Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 44 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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12. Jahrgang - Nr. 44 Auflage 3400 Stack f<ü t 30. Oktober 1936 DER ISRAELITISCHEN REH Gl ONSG E M El N DE ZU LEIPZIG Zum Abschluß von Elias Auerbachs „Wüste und Gelobtes Land11. Von Dr. S. Samuel. Das Erscheinen des 2. Bandes von E. Auerbachs Geschichtswerk, enthaltend die Geschichte Israels vom Tode Salomos bis Esra und Nehemia (im Schocken-Verlag Berlin 1°T6), stellt einen Wendepunkt in der jüdischen Wissenschaft dar. Wüste und Gelobtes Land ist die erste wissenschaftliche Darstellung unserer biblischen Epoche aus jüdischer Feder. Erst unsere Zeit konnte sie zur keife bringen. Es zeugt für den ehrfurchtsvollen Geist und die tiefe Pietät unsrer Gemeinschaft. daß sie lange gezögert hat, au die Erforschung ihrer erhabenen Vorzeit mit den Mitteln profaner Gelehrsamkeit heranzugehen. Wenn es jetzt sogleich mit souveräner Beherrschung von Methode und Gegenstand und in klassisch-sachlicher, zugleich warmherziger Darstellung geschieht, so muß sich dies notwendig wohltätig ausw'»1< ett. Schon der erste Band (erschienen 1932) zerstreute viele Bedenken, die sich au die starke Heranziehung außer-palästinensischer (bzw. außerhiblischer), sowie an die prüfende Sichtung biblischer Quellen knüpften; als müßten Verlegung des Schwerpunktes, Verkennung unserer geschichtlichen Besonderheit, Abwertung unserer gottgesetzten Ziele die notwendige Folge sein. In Wirklichkeit hat Auerbach nicht nur die Schöpfung des ethischen Monotheismus unserer Bibel neu unterbaut; er iiat sogar die Erfindung der Buchstabenschrift statt den Phöniziern dem Volke Israel mit guten Grün- (jep BUMMtiSgCtL ats^ .trächtigste Triebkraft aller geistigen Entwicklung. Im vorliegenden Schlußbande faßt er noch schärfer Gehkhte als die „w;.".:c:iu«i^ von Qescheheft"unxi"titcb*tHiem Volke-" ins Auge, laßt uns wirklich „politische Geschichte" mit höchster Aktivität des Volkes erleben, die zuletzt auf Vertiefung menschlicher Werte und Läuterung menschlicher Sittlichkeit abzielt. Seine Prüfung der geschichtlichen Treue und Zuverlässigkeit der für die große Epoche (bis etwa zum Jahre 400 vor der übl. Zeitr.) meist innerbiblischen Quellen wird ihrer Anlage und Eigenart weitgehend gerecht: den Königsbüchern wie der Chronik, und den Denkwürdigkeiten Esras und Nehemias; den Propheten ebenso wie den gesetzgeberischen Urkunden. hs ist ferner ein bemerkenswertes Bemühen des Verfassers, Licht in die Chronologie der Bibel zu bringen, sei es durch Festpunkte der Allgemeingcschichte, oder durch archäologische Funde, astronomische Daten und Synchronismen. Aber auch sonstige Angaben galt es sorgfältig nachzuprüfen, Namenlisten, Stammtafeln, Zahlen und Ziffern; wo angängig offenkundige Irrtümer zu berichtigen, neue, bevölkeruugsstatistische oder soziologische Schlüsse zu ziehen. So allein gelingt es dem Autor, zur Lösung alter Rätselfragen beizutragen, die sich der bisherigen Exegese versagten; und wir werden ihm dankbar sein, wenn seine Berechnungen des zeitlichen Abstandes so wichtiger Wendepunkte, wie Abrahams Wand'.- AMTLICHES N ACH RI CHT EN BLÄTT DER GEMEINDEVERWALTUNG Eröffnungsfeier des düuischen Lehrhauses Leipzig, Winter 1336/37 Anläßlich des Beginns der Winterarbeit des Lehrhauses wird eine Eröffnungsfeier am Sonntag, den 15. November 1936, nachmittags pünktlich 4,30 Uhr im Kulturbundtheater (Battenberg), Tauchaer Straße 32/34, veranstaltet (Einlaß 4 Uhr). Den Festvortrag hält Herr Dr. Arthur Eioesser, Berlin- Charlottenburg 5, Lietzenseeufer 1, über das Thema Heinrich Heines Rückkehr zum Judentum. Zu dieser Feier sind sämtliche Gemeindemitglieder ein- It^lortoM --*« ^- ■«• Es wird ein Unkostenbehrag von 3'J!Jtg. (einschließlich Garderobe) erhoben. Leipzig, den 27. Oktober 1936. Der Vorstand der israel. Religionsgemeinde zu Leipzig. rung, Auszug aus Ägypten, Weihe des Tempels und Zerstörung Jerusalems (erste Zeitspanne etwa i3U, zweite etwa 300, dritte genau 377 Jahre) der Nachprüfung standhalten »olUtn. Wertvolll sind Auerbachs Rückschlüsse auf die Gcsamtbevölkerung des Noidieichs (aus den Tiibut/ahlen des Menachem) oder derjenigen Judas aus der •rfff,., j;,,,,^., \v. i ,. die wirkliche pEdcutun<7 «~!rr ..(Iroßstädte" Jerusalem und S a m a r i a. kennen (höchstens je '>500U Einw.), die soziale Schichtung in Stadt und Land; die Grundlinien der Verfassung. Wir haben ein Wahlkönigtuin vor uns (mit Zustimmung der Volksversammlung), den Heerbann der vollfreien Bauern; später auch ein Berufsheer von Landlosen und Söldnern; weltliehe Rechtsprechung; Naturalabgaben oder Arbeitsleistung, Nachbarethik (Auslösung, Brach- und Erlaßjahr); kein Proletariat. „Keine Spur von Fäulnis oder sozialer Zersetzung", sagt Auerbach, „vielmehr im vollen Saft seines Lebens ist Israel der brutalen Gewalt erlegen". Hat der Verfasser mühselige Vorarbeit geleistet, so verdient sein eigentliches, Apolitisches Geschichtsbild desto größeres Vertrauen. Wir dürfen nicht erwarten, daß seine Zeichnung der Charaktere und Beurteilung von Menschen und Ereignissen überall mit der entsprechenden der Bibel oder der Tradition übereinstimmt. Wir sind bereit, staatsmäniiisehe Leistungen eines Oinri, Ahab, Joas und Jerobeams II. anzuerkennen. Wir lassen größere Gerechtigkeit, selbst gegen das harte Urteil der Schrift, dem Könige Menasse widerfahren, der aus dem Wechsel seines Geschickes zu einem vollen Gesinnungswandel gelangte, für den un&ei Verfasser treffende Worte findet. Genugtuung erfüllt uns angesichts der liebe- Denket rechtzeitig an die Eintopf Sammlung am 8. Novbr. 1936