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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-08-15 · 16 (15.8.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
16 (15.8.1935)
Date
1935-08-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Nr 16 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionigemeinde Dresden sei die Hand in der Arbeit. Sie aber, die Menschen der Macht, haben falsch sie genutzt und Segen gewandelt im Fluch.“ Starr stand der Jude. Als er erschüttert weiter fragen wollte, wies der Herr schon in eine andere Richtung, Von dort her kam es wie Stöhnen und Weinen. Geknechtete Menschen krümmten sich unter dem Peitschenschlag herrischer Hand. Der Herr aber fuhr fort zu erklären: -..Dort siehst Du die Männer des Reichtums. Gold hatte ich ihnen gegeben und viele Herden und Länder. Ich hatte geglaubt, dies würde allen zur Freude sein: denn es war genug für jeden. Was aber taten sie? Wenige hatten alles und vielen fehlte das Brot für den Hunger, das Kleid für die Kälte. Ausgeliefert waren nun die Armgewordenen den Reichen und sie verkauften ihnen ihr Leben. Und aus Bruder und Bruder wurde Sklave und Herr. So hatte der Mensch sich selbst das# Letzte genommen: die Freiheit des Nächsten.“ So klagte Gott über die Menschen des Reichtums. Wieder und wieder erschauerte der Jude. Noch aber entließ ihn der Herr nicht: noch hatte der Jude das Volk mit der Gabe des Glücks nicht geschaut. Und als sie sich dorthin gewandt hatten, brauchten sie nicht lange zu suchen. Himmelwärts ragende Fäuste schaute ihr Auge, höhnendes Lachen und dröhnendes Fluchen trafen ihr Ohr. Und abermals mußte der Herr den Weg seiner Geschöpfe deuten. ..Menschen gab es. denen jeder Wunsch sofort erfüllt wurde. Eben noch hatte ihr sehendes Auge sich einen herrlichen Palast erdacht; da, in Jahresfrist, stand er noch schöner vor ihnen. — Viele zu sein, war ihr Stolz. Und in der Kürze der Zeit war ihr Zelt voll von jungen kräftigen Stimmen. Tief in die Geheimnisse der Natur einzudringen strebte ihr forschender Sinn: und begreifen durften sie. was selten sich Menschen erschließt. Sie lernten die Gesetze der Natur verstehen und damit sie zu beherrschen. Am Ende, so dachte ich, steht der Dank. Dank dem Herrn, der Pracht und Kinder, und Weisheit ihnen verlieh. Was aber stieg da trügerisch auf in der Brust der Frechen? „Wer ist der Herr?“ so riefen sie einer dem andern. „Wir haben gebaut, unser sind die Kinder, uns bleibt nicht ein Geheimnis der Welt verborgen. Wir sind die Herren der Erde.“ Das waren die Fäuste, die frech sich emporwagten: Fäuste geballt gegen den. dem dankbares Flehen sie geschuldet.“ Der Herr schloß das Fenster. Stille lag zwischen ihm und dem Juden. Er. der zu fragen hatte, konnte nicht mehr fragen.- „Nun. hast Du Sehnsucht nach den Gütern der Welt?“ „Herr, viel wage ich. aber ich muß es wagen. Sind jene denn Schuldige? Hast Du nicht viel zu schwere Gabe ihnen gegeben? Hast Du ihnen denn gesagt vom doppelten Gesicht ihrer Güter: von deren Kraft und von deren Gefahr?" „Da ich ihnen ausgeliefert das Gut, das sie ersehnt, habe ich lange mit ihnen gesprochen: habe sie gewarnt und gemahnt. Sie wollten das Gut trotz der Gefahr: jetzt ist nichts als Gefahr trotz des Guten." Der Jude begann noch einmal seine Rede: „Sag. Herr, und ist denn jetzt gar keine Rettung mehr da? Gibt es denn gar keine Möglichkeit mehr, das Böse zum Guten zu wenden?" Lange schaute der Herr auf den Juden; und als er ihm dann antwortete, war ihm die Stimme schwer und voll von Enttäuschung. „Es gibt eine Hilfe; wenn es Menschen gibt, die sie den anderen bringen wollen. Menschen mit großem Willen und starker Liebe müßten es sein. Sie müßten alle das Böse schauen, so wie es ist. Sie müßten einmal begriffen haben, wie es dazu kam. Dann aber müßte der Glaube in sie einziehen, daß, trotz der schlechten Verwaltung der Güter durch die Menschen, doch noch das Gute in ihnen schlummert. Das. was ich diesen Menschen, die die Rettung bringen wollen, zu geben habe, ist das Träumen. Träumen und immer wieder träumen müßten sie vom Guten am Ende. Sehen und hören und spüren an sich selbst müßten sie all das Böse. Müßten spüren die Faust des Starken, müßten wandern und dienen als Sklaven, müßten hören das Spotten und Fluchen der andern. Und immer dann müßten sie trotz alledem träumen und — glauben den Traum. Schwer ist der Traum, noch schwerer, ihn auf dem Wege des Leids immer zu glauben. So nur aber, wenn einer nie daran vergißt, wie die Welt aussehen könnte, wird die Welt nicht verloren sein können.— Wer aber will wählen das Schwere des Traumes und des Weges?" Da aber traten Helle und Strahlen auf die Wangen des Juden. Und als er jetzt bittend die Stimme erhob, schien er zu wachsen, während er sprach: „Herr. Du suchst die Menschen des Traumes, das Volk des schweren Weges I Herr, gib mir den Traum und ich will gern wandeln den Wegl Herr, ich will gehen als Sklave und dienen als Geschlagener: ich will aber immer und immer (räumen und glauben, was ich geträumt und eben geschaut.“ Und der Herr schaute auf den Juden und gab ihm seine Gabe. Kurz nur mehr war seine Rede: „Geh und trage und träume und glaube — und rette 1“- Seitdem gehen Juden durch die Welt und durch die Zeiten. Doppelt ist ihr Erbteil. We^ ist es und Traum. Wenn wir jung sind, lernen wir träumen; wenn wir reif sind, müssen wir gehen. Und wenn wir gehen, gehen wir mit dem Traum. Mit dem Traum unserer Väter: mit viel gutem Willen, mit viel Kraft der Liebe. Wir gehen den Weg des Schweren und tragen das Pfand vom guten Ende trotz allem. Amen. filtine flnjeip werden bis auf weiteres im Gt«ei»!>rii»1. ZMmMe 3 (gegen vorherige Äezahlung) angenommen. Dr. med. Valeria Handzel Ärztin (Innere-, Kinder-, Nerven-Krankheiten) Große Zwlngerstrafle 10 rynr’ll r»lr Fernsprecher Nr. 16361 ölU ULK Df. Alice Heelig-Hderz Ärztin für frauen und Kinder von der Reise zurück ‘Bayreu her Zlr. 30 Dr. Eg er Hals-, Nasen , Ohrena zt SidonienstraBe 2 zurück Ul 2 gr&ie möblierte 3immer per Wort in oermietei! Jtreis je m 15.- Näheres bei Borkswskl, Dresden-N., Rudolfstr.32 6400t Krastdroschken-Ruf 64011

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