Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 16 (15.8.1935)
- Date
- 1935-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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n» l6 Gemetndeblatt der Israelitischen Religiontgemetnde Dresden Seit« 3 Mm Dies« Aufstellung lst jedoch Schwankungen unterworfen, d) 2m zweiten Falle erfolgt die Genehmigung zur Überweisung nach dem Ztelland durch Zahlung auf Grund eines Verrechnungsabkommens, wenn das Abkommen derartige Leistungen allgemein umfaßt, oder wenn die deutschen und ausländischen Verrechnungsstellen einer derartigen Leistung im Einzelfalle zugestimmt haben. Hier kommt eine große Zahl, insbesondere europäischer Länder in Frage,, mit denen Deutschland Verrechnungsabkommen abgeschlossen hat (häufigere Transferierungen auf Grund dieser Abkommen erfolgen z. B. nach Spanien, Ikorwegen und Dänemark.) ' Besondere Bestimmungen gelten für die Kapitaltransserterungen nach Palästina. Hier erfolgt zur Zeit der Transfer des Vorzeigegeldes von -1000 Pfund durch die Vetchsbank und weitere Beträge bis zum Gesamtbeträge von in der Vegel 60000 VM über das bekannte Sonderkonto I. Durch die erhebliche Beanspruchung der Veichsbank und des Sonderkontos erfordert die Transferierung nach Palästina jetzt längere Fristen. Zn besonders gelagerten Fällen kann auf Grund einer »Oringlichkeitsbescheinigung* eine beschleunigte Transferierung siattfinden. Doppelter Wohnsitz ' Zn gewissen Fällen ist es für jemanden, der inS Ausland überfledelt, unmöglich oder unzweckmäßig, seinen inländischen Wohnsitz aufzugeben. Zn solchen Fällen hat der Betreffende, wenn er im Ausland einen weiteren Wohnsitz begründet, einen sogenannten bevisenrechtlichen doppelten Wohnsitz. Er unterliegt daher sowohl in seiner Eigenschaft als Devisen Inländer als auch in seiner Eigenschaft als Oevisenauslänber den bevisenrechtlichen Vorschriften, d. h. er muß einerseits - als Znländer - alle anbietungspflichtigen Werte der Veichsbank anbieten usw., und anderseits ist er-als Ausländer-in der Verfügung über sein hier befindliches Vermögen beschränkt. Eine Befreiung von den Auswirkungen dieser unliebsamen Doppelstestung kann durch die Veichsstelle für Devisenbewirtschaftung erfolgen. Oer Betreffende ist dann für einen bestimmten inländischen Vermögenskreis als Oeviseninländer und für einen bestimmten ausländischen Dermögenskreis als Oevtsenausländer anzusehen. Znsoweit entstehen also einmal keine Anbletungspflichten und ausserdem auch keine Sperrforderungen. Rudolf Gräupner. Zur Jugend am Sabbaf Jugendrabbiner Dr. Heinrich Lemle, Frankfurt a. M. Aus »predigten an das Judentum von heute*. Soeben erschienen als Band 1 der von Willi Leven herausgegebenen Reihe »Bücher der Erneuerung* im Joachim Goldstein-Verlag Berlin. f Liebe Jungen und Mädel I Golf hafte die Well erschaffen. Als Krönung hatte er ihr den Menschen gegeben. Am Ende seines Werkes ließ Gott die Welt voll werden seiner Geschöpfe, auch der Menschen. Und er gab ihnen ihre Ordnung. Aufgeteilt wurden unter sie die Güter der Welt: Macht. Reichtum. Glück. Ein Volk nalh dem anderen hatte Gott zu sich gerufen, erst mit ihm gesprochen und ihm dann nach langem Zögern sein Gut anverlraut. Dem ersten Volk die Macht, deir anderen Völkern die weiteren Güter. Mit doppelter Gabe schieden sie von Gott: mit dem Gute aus der Hand Gottes, mit der Rede aus seinem Munde. Als