Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 11 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4903956-4931894-4931980--111-4904057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1^. 11 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 5 Jüdischer Kulturbund für die Pfalz. Herr Theo Friedländer, Pirmasens, der bewährte und um die jüdische Kulturarbeit in der Pfalz hochverdiente Geschäftsführer unseres Bundes hat dieses Amt im Hinblick auf seine bevorstehende Auswanderung niedergelegt und zugleich seinen Austritt aus dem Bildungsausschuß der Ortsgruppe Pirmasens erklärt. Der jüdische Kulturbund wird die Verdienste von Herrn Friedländer noch bei anderer Gelegenheit gebührend würdigen und den Scheidenden ehren. Heute wollen wir nur Veranlassung nehmen, unserem bis« herigen 'Geschäftsführer im Namen aller Kulturbundmitglieder für die von ihm seit 3 Jahren geleistete Arbeit herzlichst zu danken und ihm zu versichern, daß wir uns stets mit Freuden und innerer Befriedigung der vielen Veranstaltungen erinnern werden, um] deren Vermittlung und Zustandekommen er sich eifrigst bemüht hat. Ortsgruppen Kaiserslautern, Landau, Pirmasens. Persönliche Nachrichten. Gesucht wird zu einz. älterem jüd. Herrn in Mußbach/Pfalz solide Haushälterin. — Waschfrau vorhanden. Leopold Samson). Für Versicherungen aller Art, besonders Krankenkassen!Versiehe« rungen empfiehlt sich Julius Kohlmann, Neustadt 'Weinstr., Gustav Böhmerstraße 47. Rabbinatsbezirk Landau /Pfalz Amtl. Mitteilung des Vorsitzenden des Rabbinatsbezirks. Rabbinatsbezirks Versammlung. Die diesjährige Versammlung der Vorstände des Rabbinats" bezirks Landau/Pfalz soll demnächst stattfinden. Besondere Ein» ladung ergeht noch. Eventl. Anträge wollen bis 1. August bei dem Vorsitzenden eingereicht werden. Schwarz. Amtliche Mitteilungen des Bezirksrabbinats. Die Sprechstunden finden am Dienstag und Donnerstag jeweils von 10 bis 11 Uhr in meiner Wohnung, Glacisstraße 9 — Fernsprecher 2128 — statt. Zu anderer Zeit bin ich nur nach vorheriger Vereinbarung zu sprechen. Bewegung des Rabbinatsbezirks: Sterbefall: 31. Mai: Fräulein Maria Kehr aus Kaiserslautern (zuletzt in Klingenmünster). Auswanderung: Nach USA: Familie Otto Haas, Familie Max Kern, Werner Günzburger, Sohn des Herrn Siegfried Günzburger, sämtliche aus Landau; Familie Fritz Kahn aus Albersweiler; Arnold David aus Annweiler, Sohn des Herrn Hermann David; v Familie Lemle aus Hagenbach- Familie Siegfried Günzburger anläßlich der Auswanderung ihres Sohnes Werner^ Wegzüge. * Frau Marta Kahn, Franz von Eppstraße 5, aus Landau nach München; 'Frau Julius Kahn aus Albersweiler nach Düsseldorf. Aus den Gemeinden. . Landau. Jüdisches Lehrhaus. Die in der Zwischenzeit eingerichteten Lehrkurse in der ameri« kanisch-englischen Sprache durch Herrn Paul Feibelmann finden außerordentlich guten Zuspruch. Mit der eigentlichen Lehrhausarbeit soll aber erst nach den Herbstfeiertagen begonnen werden. Um aber den Wünschen un« serer Gemeindemitglieder entgegenzukommen, beabsichtigen wir schon jetzt je einen Kurs in der hebräischen, portugiesischen und spanischen Sprache zu beginnen. — Anmeldungen für sämtliche Kurse des Jüdischen Lehrhauses wollen entweder schriftlich, oder persönlich zu den Sprechstunden des Bezirksrabbinats vorgenommen werden. Das Bezirksrabbinat als Leitung des Jüdischen Lehrhauses. Chuppah. Wir erinnern daran, daß die isr. Kultusgcmeinde eine Chuppah (TrauhimmeH besitzt, die bei Trauungen den Gcmeindemitgliedem gegen eine Gebühr von RM. 10.— zur Verfügung steht. Gemeindebibliothek. V Die Bücherausleihe findet jeden Dienstag von 17.15 bis 18.15 Uhr im Bibliothekzimmer des Gemeindehauses, Schützengasse 4, statt. Die Ausleihe ist kostenlos und für jedes Gemeindemitglied des Rabbinatsbezirks Landau bestimmt. Ablösung an Stelle von Dankeskarten und Spenden. Es spendeten: Frau Dr. Einstein anl. der Jahrzeit ihres sei. Gatten. Herr Siegfried Sternweiler, Berlin, als Dank für die Betreuung des Grabes seiner sei. Mutter. Herr Otto Haas und Frau anläßlich ihrer Auswanderung. Den Spendern unser herzlichster Dank. Vorläufige Regelung des Wirtschaftsbetriebes. Der jüdische Wirtschaftsbetrieb in der Schützengasse 4, wird vorläufig zu folgenden Zeiten geöffnet sein: Montag 13 bis 16 Uhr; 20 bis 23 Uhr. Dienstag 13 bis 16 Uhr; 20.45 bis 23 Uhr. Mittwoch 13 bis 16 Uhr; 20 bis 23 Uhr. Donnerstag 11 bis 16 Uhr; 20 bis 23 Uhr. Freitag 13 bis 16 Uhr; abends geschlossen. Samstag durchgehend von 13 bis 23 Uhr. Sonntag durchgehend von 13 bis 23 Uhr. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß der Wirtschaftsbetrieb am Donnerstag versuchsweise bereits um 11 Uhr geöffnet wird. \ Spende. Herr Siegfried Siegel hat der isr. Kultusgemeinde einen sehr schönen Koffergrammophon überlassen. Dem Spender sei hier« für unser herzlichster Dank ausgesprochen. , Dank. Werner Günzburger und seine Eltern danken herzlichst für die ihnen anläßt, seiner Auswanderung erwiesenen Aufmerksamkeiten. Die Seelenzahl der isr. Gemeinden im Rabbinatsbezirk Landau im Jahre 1825. Der Redaktion wurde eine private Mitteilung über die Seelen« zahl der nachfolgenden isr. Gemeinden übermittelt, deren Rieh« tigkeit, an anderen Zählungen in dieser Zeitperiode gemessen, wohl durchaus zutreffen dürfte. . Im Jahre 1825 wohnten nach dieser Mitteilung in Ingenheim 448 Juden ('/, der Gesamtbevölkerung dieses Ortes), in Albers« weiter 221, in Essingen 254, in Landau 305, in Niederhochstadt 153, in Böchingen 176, in Edenkoben 162 Juden. wiederum als Theokratie, als Gotteskönigtum errichtet, Esra und ^Nehemia hatten sein Werk reorganisiert und dauerhaft gemacht; als aber die Nachfolger der Makkabäer sich izu Königen weltlicher Art erklärt hatten, hatte dies gar bald wiederum den Verfall und Untergang durch Rom zur Folge. Dann lebten die Juden zwei* tausend Jahre in der Gallith; ihr überall vorhandenes, schon in Babel geschaffenes Zentrum war die Kehillah Kedoschah, die „Heilige Gemeinde". Unter dem Zelt der Gemeinden fanden die Juden Schutz, pflegten und wahrten sie ihre Eigenart und gingen nicht unter, wenn auch ihr Wanderschicksal zeigt, daß sie nie zur Ruhe kamen. Der Versuch aber, dadurch zur Ruhe zu gelangen, daß sie wurden~,,wie die Anderen", mißlang. Judesein ist zu allen Zeiten gleichbedeutend gewesen mit: in der Absonderung,'' in der Minderheit sein. Minderheit aber hat keine Macht, sie muß ver* trauen auf das Recht. Die Not der jüdischen Gesamtheit veran« laßt es, daß wir immer wieder zurückgreifen auf die göttlichen Gebote der Gerechtigkeit und der Menschenliebe, wie sie in unserer Bibel verkündet sind. Und auch im Heiligen Lande ist die Be« rufung auf das Recht unser letzter, unser einziger Einsatz. 5o wurden und werden wir zur „Heiligen Gemeinschaft". Nicht etwa .so, als ob wir einzelnen Juden heilig wären; solche Ueberheblich« keit war nie der Sinn jüdischer Erwählungslehre, und ganz allein Korach, der Empörer und Schmeichler, hat das Wort gesprochen: „Die ganze Gemeinde sind lauter Heilige." Ein strafwürdiges Wort, das auch gestraft würde. Was es mit der Heiligkeit Israels auf sich hat, das lehrt uns der Segen Bileams. Er überschaute! das ganze Israel, „lagernd nach seinen Stämmen", und, mögen die Teile, die Einzelnen vielfach unzulänglich sein, auf die Gesamtheit des Volkes bezieht sich sein Ruf: „Man schaut nichts Verwerf» liches in Jakob und nichts Böses in Israel." Wer Not leidet, wird für sein Recht eintreten, und Recht kommt immer von Gott. So wird Israel, unabhängig von der Fehler« haftigkeit und Unzulänglichkeit der Einzelnen unter uns, zum Ver« künder der Gotteslehre. Diese Erkenntnis löst gewiß nicht unsere praktischen Nöte. Unsere Tagessorgen erfordern unsere ganze Arbeit. Die gleichermaßen religiöse wie geschichtliche Erkenntnis aber bewahrt uns vor Unmut und Verzweiflung, macht uns der Zu« kunft gewiß. „Vom Gipfel des Felsens und von den Hügeln herab" schauen wir Ganz«Israel auf seinem Gang durch die Geschichte, überblicken wir das ganze,- durch ein einzigartiges Schicksal von allen Völkern abgesonderte Volk, seine ihm von Gott verliehene Aufgabe 'des „Heilig'Seins", des „Gezwungensein, für Gott »zu wirken", seine durch diesen göttlichen Auftrag gewährleistete Unsterblichkeit, an der auch wir teilhaben, und getröstet, gekräf« tigt vernehmen wir und stimmen wir selber mit ein in Bileams Sc« gensrut: „Wie schön sind Deine Zelte, Jakob, Deine Wohnungen, Israel!" Dr. Ncllhaus, Pirmasens.