Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 44 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wte 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 30. Oktober 1936 vollen Zeichnung eines Hiskia, Josia und Jechonja, die die Bilder dieser edlen Fürsten noch über die Rihel hinaus in verklärendem Lichte widerstrahlen iaßt. Nicht alle Zweifel vermag der Verf. zu bannen, wenn er die Auffindung des Gesetzes z. Z. Josias (i. J. 622) nicht sowohl einem Zufall oder höherer Fügung zuschreibt, vielmehr als Ergebnis kluger Voraussicht prophetisch gesinnter 'Vifster aus der Zeit Mrti ' V - ■■_ ••■ird die hchc Würdigung der sogen, jesianischen Reform unsere Billigung finden; umfaßte sie doch außer strenger Regelung des Kultus und Ausmer/ung aller Abgötterei eine große Verfeinerung des religiösen Gewissen*, eine soziale und humane Gestaltung des Rechts; zarte Fürsorge für die Ungesicherten, den Primat der Idee der Gerechtigkeit über bloße Legalität; Humanität selbst in der Kriegsführung bis hin zu den Anfängen eines Völkerrechts; kurz, um mit Auerbach ZU sprechen : „w eich M orgenrot m enscIi 1 ic h e r G es in n u n g!" (Seite 183). Zu den glänzendsten Partien des vorliegenden Bande* gehört aber das Kapitel: Die Prophetie. Bereits i. J. 1()'2() hat Verf. dieser Erscheinung eine Studie gewidmet (Berlin Jüd. Verlag). Nunmehr sondert er sie scharf von mancher ähnlichen im Altertum und nimmt sie unter die Gegensätze von Nord- und Südist acl auf, indem ei doli einen halbheidnischen, gottbesessene n, hier den g o 11 c r - füllten Nrihi allein wiederfindet. Echte Propheten sind Ihm weder „Sturmvögel des Unheils", noch soziale Reformer oder nur weitblickende Politiker. Tiefste Wurzel ihres Auftretens ist ihm der elementare Drang zur Sittlichkeit, der jenen Männern nU lirtri. s »jjy menschlichen Gemeinschaftsbildung, als ,,ü b e r w e r t i g e 1 d e e" gilt. „Wie die musikalisch Feinnervigen die kleinsten Störungen der Harmonie empfinden, so erscheint den Propheten schon unerträgliches Unrecht, was andern Völker» selbstverständlich, und widergöttlich, was andern gottgewollt ist." Es kommen hinzu das Nachleben des uralten Wüsteiiideals; die Schau eines Dichters, die tiefe Sorge um ihr Volk. Stets bleibt ihnen der Mensch Herr seines Schicksals, Gott der Vollstrecker seines freien Willens. Nicht auf der Vorhersage eines göttlichen Beschlusses ruht der Nachdruck, sondern auf den von ihnen erkannten Bedingungen; darum bricht der falsche Prophet im Unglück des Volkes zusammen, der wahre wird ihm zum I roster und Wiedererwecker. Nicht so sehr an Reform des Kultus haben sie Interesse, als an Läuterung und Vertiefung des religiösen Bewußtseins. Der Reihe echter, „e | g eat licher Propheten" möchte Auerbach nur sieben zurechnen: Arnos, Hosea, Jesaja, Micha, Zefanja, Nahum; Jcrem i a. Bereits in Jecheskel tritt ein fremdes, apokalyptisches Momen( ""vor; ''och bleibt es Sa«.!i«. iKi Pruphetk bis zuletzt, den Geist der Macht durch die Macht des Geistes zu überwinden. „Wollte das Schicksal Israel zum Untergange drängen — Geist führte es zum ewigen Leben." Auch die weiteren Ereignisse der Wiederherstellung nach dem babylonischen Exil finden bei Auerbach eine anschauliche Darstellung: Der innere, seelische Aufbau wie „das märchenhafte Wunder von Ekbatau a", wo K y r o s den Staatsakt der Verbannung aufhebt, und die Rückkehr in die Heimat gestattet. Eine Tatsache, „ohne G 1 e i c h f a 11 in der W e 11 g e s c h i e h t e", daß ein Volk ohne Boden aus abgesprengten Splittern sich erneuert. Besseres Verständnis für die Diasporafrömmigkeit Es ras, seine Überbetonung von Kultus und Ritus, die allerdings dem Priester ein Übergewicht im Volke gab, für seinen religiösen Rigorismus, der ihn gegen Zwischenheiraten mit Angehörigen der heidnischen Naclibarstämme einschreiten ließ. Auch Nehemias politisches Vorgehen gilt Auerbach nicht unbedingt als ein Zeichen von Kraft, weil es zu zu einer bis heute nicht verwischten Trennungsiinie gegen die „Samarier" führte (so schreibt Auerbach statt des gewohnten „Samaritaner"), die immerhin die Thora mit der Judenheit gemeinsam besitzen. In L-iuciii besonderen Artschnitte behandelt Auerbach „Kultur und Literatur der u a c Ii e x i 1 