alles verteilt war. kam zu Gott der Jude. Er kam — vielleicht nach ein paar Jahren, vielleicht nach einigen Jahrzehnten — er kam zu spät. Zu spät für Macht und Reichtum und Glück. Und da rief er: „Hast. Herr, Du für mich denn kein einziges Gut mehr zurückbehalten, soll ich leer durch die Zeiten gehen?" Gott antwortete ihm: „Zu spät bist- Du, die Güter der Welt sind verteilt." Und nochmals hob der Jude seine fragende Stimme: „Willst Du mich also von Dir weisen? Muß ich arm wandern inmitten der andern Völker?" Da stand der Herr auf. Er führte den Juden hin zu dem Fenster des Himmels. Man sah von dort hinunter zu den Menschen, den Verwaltern von Gottes Gut und Gottes Rede. Der Herr öffnete das Fenster. Sein Finger wies nach einer Seite. Von dort her'drang wüstes Geschrei herauf. Man sah brennende Häuser und im Blut sich wälzende Menschen. „Was ist mit denen?" fragte'der Jude. „Die Menschen sind es ", erwiderte der Herr, „denen ich die Macht gab. Als Kraft gab ich sie ihnen im Kampfe gegen die Gefahr. Gegen alle Hindernisse ihrer Arbeit. Gegen die wilden Tiere und gegen die giftigen Pflanzen. Und ich hatte gehofft, daß ein starkes und mächtiges Geschlecht herrsche auf Erden über alles Wilde und Giftige. Was aber täten sie? Der Jäger zog aus im Kampfe gegen den Bären. Als Hindernis trat ihm sein Bruder in den Weg. Der Arm, der die Lanze trug gegen das Tier. bohrte die Tod bringende Waffe dem Bruder-ins Herz. Und weiter: Feld an Feld lagen die Besitztümer zweier Freunde. Sie schichteten Steine als Grenze zwischen ihre Felder. Da schlich dem einem der Gedanke in die Seele, wie schön es wäre, wenn ihm nicht eine Grenze seinen Besitz einenget. Und als sie wieder einmal auf nachbarlichem Felde arbeiteten, hob. er . den Stein vom Grenzwall und schleuderte ihn mitten auf des anderen Stirne. Und ich hatte geglaubt, daß stark Kulfurveranstaltungen im Winter 1935/36. Die Arbeit der Jüdischen Künstlerhitfe wird von dem Mischen Kulturbund vresden fortgesetzt werden, der dem Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland angeschlossen ist. Die Kulturarbeit wird Ende Oktober auf genommen und zunächst vier künstlerische Veranstaltungen in einem fremden Saal und vier weitere in 'dem neugeschaffenen Gemeindesaal der Synagoge vorsehen. Daneben werden von der Gemeinde aus eine Reihe — teilweise unentgeltlicher — Vorträge sfattfinden. Die von der Behörde gewünschte Umgründung zum Kulturbund, d. h. zu einer festen Mitgliederorganisation, bringt es mit sich, daß künftig nur M i.t g I i e d e r des Kulturbundes siine Veranstaltungen besuchen können. Die Mitglieder erhalten einen Lichtbildausweis. Es wird möglich sein, den Monatsbeitrag so niedrig zu halten, daß kein Gemeindemitglied zurückzustehen braucht. Durch die Möglichkeit, außer der einfachen Mitgliedschaß ein Abonnement zü erwerben, kann der Besuch der Veranstaltungen weiter verbilligt werden. - Verhandlungen mit den besten gegenwärtig in Deutschland verfügbaren jüdischen Künstlern und Ensembles sind eingeleitet. Wenn es gelingt, den Kulturbund in Dresden durch eine recht große Mifgliederzahl auf eine breite Basis zu steilen, wird es möglich sein, erstklassige Ver-. anstaltungen zu bieten, so daß unsere Gemeindemitglieder imjeigenen Kreise rechte Erhebung finden können. Wir bitten, die näheren Ausführungen in der nächsten Nummer des •Gemeindeblattes frdl. zu beachten.