Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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26 No. 2 Nationalismus und Assimilation. Eine historische Betrachtung von Dr. Max Beaser-Hambnrg. (Schluss.) Noch stand zunächst unberührt von diesem Treiben als ein Bollwerk des nationalen Judentums die Synagoge mit ihrer nationalen Messiashoffnung, ihren hebräischen Gebeten und altjüdischen Riten. Dieses Bollwerk musste genommen werden, um auch dem offiziellen Judentum die Gestalt zu geben, wie sie sich in den Köpfen der Aufklärungs- und Verbrüderungsapostel malte. Wer hätte leugnen wollen, dass sich an den altehrwürdigen Bau mancher Schimmel angesetzt hatte und dass zur Beseitigung entstellender Formen und hässlicher Auswüchse eine Reform notwendig war? Doch nicht um eine Reinigung und Läuterung des Judentums mit sorgsamer Wahrung der jüdischen Eigenart, d. h. aller wesentlichen Anschauungen des Judentums, war es den Neuerern zu tun. Was kümmerte es sie, dass eine Reform, wenn sie den Charakter einer natürlichen Entwicklung tragen und nicht eine Verleugnung der ganzen Vergangenheit Jsraels bedeuten sollte, von historischen und durch den Geist des Judentums gegebenen Gesichtspunkten geleitet sein müsse; in dem Bestreben, von den Juden das Odium nationaler Zusammengehörigkeit zu nehmen und einer Assimilation an die christliche Bevölkerung die Wege zu ebenen, kehrten sie alle Begriffe im Judentum um, machten sie aus dem kräftigen Gericht des nationalen Judentums die verdünnte Suppe einer „mosaischen Konfession" und gaben sie diesen wunderbar ausstaffierten Popanz als wahres Judentum aus. Dass die angeführten Motive massgebend waren, lehrt die Predigt, die Jacobson bei der Einweihung des ersten Reformtempels zu Seesen im Jahre 1810 hielt. Der Gottesdienst, den Jacobson 1815 in Berlin in einem Betsaale einrichtete, bildete den Ausgangspunkt der Berliner Reformbestrebungen. Zu einiger Bedeutung gelangten bereits diese Bestrebungen, als 1818 der Hamburger Reform - Tempelverein gegründet wurde, an dessen Spitze die Prediger Kley und Salomon standen. Der neue Gottesdienst unterschied sich von dem alten durch die peinliche Beseitigung alles Jüdisch-Nationalen und durch eine sklavische Nachäffung kirchlicher Formen. Rauschende Orgeltöne empfingen den Eintretenden, deutsche Gesänge mit erbaulichen Kirchenmelodien trafen sein Ohr, verbannt war die Erinnerung an Zion und Jerusalem, staunend sah er die .„Konfirmation" von Knaben und Mädchen und einen jüdischen „Seelsorger", der