i s c h e n Zeit"; also die Spätblüten der Prophetie, Lyrik und Didaktik; den Großteil der Psalmen; die kleinen Sonderschriften Jona und Ruth, in denen eine Gegenströmung in der Gemeinde zur Geltung kommt) endlich die abschließende Überarbeitung der gesamten älteren Literatur, hingehend verwertet werden die aramäischen Funde von Elephantine zu einer Darstellung der dortigen Diaspora; beigefügt zur Illustrierung der Epoche 15 Tafeln und zwei Karten. Wie immer wir zur Gesamthaltung des Verfassers uns verhalten mögen, wir schulden einem Forscher Dank und Anerkennung, dem jahrelange Verknüpfung mit Erez. Israel von heute die Augen auch für weite Strecken unserer Vorzeit erleuchtet hat. Jubei und rrewi/e trfüiit die Armen Wenn edle Aienschen sich ihrer erbarmen Hast Du das Deine dazu schon getan? Dankbarkeit. Der Vizepräsident der jüdischen Gemeinde in Zagreb Dr L Sik, durch seine verdienstvolle Arbeit in seinei Gemeinde und darüber hinaus für die jugoslawische und für die Gesaintjudenheit bekannt, veröffentlichte in dem „Jevrejski Glas" einen Aufsatz, der Bich mit der Frarre Her Dankbarkeü;;egenüher verdienstvollen Persönlichkeiten im Leben der jüdischen Gemeinden oder der jüdischen Gesamtheit befaßt. Persönliche Reminiszenzen haben Ihn davon überzeugt, I-----flau hnttfirrr »Is!.d!e gi».««* "\reltj3s~WCttt, 7jRdTicTie Maischen, <ii«. fiGliZuicig;: LücUiagcu «ui/nwnv.n naben, durch oft M« m L>chandlung in ihrer Seele verbittert werden. Der in deutscher Ober- Setzung uns vorliegenden Zusammenstellung entnehmen wir einige Belege, auf die er seine Auifassung stützt. Ais, Mordechai Meisl gemeinsam mit seiner Frau Eva in Prag mit einem Kostenaufwand von mindestens zehntausend Taler die berühmte Synagoge, die seinen Namen trägt, erbaute, erteilte ihm Kaiser Rudolf II. das Recht, in diesem Tempel die Fahnen Davids zu tragen. Seine jüdischen Mitbürger verweigerten ihm anläßlich der Einweihung der Synagoge den Zutritt, weil er keinen Sitz gekauft habe. Also konnten alle Praga Juden der Einweihung des Tempels beiwohnen, nur der nicht, auf dessen Kosten sie erbaut wurde. So erzählt der Wiener Oberrabbiner Dr. Max Grunwald in seinem Werke über „Jüdische Volkskunde". + Heinrich Graetz ist nicht nur ein Name, sondern der Begriff des jüdischen Geschichtsforschers. Nach ihm haben viele über jüdische Geschichte geschrieben: Dubuow und Philippson, Kastein und Prinz, Elbogen und Auerbach und viele andere. Als die luden in Deutschland im Jahre ISSj eine „Historisehe Kommission i'ür die Geschichte der Juden in Deutschland" gründeten, haben sie Graetz nicht zu deren Präsidenten ja nicht einmal zu deren Mitglied erwählt. Man sagt ganz leicht in solchen Fällen, daß ein vornehmer und großer Geist sich so etwas nicht zu Herzen nimmt und dal! er auch weiter arbeiten kann. Graetz hat die perfiden und unsauberen Absichten seiner Gegner nicht verwunden. * Theodor Herzl schrieb einmal an David Wolfsoiui, welcher ihm, wie bekannt, in der Führung der Zionistischen111 Weitorganisation folgte: ..Sollte es aber daztl kommen, daß Zionistcn mich bekämpfen, dann werfe ich die ganze Sache weg." Wer die Tagebücher Dr. Theodor Herzls liest, wer uena1.! «.••!mj Biosranhic verfolft. Her lenrir:?ic»i Iiaiicti uatuiiei mchl ersvrllien, was seine üeoLCü Freunde, seine eifrigsten Anhäugej diesem cdku großen Menschen alles angetan haben. Diejenigen, die nach der Idee, nach den Lebensanschauungen, nach ihren Zielen ihm hatten die nächsten sein müssen, sie haben ihm sein oft das Leben verbittert. Im übrigen sagt David Wolfsohu selbst: „Dankbarkeit kann man bei Juden nur sehr selten linden und dies ausschließlich nur nach dem Tode." Die Chewra Kadischa in Budapest, dem Geburtsorte Herzls, in welche ihn im zehnten Lebensjahre sein Vater Jakob als Mit- Jüdische Schulen. Das Schulgeld für den Monat Novpmher ist bis zum 6. November an die Schulkasse zu zahlen. Kinder, für die das Schuigeid nicht bezahlt ist, werden von der weiteren Teilnahme am Unterricht ausgeschlossen. Für den Einzug der Rückstände werden gerichtliche Schritte eingeleitet. Die Schulkasse Huniboldstraße 13 Erdg. ist täglich von 10—13 Uhr geöffnet. . Leipzig, den 30, Oktober 1936. Der Vorstand des Israelitischen Schulvereiris Leipzig e. V.