlicher Zorn und gerechte Entrüstung über die Verunstaltung des Judentums sprechen aus den Worten des Historikers H. Graetz, dessen von glühender nationaler Begeisterung getragene „Geschichte der Juden" in einen flammenden Protest gegen eine Reform ausläuft, „die das Judentum zu einem Abklatsch der lichtfreundlichen Kirche umstempeln will", und ihm erstand in Moses Hess ein Mitstreiter, dessen kühne Schrift „Rom und Jerusalem" wie ein Blitzstahl das Dunkel erleuchtete, das über der deutschen Judenheit lagerte. Auch äussere Ereignisse trugen dazu bei, in den Gliedern des jüdischen Volkes das Bewusstsein der nationalen Zusammengehörigkeit zu erhalten. Das zeigte schon die gewaltige Erregung, die sich der gesamten Judenheit während der Schreckenstage von Damaskus bemächtigte. Die Ereignisse der letzten Jahrzehnte, in denen der Judenhass irr den meisten Ländern wieder emporschlug und teilweise die rohen Formen mittelalterlicher Verfolgung annahm, konnten viele Juden davon überzeugen, dass christliche Nächstenliebe und moderne Humanität gegenüber dem Volke der Bibel und des reinen Gottesgedankens zur hohlen Phrase wurden, und dass das Opfer der Selbstentäusserung vergeblich gewesen war. Das Ehrgefühl des besseren Teiles der Judenheit bäumte sich dagegen auf, der ständigen Gehässigkeit eines überlegenen Gegners, das unwürdige Buhlen um seine Gunst entgegenzustellen und sein Kampfgeschrei mit der demütigen Bitte um Verbrüderung