Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1867-04-12 · 15 (12.4.1867) · p. Seite 116

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
15 (12.4.1867)
Date
1867-04-12
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4889892-5434108-5434140--147-4890018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

116 Di« Gegenwert. Christ, der sich mit einer Jüdin verlobte, lebendig verbrannt?) Ja, sogar bei Hinrichtungen wurden die jüdischen Verbrecher von den andern abgesondert, und bis zum 14. Jahrhundert wurden sie zwischen zwei Hunde» mit dem Kopf abwärt« gehängt?) Rach dem heiligen Thoma« von Aquina konnte der Staat mit Recht all ihr Besitzthum einziehen, da e« doch nur durch Wucher er« worben war?) und wenn man sie diese» Geschäft unbehelligt betreiben ließ, so geschah e« lediglich, weil sie bereit« so hoffnungslos verdammt waren, daß kein Verbrechen ihren Zustand noch mehr verschlimmern konnte. Beschimpft, geplündert, gehaßt und verachtet von allen christlichen Nationen, au« England von Eduard I, und aus Frankreich von Karl VI. verbannt, fanden sie in den spanischen Maurenherrschern, die neben großer Duldung, dem steten Erzeugniß einer hohen geistigen Bildung, ein besondere« Mitgefühl für einen VolkSstainm hatten, dessen reiner Monotheismus einen scharfausgeprägten Gegensatz gegen den kaum verhüllten Polytheismus der spanischen Katholiken bilrete, und jüdische Gelehrsamkeit nnd jüdischer Geist trugen sehr mächtiglich zu jener glänzenden, aber vorübergehenden Civilisatio» bei, welche von Toledo bi« Cordcva strahlte und einen so heilsamen Einfluß auf den Glauben Europas übte. Als jedoch in einer unheilschwangeren Stunde daS Kreuz den Halbmond auf den Zinnen'' der Alhambra verdrängte, da ward diese einsame Zufluchtsstätte zerstört, der letzte Schimmer der Duldung schwand a uö Spanien, und die Vertreibung der Juden war beschlossen. Dieses Edict war die unmittelbare Frucht der Bemühungen Torqu.niada's, der, wenn er eS auch nicht veranlaßte, zum wenigsten doch durch einen eigenthümlichen Akt der Kühnheit die Unentschlossenheit der Königin beseitigte?) deS EdicteS letzter _ ■ v 4) Oeuvre de St. Koix, tom. IV. p. 88, 89. Eine ähnliche Verordnung wurde in Spanien erlassen (91io«, S. 88, 89). Im Bolle, lebte der Glaube, da« Blut der Juden sei schwarz und saul und sie wären mit einem angeborenen schlechten Geruch behaftet. Eine umständliche Erörterung darüber findet man bei Seffa. Ader vielleicht da« sonderbarste Beispiel dieser Art Aberglauben« bietet eine die übeldcrufenen Häuser zu Avignon regelnde Verordnung der Königin Johanna I. vom Jahre 1347, worin, nach vorsorglicher Feststellung der einzelnm Bequemlichkeiten für die Christen, bestimmt wird, daß keinem Juden der Zutritt, bei schwerer Strafe, gestattet werde (Sebatier, Hist de la Legislation »ur les Kemmes Publique« p. 103). Die Ä echt heit dieser Bersügung ist zwar bestritten worden; allein Sabatter ist e« gelungen, sic zu vcrtheidigen und er hat nachgewiesen, daß 1408 rin Jude thatsächlich in Avignon wegen de« fraglichen Vergehen« gepeitscht wurde (S. 105, 106). Die außerordentliche Scheu vor den Inden gab Ullrich von Hutten den Stofs zu einem seüter glüdlichst au«gearbeitcten Spottbilder, nämlich, der Echildemng der Geiste«qualcn eine« Frankfurter Studenten, der einen Juden für einen Stadtschöffcn haltcitd, den Hut vor ihm abnahm, und bei Entdeckung seines Jrrthum« mit sich nicht in'« Reine kommen konnte, ob er eine Tod- oder nur eine Lrlaffung«sünde begangen habe. (Epistol. Obscurorum Virorum, sp. 9.) *) Midi eiet, Origines de Droit p. 368. T) Al» die Herzogin von Brabant Gewissensbisse über die Duldung der Juden hatte, unterbreitete sic die Sache dem heiligen Thoma«. Unter andern erwiedene er, die Juden wären zu ewiger Knechtschaft verdammt, und da ihr Bennögen doch nur durch Wucherei erworben sei, so könne r« von Rechtswegen ihiten entzogen werde», um denen, die den Wuchrrzin» bezahlt haben, wieder gegeben, und wäre die« unmöglich, zu) irgend einem frommen Zweck verwendet zu werden. (Ausführlich