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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 30 (1856) · p. Seite 118

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
30 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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und er begann alle seine freje Zeit zu Uebungen in dieser Kunst ausschließlich zu verwenden. Der Eifer, mit dem er an'S Werk ging, entsprach vollkommen dem glänzenden Erfolge, dev er spater erzielte. Alle feine Ruhestunden benützte er hinfort unermüdet zu Uebungen in diesem Gebiete der Kunst. Dom Leichten zum Schwierigen fortschreitend, machte er eine ganze Stufenleiter von Arbeite» durch, und die- Alleohne Lehrer und Wegweiser, einzig und allein von seiner heißen Liebe zur Kunst angeregt und geleitet. Bald erlangte er die sichere Führung de- Grabstichel-, und bald wußte er die Schwierigkeiten diese- Geschäfteglücklich zu bemeistern. Mir der Arbeit wuchs die Kraft, erstarkte der Wille, und so ließ er nicht ab,-bisein Streben zur Anerkennung gelangte. Einige Versuche, die er feinem Meister zeigte, fanden Beifall und er wurde von *jhm fortan fast ausschließlich, zu Gravirungen verwendet. Später erhi'elt er von vielen andern Meistern Wiens den ermunternden Antrag: sich auf eigene Rechnung mit dem Graviren zu beschäftigen; da die Ausübung diese- Gewerbe- (al6 Freikuast) keinerlei Zunftzwange unterliege, und sie ihn ihrerseits vollauf mir Arbeit versehen könnten. . . 1834 folgte er diesem- Vorschläge und war seitdem alS felbstständiger Graveur in Wien gekannt und gesucht. So lebte G. von daan bi- 1837 ununterbrochen seinem neuen Berufe getreu. ES gelang ihm vortrefflich, den Anforderungen seiner Kunden zu entsprechen, und so war seine Eristenz bald durch ein mäßige» Einkommen gesichert. Dom Standpunkte eine» gewöhnlichen Handwerker», hätte man ihn damals glücklich nennen mögen. Mit d«M unerl-schlichen Triebe jedoch nach dem Höheren, der seine Seele erfüllte, konnte er sich indeß auch in diesem Stande nicht glücklich fühlen — bl» ein unerwartete» Ereigniß mit einem Male seinem ganzen Leben eine völlig neue Richtung angewiesen. In diesem Jahre ^fand nämlich in Wien eine Kunstausstellung statt. Ein Büchsenmachermeister Herr F. K... sandte eine kunstvoll gravirre Büchse ein und erlangte die dobe Auszeichnung, von dem damaligen HauS-, Hof- und StaarSkanzler Fürsten v. Metternich, wegen feiner trefflichen Leistung, .öffentlich belobt zu werden. Zum allgemeinen Erstaunen gab jedoch dieser wackere Meister auS freiem Antriebe die Erklärung ab, daß wohl der Lauf seine ei» gene Arbeit sei, daß aber die gelungene Zeichnung auf demselben von einem jüdischen Graveur NamenS Jakob Guttmann herrübre. . . < Da» edle Benehmen diese» aufrichtigen Meistererregte allgemeine» Aufsehen, und bald wurde G. von ver Freudennachricht überrascht. In Folge dessen erlangte er eine Audienz beim Fürsten M-. die den Erfolg hatte,-daß ihm 1838 ein Stipendium von jährlich 200 fl. C.