Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 11 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. II Aus Billigheim. In Brüssel verstarb Frau Daniel Becker (früher in Billigheim wohnhaft). Persönliche Nachrichten. Wer gibt von seiner" Wohnung drei Zimmer mit Zubehör ab? Interessent würde sich eignen für gemeinsamen Haushalt Küche zu führen. (Zum 1. August spätestens.) Angebote an das Bezirksrabbitoat. Wer hat einen Aktenschrank und einen kleinen Handkoffer ab' zugeben? Angebote an die Verwaltung der isr. Kultusgemeinde Landau. Ein gut 'erhaltener, weiß>cmaillierter Küchenherd, rechts vom Kamin, zu kaufen gesucht. Eventl. Angebote an das Rabbinat. Rabbinatsbezirk Pirmasens Bewegung des Rabbinatsbezirks: Geburt. , 28. Mai: Rudi Salomon, Sohn des Herrn Fritz Joachim Kahn (z. Zt. Argentinien) und seiner Ehefrau Meta geb. Strauß in Höh' cinöd. Trauung: 16. Juni: Herr Carl Kahn aus Lambsheim und Frl. Paula Katz aus Dahn. Verlobung. 5. Juni: Fräulcinx Ilannele Reinach aus Karlsruhe und Herr Walter Stern aus Pirmasens. — Fräulein Setti Stern aus Pirmasens und 1 lerr Alfred de Beer aus Emden. Sterbefall: 12. Juni: Wwe. Sara (Rosina) Moses geb. Weis aus Herschberg, S5 Jahre. Wegzug. Nach Frankfurt a. M.: Frau San.»Rat Dr. Johanna Frank aus Pirmasens. . Nach Köln a. Rh.: Familie Gustav Samuel aus Rodalben. Auswanderung. Nach USA: I lerr Eugen Stern und I lerr Paul Wolff «aus Pirmasens. . V Nach Argentinien: Herr Rupprecht Meyer aus Pirmasens. Aus den Gemeinden. Pirmasens. Jüdische Winterhilfe 1937 38. Am S. Juni hielt der Synagogenrat unserer Gemeinde gemein« sam mit der Leitung und dem Bctreuungsausschuß der Jüdischen Winterhilfe Pirmasens eine Sitzung ab. Die Herren Artur Wolff und Karl Kahn erstatteten Bericht über die Kassenprüfung und 9^"~ Hasl du deine Kultus- Steuer schon bezahlt? beantragten Entlastung für die Leiter der Jüd. Winterhilfe. Herr Dr. Neilhaus gab einen Ueberblick über die Spendeneingänge und Einnahmen, sowie über die Leistungen und Ausgaben im Vergleich zum Vorjahre und stellte mit Befriedigung die Opferwilligkeit fast aller Gemeindcmitgliedcr und die dadurch gegebene Möglich« " ' ■ * ~ Buchbesprechungen Der Peelbericht über Palästina. Schockcn«Verlag 1937. In unseren Tagen, da das Problem der Teilung aktuell ist, wird man wohl nicht so leicht ein Werk finden, das all die Fragen in so klarer Weise herausstellt und' darüber hinaus die historischen Voraussetzungen in äußerst lebendiger Weise — was man hinter einem Bericht nicht suchen'dürfte — vor Augen führt, wie der Peel» Bericht. Wir lernen in diesem Werk in erster Linie die Haltung Eng» lands zur Palästina»Frage und darüber hinaus auch hinsichtlich zur Juden» und Araberfrage kennen. Wir spüren aus den Zeilen die Achtung der Königl. Kommission vor den jüdischen Leistungen in Palästina heraus. Der Bericht hält aber auch nicht vor einer Kri« tik an der. Führung der Palästina«Rcgicrung zurück und versucht Arabern und Juden Vorschläge zu einer Verständigungsmöglich' keit zu unterbreiten. Der Bericht, der auch gleichzeitig als wich» tiges historisches Dokument angesehen werden kann, wird wertvoll ergänzt, durch eine Reihe von Karten und Statistiken. Melitz Rudolf, „Das ist unser Weg", Joachim Goldstein'Verlag, Berlin 1937. , I In einer Zeit, da die Frage der Umschichtung und Hachscharah so brennend geworden ist, ist dieses Büchlein rechtzeitig erschienen. Das Gute an dieser wohlfeilen Broschüre ist, daß sie es vermied, ir» fend welche trockene Abhandlung zu bringen, die gerade in unserer Icit nach Wochen schon vielleicht als überholt angesehen werden darf. Junge Juden schildern selbst ihren Weg zur Umschichtung keit fest, die notleidenden Familien und Einzelpersonen ausreichend mit Lebensmitteln, Kohlen und Kleidungsstücken zu versorgen. Der Vorsitzende des Synagogenrats, Herr Moritz Mayer, erteilte der Leitung die beantragte Entlastung und sprach ihr, dem Betreuungs» ausschuß, den