ist dieser gekünstelte Brief abgedruckt in van Bruyssel, Hist, du Commerce Beige, tom I. p- 239, 240). lieber die allgemeine Lehre, daß da« dprch Wucher erworbene Eigenthum durch die weitlicht Macht eingezogen werden darf, siche Paramo, De Orig. Iuquisit p. 167. •) Die Juden boteti 30,000 Dukaten, um zu bleiben. Die Königin soll eine zeitlang gezögert haben, aber Torquentada trat ihr an der Schwelle bj* * Palaste« mit dem Kreuze in der Hand entgegen lind rieft „Juda» hat ^smen Gott um dreißig Silberlinge verkauft, und Sie sind im Begriff ihn um Grund ist freilich in jener stet« zunehmenden volkSthümlichen GlaobenSwuth zu finden, welche e« dm zwei/Bolk«stäunnm unmöglich machte, nebm einander zu bestehen. 1390, ungefähr hundert Jahre vor der Eroberung von Efranada, hatten die Katholiken von Sevilla, aufgeregt durch die'BerMsamkeit eine« großm Prediger«, Namens Hernando Martinez, da» Judmviertel angegriffen und 4000 Juden ermordet?) wobei Martinez selbst da« Gemetzel leitete. Ungefähr ein Jahr später, und theil« durch dm Einfluß deffelbm hervorragenden Geistlichen, fanden ähnliche Scenen in Valencia, Cordova, BurgoS, Toledo und Barcelona statt?«) Der heilige Vincent de Ferrier, der damals ganz Spanien mit seinen Predigten auftegte, hatte sich ganz besonders dm Judm gewidmet, und da da« Volk eifrig das GlaubenSurtheil de« Heiligen dadurch unterstützte, daß eS die Zauderndm niedercketzelte, so wurde» viele Tausende bekehrt") und wenn sie wieder in« Judenthum zurückfielen, eingekerkert oder verbrannt. Semen dieser Art fanden mehr ül« einmal während de« fünfzehntm Jahrhundert» statt, und sie verstärtten natürlich den traditionellen Haß, der noch weiter verschlimmert wurde durch die Thatsache, daß die meisten Zolleinnehmer Juden waren. Endlich ging der maurische Krieg, der stet« als ein Kreuzzug angesehen wurde, ' seinem Abschlüsse entgegen, der religiöse Eifer der Spanier stieg auf dm höchsten Punkt und diö Einführung der Inquisition war sein AuSdruck. Massen bekehrttr Juden wurden niedergemetzelt; andere, welche während der letzten Ausbrüche getauft worden waren, flohen zu den Mauren, um ihre Riten zu üben, wurden aber schließlich nach verzweifeltem Widerstande gefangen genommen und lebendig verbrannt.") (Schluß folgt.) Zwei jüdische Antiquitäten in der Kunstausstellung zu Pest. Bekanntlich veranstaltete der hiesige Verein für bildende Künste in den Lokalitäten der ungarischen Akademie eine Ausstellung vou Antiquitäten, welche das Interesse aller Kunstfreundein hohem Grade erregen. Unter den gedachten Antiquitäten befinden sich zwei Gegenstände, welche insbesondere auf die historische Vergangenheit der ungarischen Juden interessante Steiflichter werfen. Die eine dieser, im Pefter Museum nicht vorhandenen, Antiquitäten ist eine Münze, laut Programm aus der Zeit des ungarischen König«. Ladislaus IV. (Kun Läßlü), zu welcher. Zeit nämlich die LandeSmünzpräge von Juden verwaltet wnrde. Da diese Silbermünze in der beiläufigen Größe von einem jetzigen Viertelguldenstücke in einem versperrten Glaskasten liegt, so konnte dreißigtausend zu verkaufen" (Bedarride und Prc«cott). Die Anekdote wird von Paramo S. 144 erzählt, er fpccificirt nur nicht die Summe. *) Rio«, Ültudes sur les Juifs d'Espague p. 77. Rio« sagt, daß alle zeitgenössischen Schriftsteller über die Zahl einig seien. I0) Ibid. p. 79—82. llorente, Hist, de 1’Inquisitiou, toml. p. 141. ") St. Vincent war Dominikaner, ein sehr großer Prediger und so übcrsittlich, daß er sich immer im Finstern entkleidete, damit er sich nicht nackt sehe. lieber seinen Wunderthaten, seine Tugenden und die Massen, wckch« er bekehrte, siehe sein von Vincent Justmiano spanisch verfaßte« Leben (Baleutia 1575). Paramo sagt, die Inquisitoren entdeckten, daß nicht wmiger al« 17,000 von den Bekehrten de« heiligen Vincent wieder zum Judenthum zurückkchrtea. (De Orig. Inquis. p. 167.) * “) Zwölf, welche zu Malaga während der Belagerung im Jahre 1485 gefangen wurden, ließ Ferdinand spießen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.