Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 15 (12.4.1867)
- Date
- 1867-04-12
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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» ftafoia Wochenschrift fb gtidtsch« Angelegenheiten. 117 Referent nur eine Seite derselben besichtigen, an deren oberen Thelle sich die Buchstaben דיפדיח׳ und unter diesm zwei vom * Aahnedrr Zeit etwa» verwischte (!)^Höhungen sich befinden, welche uu» zwei Herzen zu sein schienen, hierauf folg da» Symbol der Freundschaft, nämlich zwei einander drückende Hände. Den Schluß bildet ein undeutliche» Wappen mit einem TI auf dessen linker und einem I* auf/der rechten Seite. Da» zweite der erwähnten Antiquitäten ist ein jüdischer (?1) Säbel — feinste Damaszener Klinge — und soll laut vorliegendem Programme au» der Zeit de» König« Ulüßlä stammen, in wel. cher ebenfallS^die Juden die LandeSmünzpräge verwalteten. Wel« cher Grund zur Annahme diese» Zeitalter» vorliegt, konnten wir nicht ermitteln. f Auf der Klinge diese» Säbels befindet sich folgende Inschrift: יהי יהוד. אדני שם יחוד. עז ישועחי מבורך Die Buchstaben sind au- Silber in der Klinge derart eingelegt, daß sie über der Oberfläche derselben keine Erhöhung bilden und Li» auf den letzten, welcher nicht leicht auSnehmbar ist, vollstän« dig erhalten. B. Chananjah. Bemerkung. Die von LandShuth (״Gegenwart" S. 31) verworfene' Behauptung Auerbach'» (Gesch. der iSr. Gem. Halberstadt, S. 33), ״daß R. Akiba Eger sich Gin»mann unterschrieb", wird dadurch erhärtet, daß fast alle Unterschriften der Familienglieder Eger'» (wir haben einige Autographen selbst gesehen) den Schluß ממשפחת־ גנשמן haben. Somit, ist die Unterschrift ננשמאן in der Approbation zur Mischna derabbi Elieser kein Druckfehler, (wie es LandShuth a. a.A. haben will). Laut einer alten Tradition stammt die Familie Eger von dem bekannten David Gan» (Vers, der Annalen ״Zemach David") ab, wodurch die Unterschrift Ganömann (nicht GinSmann) zu erklären ist. Or. ■*>. Das Institut zur Förderung der israelitischen Kitrratur hat kürzlich die Schriften pro!866/67, de» zwölften Jahres sei« ne» Bestehens, versendet. DaS!bedeutende Verdienst, das sich vr. Philippson durch die Gründung des Literatur-Vereins so- Wohl um die Wissenschaft, als^ besonders um die Volksbildung erworben, tritt mit jedem Jahre inehr hervor. Vermittels des Institute» sind neben unbedeutenden Schriften, die auf keinen Fall von Schaden^ gewesen sind, nicht wenig gute Bücher in Tausenden von Exemplaren verbreitet worden, die auf dem gewöhnlichen Wege des Ver« lag» auch nicht so viele Hunderte von Abnehmern gefunden haben würden. Auch die diesjährigen, wegen der widrigen Verhältnisse des vergangenen Jahres nur in einer Auflage von 2800 Exemplaren verbreiteten Werke sind, im Verhällniß zu dem niedrigen Abonne« mentSpreiS, eine sehr anerkennenSwerthe Leistung. Da ist zunächst ״Jakob Tirado, Geschichtlicher Roman au» der zweiten Hälfte de» sechszehnte» Jahrhunderts von Lud« wig Philippson". Der Verfasser von ״SepphoriS und Rom" ist kein Neuling auf dem Gebiete de» historischen Roman». Die Schwierigkeit, ־in altem Kostüme moderne Ideen wirken zu lassen, — denn den Leser können eben nur in ihm lebende, nicht auf« ׳ I , gebrauchte, sogenannte überwundene Anschauungen interessiren, — diese Schwierigkeit weiß der Verfasser durch seine lebhafte, L«. rrdte Schilderung von Ort, ,Zeit und Persönlichkeiten so geschickt zu überwinden, daß der Dichtung, trotz de» Abeutheuerlichen, mit dem sie mehrfach ausgeschmückt ist, doch da» Zeugniß per inneren Wahrheit oder, um e» vulgär au»zudrückeu, der Wahr« scheinlichkei.t nicht versagt werden kann. — Die Erzählung spieU um da- Jahr!568, zu der Zeit, al» Philipp ll. von Spanien ״seinen Alba" zur Ausrottung der Ketzerei und Einführung der Inquisition nach den Niederlanden schickte, und in der Folge die glorreiche Revolution der Niederlande und der Seekrieg zwi« scheu England und Spanien begann. Der Schauplatz der Be« gebenheiten ist bald in Brüssel, bald in Portugal, bald auf den MeereSwogen, bald in London. * ־־ Der Held bef Erzählung ist ein spanischer Marrane*), der, im Bunde mit den Geusen, die Herrschaft der Spanier in Por« tugal und den Niederlanden stürzt. Wir wollen jedoch der Lektüre nicht den Reiz der Neuheit nehmen, und gehen daher, indem wir nur noch bemerken, daß dem Leser auch Alba, Egmont, die Königin Elisabeth von Eng« land und chre berühmten Staatsmänner vorgeführt werden, auf ein anderes Buch über, da» wir schon in unserer vorigen Num« wer erwähnt haben. Salomo Gabirol und seine Dichtungen. Bon Abraham Geiger. Leipzig 1867. Gabirol war ein Dichter im vollen Sinne de» Worte», nicht ein bloßer Formkünftler, wie die Lyriker unserer Tage. Schlürft ich der Lippen Honig ein? Berauschte mich de» Kusses Wein? Hab' Wangenblüthen ich gepflückt. Gesogen AthemS frischen Duft? — Mich hat Gabirols Lied erquickt, Sei» Aushauch junger Frühlingsluft! ruft ein zeitgenössischer oder nicht viel später lebender Dichter begeistert von ihm aus.**) Man sieht daraus so viel, daß er nicht gefallen, sondern entzückt hak; daß er nicht gelesen, sondern gesungen wurde. Einige von Gabirol'S Dichtungen kennt gewiß jeder unse« rer Leser. Die herrlichsten Selichoth, daö שופט כל הארץ, die ״Akedah", das אחה אל אלהים, die schönsten, schwnllgvollsten Partieen, die daS Machsor für den Vorabend des VersöhnungStageS bietet, verdanken wir der ־poetischen Kraft Gabirols: Dichtüngen, die an Erhabenheit de» Ausdruckes und an Tiefe der Empfindung nur hinter wenigen Psalmen zurückstehen, und mit denen sich in Bezug auf Innigkeit und Wärme des Gefühls, eben« darum natürlich auch in Bezug auf die Wirkung, kein Choral messen kann. Aber von Gabirols Geisteswerken ist nur ein kleiner Th eil in unsere Liturgie übergegangen; dieser Thcil ist schon vielfach von Sachs, Stein, Kämpf u. A. bearbeitet und übersetzt worden. DaS Andere, namentlich die »ichtreligiöse, die philosophische Dich« tung, noch mehr seine tiefe Philosophie selbst, die ״mühsame Ar« beit seines Denkens, die da« innerste Wesen Gabirols wiederspie« *) Neu. oder Juden.Lhristcn, die gezwungen die Lause annahmen, jedoch heimlich sich zum Judenthum bekannten. E» gab deren viele Tausende in Spanien. —) In der arabischm Poetik de« 80 Jahre nach Gabirol schreibenden Mose« ben S«ra au» Granada (um UOO) sind diese Berse citirt, ohne daß der Berfafler derselben genannt wird. Obige Ucbcrtragung ist ebenfall« von Geiger. V