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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-11-06 · 45 (6.11.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
45 (6.11.1936)
Date
1936-11-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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6. November 1936_QEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Der Bunte Karren im Reich™. rtv»n?i der jüdischen Kuttuiuuude Auf aii. Plauen 1.SDPM. MntcM n—?-:zzz z..?.^..) Kulturbundmitsliedef haben freien Zutritt. Abendkasse geöffnet ab 18.30 Uhr. Sonnabend, den 14. November 1936 im Kulturbund-Theater, 20.30 Uhr Einmalige und letzte Wiedel Ii uiune des neuen w-ffjfgrefchsn r.vS,auims Ein wastöfttllches Potpourri jüuiscii. Humors Friedwald (Fred Wald) Das bewährte Ensemble m. Cläre Arnstein a. G. v. Berl. Kult.-Kab Vorverk. Zellner, Manelis, Willner, Nordstr. u. E. Goldfrennd. Anr.-Verw., Hainstr. 16. Kulturbund- oder R.-Ausweis erforderlich. R Karten auch an der Abendkasse erhältlich. Nach kurzem Leiden entschlief ganz unerwartet infolge Herzschwäche unser innigstgeliebter Vater und Großvater Siegfried Schwarz im 77. Lebensjahre. Leipzig, den 4. Nov, 1936, Springerstraße 26. Erna Nordheimer, Margot Nordheimer Die Beerdigung hat bereits am Freitag stattgefunden. Von Beileidsbesuchen bitten wir dankend abzusehen. dem eine einstfindige Talmudvorlesung. Daun virarb er bei den Hörem oft ffir wohltätige Zwecke Da» Frühstück war die einzige Mahlzeit, die er im Kreis der Familie einnahm. Vau 10 bis 12 Uhr hielt er seinen Lehrvortrag in der Jeschiwa, der aus jeder Posener Gemeinde wenigstens ein Schüler angehörte. Kam ein Leichenzug vorbei, so erhob er sich, um mit all seinen Hörern dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Sein Mittagessen war leicht und kärglich, er gönnte sich kaum Zeit dafür. Zu schwach, um nur zu sitzen, lag ei dann auf dein Sopha, las Neuerscheinungen, immer den Bleistift in der Hand, um Randbemerkungen zu machen. Dann wiederholte er vor seinen Söhnen, Verwandten und besonderen Schillern das Vui inittagspensum. Dann wohnte < r 'Jen Sitzungen des Bcth Din, des Gerichts, und der Gemeindevertretung bei. auch hier der angesehenste Richter und Gutachter und belichtest.' Schiedsrichter, den trotz dem Verbot auch Nichtjudtn um Rat und Urteil angingen. Nach dem Minchagebet, das er in Fallit und Tfiiiin verrichtete, kam sein Lehrvortrag über den Ritualkommentar Magen Awraham, nach dem Abendgebet ein Gebet für die Kranken. Von 8 bis 10 Uhr abends schrieb er die Antworten auf die verschiedenartigen Anfragen und seine berühmten Rechtsgutachten. Vor Mitternacht kam er selten ins Bett. Nur an Feiertagen, Sabbaten, lebte er ausschlief] lieh seiner Familie, seiner persönlichen Andacht, seiner Gemeinde. Fünfmal jährlich predigte er. k JAl.y Ai--... - igC30r£uuügi LMfUUCi mfljUiS #s*».> CS "'M " immer wieder Arbeit und Verdruß. Die aufgeklärte Opposition begnügte sich nicht mit dem Rabbi Akiba Eger nicht tangierenden Kompromiß. Zur Reform des jüdischen Unterrichts kämpfte man mm beim Kultusministerium in Berlin gegen die altmodische Lchrweise und den Lehrstoff, mit dem Erfolg, dal? die Regierung i82b den Talmuduntcrricht verbot. Rabbi Akiba Eger ließ eine Denkschrift ausarbeiten, woraufhin der Talmuduntcrricht wieder freigegeben wurde. Die Einwände gegen die Peis>un des Rabbi, die auch nicht unterlassen wurden, blieben von der Regierung unberücksichtigt, weil die (iegner ihre Namen nicht nennen wollten. Inzwischen wirkte Rabbi Akihn praktisch weiter. Er brachte das Geld für den Bau eines neuen Lehrhauses auf, er organisierte die neue Beleuchtung der Judenstadt, um an den kostspieligen Laternenpfählen ordnungsgemäße Lruwschmire anzubringen, er war der gewandteste Mohel, der unzählige Beschneidungen vollzog, er sorgte für Arme und für Kranke, er schHchtctc Geuieindestreitigkeiten in vielen Provinzstädten, ja seihst in Wilna, er war der tätigste Fürsprecher des alten Judentums in der nun schon europäischen Frage der Kultusreform, er eigentlich schuf den Posener Juden ihr Krankenhaus. Er hatte häufig mit Staatsbehörden zu tun, und es ist bezeichnend, wieviel Charakter er, der Schüchternste und Bescheidenste, L<cigte, wenn er für die Juden oder das Judentum seinen Mann zu;" ■** * •-- l>r. phil. Fritz Luft Käte Lu ft- Krakenberger, geb. Wildau Vermählte Leipzig, den 10. Nov. i93ö C1, König-Johann-Str. 33 (Ab 10. 