Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 30 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
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11» Jomon v. Rothschild, die ,r einem Portraift, da« er zufällig bekommen, uacharbe^ete. Durch Vermittlung de» ersten Facwr« diese» Haus,» Hr. Leop. v. Werthheimftöin gelangte sie! in die Hände de» Baron«. Die große ^Aehnlichkeit überraschte um so mehr, wenn man bedachte 1 wie schwierig e« sei, plastische Arbeiten einem Porträte r achzubilden. Ku^ze Zeit darauf wurde G. vou dem Baron mit der Ausführung einer großen Büste in Marmor betraut. Auch dieses Aufträge« entledigte er sich über alle) Erwarten, urid der Baron belohnte ihn dafür nicht mr auf'« Großmütigste, sondern bestimmte ihm noch äußert,m 2000 fl. als jährliche« Stipendium, damit e« ihm möglich werde, zst seiner weiteren Ausbildung nach Rom zu gehen. So erheiterte sich wohl der düstere lLolkenhimmel, der über G'S Zukunft la gerte, plötzlich, iber nicht auf lange. 1845 trat er mit g'ringer Barschaft versehen sdenn die Prnfion sollte er erst im Orte der Bestimmung und zwar in monalweneo Rate » erheben) seine Wanderung nach Rom an. Die Reise gin; nach echter Kü istlerweise sehr langsam von Statten: Ir jeder der kuns reichen Städte Italiens fühlte er sich zu sinem längeren Aufenthalte angezogen, und bedauerte, hier und dort nür 6—7 Tage verweilt zu haben. So u Florenz, Beuehig rc. Seine Gklbmittel wurden auf diele Weise immer |ft>2rIi<trT, bi« sie unfern von Rom gänzlich zur Reize gmgen, wo ihm jedoch ein fremder Kunstgrnoffe, der sich ihch auf der Reise angeschlossen, brüderlich ars der Noth half. , Endlich langte er am 3. Juni 1845 am Ort, seiner Bestimmung, in Rom an. Der. Eindruck. welchen Liefe Weltstadt auf iha hervorgebracht, giebt sich am besten au« der Schilderung zu erkennen, die er in einem Briese an seinen Vater niederlegte. „Mögen mich die Geb ldelen," so schreibt der bescheidene Künstler, „um da« hohe Glück, in Rom zu sein, beneiden; ich will e« ihnen gerne verzeihen. Nur soll Einer, der keine wissenscha 'tlichen Studien ^nachte, wie ich sie leider nicht machen kon lte, gerne auf drefe« Glück verzichten, wenn er nicht so gedemüthigt und zerknirscht werden will, wie ich. Der st ebildete allein nur kann diesen schäumenden Glücksbecher an die Lippen setzen und mit Wollust leeren." Weiter sagt er bezügli h des Vatikans:! ..Wa« ich von gesehen — ich will seinen Glanz nicht mit Worten entweihen. Ter Himmel ist zu hoch, um ihn zu berühren und daö Wort zu arm gegen die geistige Sprache, die hier aus dem kalten Marmor! spricht. . Wenn der Künstler vergeben« nach Werten sucht, um die Größe des Eindruckes zu beschreiben, den Rom auf. ihn übte — so spricht sich die Zauberkraft! diese« gewaltigen .Einflusses um so b redter und glasender in den Werken au«, die seine Me sterhand hier vollendete. Unter seinen vielen Arbeiten verbeut hier vorzugt weise eine erwähnt zu werden, die den Kamen eine- M anes verewigt, der in der Vaterstadt des Künstlers über eil halbe- Jahrhundert als Rabbiner uni Seelsorger segen-voll wirkte und der in den Briefen an i jn sich seinen vät rlichen Freund nannte und al« solcher ai ch den wohlthä igsten Einfluß auf ibn übte — wir mei irn: die GrabeS^atue de« sei. Rabbi Aron Ehorin! Er arbeitete sie auf Bestellung des Araber isr. Jugendvereines mit einem Fleiß, ,nd Eifer wie sie nur die Liebe zw seiner Vaterstadt u»d die Begeisterung für seinen großen Freund Hervorrufen konnte *). Gleichzeitig vollendete er den Blum eusPen der." Beide in cararischem Marmor ariSgeführt, wutden später in den Kunstausstellungen zu Wien und Pesth allgemein bewundert. So diel über seine Kunstverhältniffe, die ja der kurzen Zeit seines Aufenthalte« in Rom einen wahrhaft bedeutenden Aufschwung gewonnen. Wa« feine sonstigen Umstände betrifft, so können wir von ihne, leides nicht ein Gleiche« behaupten. Trotz seiner großmüthig hemeffenen Pension von 1000 fl. E.«M. ging es ihm m doch nichh viel besser al« in Wien. War jetzt auch, sein Einkommen größer geworden, so waren dafür feiste Bedürfnisse in eine unverhältnißmäßige Zunahme gerätst,». Seine Miethe für ein.kleine« Zimmer, de.« er bewohnte, und ein größere«, da« , er zu feinem „Studium" (Küastlerwerk- -stätte) benützte, betrug damals nicht weniger att 25 fl. E.-M. monatlich. Und doch bestand letztere«, wie er gemüthlich bemerkte, au« einem ehemaligen Heum^gazin von so eisiger Natur, daß ein Dakonyer Waldnöchig gewesen wäre, um e« gehörig zu erwärmen. Und so ging *» in Allem. Aber die Bedürfnisse d,q Lehen« waren noch immer trotz ihrer überschwänglichen Preise unbedeutend klein , zu nennen gegen die der Kunst. In der Thai war da« Meiste, da«, er verwendete, dieser allein gewidmet. Die häufigen Marmorstücke, die er zu Kloße» Uebustghn, Versuchen u. s. w. verwendete; die lebenden Modeste, die er üt-ahlen mußte; duS au»d andere« Aehnliche, i*« zu^eiaer fernern Ausbildung unumgänglich nöihig Wad, erforderten ein weit größeres Capital, al« ihm durch die Großmuth seiner Gönner zu Gebote gestanden. •' Jndeß durfte sein eiftige« Strebest in der Kstnst wegen Mangel an Geldmittel durchaus keinen Abbruch leidm. Bereit« hatte er Freund, in Rom, die ihm oder feiner Zukunft Vertrauen schenkten. Kleine und größere Summen wurden ihm bereitwillig al« Darlehen angeboten. und da seine Liebe zur Kunst mächtiger war, al« alle die kalten Bedenklichkeiten, die die nüchterne Vorsicht und 8c* benSklugheit emaegensetzen mochten, so nahm er sie an, und so mußte iyn sein bedeutender Fleiß in nicht unbedeutende Schulden versetzen, welche, noch ztze ein Jahr seit seiner Ankunft in Rom verflossen war, auf dm armen Gottmann ihren drückenden Einfluß übten. Zwar bemühte er sich frühzeitig, daß fejn Stipendium für da« nächstkommende Jahr erneuert werde; könnte aber zu seinem Leidwesen keine Gewißheit darüber erhalten. Vergeben« schrieb er in diese, Angelegenheit nach Wien an' Hr». v. W., der seit der Zeit seiner bersten Bekanntschaft sein eiftigster Gönner geworden; vergeben« that er zu diesem Zwecke geeignete Schritte in Rom selbst; es vergingen Wochen und Monate ohne den geringsten Erfolg. __ Wottrtonn« folg,.) *) Ja ei»m vertrauliche» Briefe a» seiae. Later schreibt er hierüber: „Was A«h»lichkett. würdige Auffassv»- a»d freie Le« ha»dlu»g des Marwors betrifft, darüber fi»d hier »tzta Kü»stlern gleich gute Stimme»; »e»n ich nsr a»ch j»r Z»friede»hett »»«t»rr liebe» Araber gearbellet habe, so ist «ei» Zrmck erreicht."