Kassenprüfern, sowie allen Spendern und Helfern im Namen der Gemeinde den herzlichsten Dank aus. Der Synagogen« rat hat den Wunsch, daß sich die Gebefreudigkeit unserer Gemein« demitgliedet in unverminderter Kraft auch in den Sommermonaten bewähren möge, damit die Wohlfahrtsstelle der Gemeinde in die Lage versetzt wird, allen Hilfsbedürftigen entsprechend ihren Be* dürfnissen zu helfen. Dank. Allen, die meiner anläßlich des 50. Geburtstages freundlichst gedacht haben, sage ich hiermit verbindlichsten Dank. Karl Kahn. Abschied. Verwandten und Freunden sage ich mit den besten Wünschen für die Zukunft herzlich „Lebewohl". Frau Johanna Frank. Hiermit rufen wir allen unseren Freunden und Bekannten ein herzlich „Lebewohl" zu. Familien Richard und Leopold Gerson. Allen meinen Freunden und Bekannten sage ich auf diesen» Wege herzlich „Lebewohl". \ Paul Wolff. Persönliche Nachricht. Wohn: und Schlafzimmer für älteres jüd. Ehepaar oder zwei ältere jüdische Herren, bzw. Danen mit voller Verpflegung in einem Landhause nahe am Walde in ruhiger Lage per sofort abzugeben. — Interessenten wollen sich an Herrn Dr. •Neil« haus, Pirmasens, Telefon 346, wenden. Rabbinatsbezirk Ludwigshafen Bewegung des Rabbinatsbezirks: Sterbefälle: 31. Mai: Herr Rudolf Mann aus Ludwigshafen, Bleichstr. 8, 61 Jahre. 1. Juni: Frau Friedericke Rothschild Wwe., geb. Neumann aus Ludwigshafen, Heinigstr. 39, 82 Jahre. 6. Juni: Herr Eugen Berg aus Ludwigshafen, Schillerstr. 14, 55 Jahre. 18. Juni: Herr Richard Hene aus Haßloch, 46 Jahre. Barmizwah: 9. Juli: Walter Zivi, Sohn des Herrn Synagogenwart Eugen Zivi aus Ludwigshafen. 23. Juli^ Werner Streitel aus Maxdorf. Die Feier findet in Lud' wigshafen statt. Auswanderung. Nach USA: Familie Emil Mayer aus Neustadt. Aus den Gemeinden. Aus Bad Dürkheim. Eine bedeutsame Aenderung, auch ein Ausfluß der Zeit,' hat sich innerhalb unserer Gemeinde unlängst am 29. Mai vollzogen. Der Jünglingsverein — Chewra der Bachurim, gegründet im Jahre 1795, also vor 143 Jahren, hat im Laufe des letzten Jahr» zchnts gleich unserer Gemeinde so viele Mitglieder eingebüßt, daß sein -Fortbestand gefährdet war. Nachdem heute fast sämtliche unserer Gemeindemitgliedcr auch Mitglieder des Jünglingsvereins sind, so lag nahe, eine Fusion, eine Verschmelzung vorzu« und Hachscharah. Der Leser und Interessierte wird auf diese Weise mitten in die Problematik hineingestellt, sieht durch die lebendigen Schilderungen die Schwierigkeiten viel klarer, so viele Fragen lösen und so viele Irrtümer klären sich auf diese Weise. Den harten und heiligen Weg so vieler jüdischer Menschen nach dem heiligen Land und andere Länder, und wie dieser Weg gemeistert wird, schildert diese aufschlußreiche Broschüre. Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Israelitischen Tempels in Hamburg 1817—1937. Herausgegeben von Oberrabbiner Dr. Italicner. Hamburg 1937. Diese buchtechnisch schön ausgestattete Festschrift des Israel. Tcmpelvcrbandes vermittelt ihren Lesern in gedrängter Form ein übersichtliches Bild aus der Arbeit des Verbandes, der als erster für eine religiöse, gottesdienstliche Reform eingetreten ist und sie praktisch verwirklichte. Der Tempel, der nie die Bahn des traditionellen Judentums verließ, wohl aber den neuzeitlichen An* schauungen sich aufzuschließen und nach reiflicher Prüfung in irgend einer Form sie im jüdischen Kultus einzuordnen als seine Aufgabe ansah, ist damit richtunggebend für alle religiös«liberalen Gemeinden geworden. Freilich unterstand auch der Kult im Harn« burger Tempel Wandlungen, manche aus dem Bestreben ihrer Zeit verständlichen Reformen wurden wieder beseitigt — der Linie der jüdischen Tradition aber wurde die'Treue gewahrt. Diese Linie aufzuzeigen, darzustellen, wie versucht wurde lebendige jüdische Tradition für den neuzeitlichen Menschen wachzuhalten, ist «die Aufgabe dieser Schrift. Man darf sagen, daß sie diese Aufgabe in vollem Maße erfüllt hat.