12. Kreuzstraße 4, hptr.) Nathan Fischbein Gusfei Fischbein geb. Holzer Vermählte Chedera — Leipzig im Marcheschwan 5697 Tel Aviv Eger in der Zi ii des allgemeinen Schwankens, das die Emanzipation von Mendelssohn bis Rathenau bedeutete, der männlichste, festeste Jude überhaupt.- Er stand der Umwelt so fest und frei gegenüber, als wenn er der Botschafter der bedeutendsten Weltmacht gewesen wäre. So stand er selbst einer schlimmeren Bedrängnis gegenüber. 1831 brach die Cholera in Posen aus, und er organisierte den Kampf gegen sie. Sehr wenig aufgeklärt und sehr tüchtig. Er sorgte für geregelte Lebensweise der Armen, er organisierte die Mildtätigkeit der Reichen, er sorgte jüdisch rituell für Hygiene, er gab auch denen, die es wünschten, Amulette, er erlaubte keine Diätfchler, er organisierte die (iottesdienste au den hohen Feiertagen so, daß sie keine Ansteckungsquelle «'.irden (eine gigantische Leistung), er durchbrach um des Lebens willen „gesetzgebend" religiöse Vorschriften, und so mußte selbst die Regierung anerkennen, daß die Cholerasterblichkeit der Posener Juden dank seiner Arbeit unendlich geringer war als die der Nichtjudeu und anderer Städte. Als ihm der König Friedrich Wilhelm III. zum ehrenden Dank dafür durch den Oberpräsidenten ein Kabinettschrei hen feierlich überbringen ließ, das aber der Rabbi nicht öffnen wollte, weil es an einem Sabbat war, da sagte er lächelnd, er könne es nicht lesen. Der Obcrpräsident erbrach es und las es ihm vor. Derartige Glanzpunkte gab es dann noch mehr in seinen letzten Jahren: als die Emanzipation durchgeführt wurde und er einen großen patriotischen Dankgottesdienst abhielt; als das neue Judengesetz überreicht wurde und Rabbi Akiba Eger die Judenstrißc illuminieren und den Armen ein splendides Volksfest geben ließ, und als er von der Hochzeit seines Sohnes in Mink nach Warschau kam, Warschau ihm zu Ehren illuminiert wurde vierundzwaftzig EhrcnbcdiCfttc aus der tute der «rtmefnde ihn umgaben, doppelte militärische Ehrenwachen scint*! H*sjs-!*"•' 7«m..»«»r»»v •_•*•"..». .;> und KzzUi «!cle Tausende seines hegens harrten und vierhundert Kaleschen ihn fürstlich begleiteten, als er Warschau verließ. Kurz danach starb seine zweite Frau, ein Jahr später wurde er gelähmt, am 12 Okt, 1837 starb er. In seinem Testament hatte er sich jedes Lob bei Grabreden und Nachrufen verbeten; weder seine noch fremde Kinder durften seiner Leiche folgen: seine Kinder sollten an seinen Jahrzeiten nicht fasten, sondern lernen Was hinterließ er? Bücherschieiben lag seinem Charakter nicht, die vielen, zum Teil noch unveröffentlichten, zum Teil nach seinem Tod publizierten Schriften sind „nur" Randbemerkungen, Glossen zu schwierigen klassischen Werken, vor allem zum Talmud, vor allem dann auch Rechtsbescheide, Erklärungen, verlangte Gutachten; Rabbi Akiba Fgrr ist „einer der ersten Analytiker unter den Heroen der Responsenliteratur". Aber zu seinem Gesamtwerk gehört nicht minder seine I ebeitstcIsttlRg, sein Merischciuinu. Wie ei ganz eigentlich war, das erzählt sein bester Biograph Dr. L. Wreschner einmal: Die Schüler seiner Jeschiwa hatten einmal beschlossen, einen mißliebigen Mitschüler zu verprügeln und hatten dazu die dunkle Abendstunde gewählt, in welcher der betreffende Mitschüler ins Lehrhaus kommen sollte. Statt des Schülers aber trat Rabbi Akiba Eger selbst ein. Er ließ die Züchtigung an sich geduldig vollziehen und hat niemals ein Wort darüber verlauten hssen. So war er.

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