-M. uriter der Bedingung erlheilt wurde, baß er sein bisherige- Geschäft aufgeben und sofort al» ordentlicher Zögling in die Akademie der bildenden Künste eintreten solle. Mit Freuden willfahrte er dieser Bedingung, gab feine bisherige Existenz zum Opfer und entschloß sich, mit 300 fl, —. zu ftttbehren, hingegen mit voller ungetbeilter Kraft der Kstnst zu leben. In der Akademie bewährte sich bald sein auffallende- Talent. Schon im 2ten Semester de» ersten- Jahre» gewann er au» zwei ganz verschiedenen Abrheilungen die daselbst für die besten Arbeiten auSgefetzten Preise in Silber. Die gekrönten Werke waren: ein Profil Kaiser Joseph U. in Wachboffirt, und ein Metastafio in Stahl, stich gearbeitet. Auch sein fernerer Besuch dieser Anstalt hatte Fortschritte und Auszeichnungen zur Folge, wie e» sich von seinem unermüdelen Streben m»t Recht erwar« ten ließ. Aber trotz dieseglänzenden Erfolges konnte G. damals einegewissen innern Seelenkampfes nicht Herr werden. Wenn er zuweilen einen ernst prüfenden Rückblick aus seine jüngst, Vergangenheit richtete, wo er als Gra» veur ein sorgenfreies,' unabhängige- Leben führte und seine nachmalige Lage damit verglich, wo er in Roth und Kamps einem fernen, weiten, wenn auch schönern Ziele entgegenarbeitete; so bedurfte es wohl seiner ganzen innigen Liebe zur Kunst, um an sich und seinem Streben nickt irre zu werden. Denn so voriheilhafr für seine künstlerische Laufbahn seine dermaligen Umstände auch waren, so elend und kläglich waren sie iw Bezug auf seine leibliche Eristenz. Ost entbehrte er das Allrrnölhigste. Wochenlang dampfte ihm die gute warme Speise nicht, und er mußte mit tro-, ckenem Brote seinen Hunger befriedigen. In solchen Perioden jedoch pflegte er an Niemanden, am wenigsten aber an seine Anverwandten zu schreiben, die er weder betrüben, noch betrügen wollte. Um so auffallender war es daber. als er 1840 an seinen Bruder, der bereits in Pesth riablirt war, ein Schreiben richtete, wo er sich über seine Verhältnisse bitter beschwerte. Zwar erwähnte er nichtvon der Roch, die er litt, aber in herzbrechenden Worten verrieth sich da» ganze Elend feiner Lage."!;,Daß doch der allbarmherzige Himmel." ruft der Jüngling au-, „mir nur ein einziges Jahr gegönnt hätte, ohne Sorgen der Kunst zu leben und ich füble eS — ich hätte etwas Großegeleistet. So wie sich hingegen meine Verhältnisse gegenwärtig gestalten, muß ich fast fürchten, ein verfehlte- Leben zu führen rc. . Daganze Schreiben war überdies in einem solchen Tone abgefaßt, vaß man für seine geistige Rübe ernstlich besorgt werden mußte. Jede- Wort schien die Eingebung der Verzweiflung zu sein. Der zärtliche Bruder hatte nach diesem Schreiben nicht- Dringenderes zu tbun, aleiligst nach Wien zu reisen, uck den leibenden Jüngling auszusuchen. Daselbst angelangr. war es bereit- Abend, und als er da» kleine, ihm al» die Wohnung seines Bruder-bezeicknete Stübchen öffnete, hörte er ihn in dem unbeleuchteten Raume fick regen und da- Bett zu Rechte machen. „Worum kein Licht?" fragte der Angekommene erstaunt. — „Weil man kein Geld hat," war die halb klägliche, halb scherzende Antwort —r und im Ru lagen sich die Weinenden am Halse. . . Unter solchen und ähnlichen Kämpfen mußte G. sein schwere» Ziel erreichen. Nachdem er 3 Jahre die Akademie und IV, Jahr daS f. k. Antikenkabinet besuchte — wo er künstliche Geräthschasten, Waffen, Vasen und andere Denkmäler der Vorzeit studirte — lebte er seit 1843 in Wien als Bildhauer. . . Schon da ward er, wie später in Rom. anerkannt als Meister der Büste, mit welchem Zweige der Kunst er sich damals beinahe ausschließlich beschäftigte. Gegen da- Ende de- Jahres 1844'»rtf<rtltjtf er eine niedliche P^azstatüette de- Ehef des Wiener Hauses Sa»

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