Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 38 (21.9.1933)
- Date
- 1933-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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21. September 1933. Seite 3 Unser Wille zum Leben. Die Aufsätze des Augustheftes der (vom Berliner Philo-Verlag herausgegebenen und unter der Redaktion von Max Dienemann und Margarete Ooldstcin erscheinenden) Zeitschrift „Der Morgen" sind durchwegs grundsätzlichen und praktischen Problemen der deutschjüdischen Gegenwart gewidmet und bezeichnenderweise unter dem Oesamttitel „Unser Wille zum Leben" zusammengefaßt. Die in der ersten Julihälfte 1933 niedergeschriebenen Beiträge geben die Gedanken von Vertretern der verschiedenen jüdischen Richtungen Deutschlands wieder und lassen sich in drei große Gruppen gliedern, von denen die erste die allgemeine Einstellung des Juden in Deutschland zu seiner politisch und geistig veränderten Umwelt behandelt, sie von ihren psychologischen und weltanschaulichen Voraussetzungen aus III begründen und zu erläutern sucht. „Geh' aus und lerne!" betitelt Hanns Reissncr den einleitendem Aufsatz des Heftes, in dem er feststellt, daß Judentum wieder alltäglich zu bewährendes Kollektivschicksal geworden ist und angesichts der Ablösung des deutsch-weltbürgerlichen Humanismus durch den christlich-völkischen Totalitätsanspruch das Bekenntnis zum Bildungsideal eines jüdischen Humanismus fordert. Mit der überragenden Rolle des Gedankens von der Bindung durch Blut und Rasse in der nationalsozialistischen Ideologie befaßt sich Hans Bach in seiner Besprechung der „Neuen Ordnung". Gegenüber dem den deutschen Juden gemachten Vorwurf der Gegnerschaft zur neuen Ordnung weist er darauf hin, daß „deutsche Judenschaft" bisher ein abstrakter Gattungsbegriff war, und daß ihr Gesainttendenzen oder gar eine Gesamtpolitik nicht unterlegt werden können. Man könne die Juden nicht dafür bestrafen, daß man sie von Anfang an von jeder aktiven Beteiligung am nationalsozialistischen Umbau ausschloß. Wenn man auch noch nicht wisse, wie eine deutsche Judenschaft, deren Selbstbildung durch die deutschen Juden als dringlichste Notwendigkeit erscheine, aussehen werde, und welche Rechte ihr zukommen würden, würden die deutschen Juden, ihrem Blute treu und deutschem Boden und Geiste zugehörig, das deutsche Schicksal teilen. Der Vorsitzende ider Vereinigung für das liberale Judentum, Heinrich Stern, liefert einen Beitrag über „Die inneren Voraussetzungen für Hilfe und Aufbau im deutschen Judentum". Als einheitliches Ziel für die deutschen Juden bezeichnet er den Wiederaufbau jüdischen Le- Jbens auf deutscher Erde. Der Zwang, aus den „höheren Be- Inifen" auszuscheiden, sei als göttliche Schickung, die Umschichtung als Gottes Weg zur Erhaltung des deutschen Judentums aufzufassen. („Unsere national-jüdischen Brüder", schreibt Stern, „haben das Recht [auf ihre Erziehungsmethoden auch in Deutschland. Die Masse der leutschen Juden soll und will erzogen werden, wirtschaftlich, politisch, national für Deutschland, seelisch und sittlich zu gemeinschaftsfroheu iind gemeinschaftsstolzen Juden. . . . Weil wir Gott dienen, wollen (wir Deutschland dienen, dienen selbst da, wo wir tief innerlich leiden." Wich Heinz Kellermann bringt in seinem Aufsatz „Ende der Emanzipation?" die Überzeugung zum Ausdruck, daß die deutsche Ju- Ieiifrage nur innerhalb des deutschen Volkes gelöst werden könne. Den „Berufsständischeu Staatsbau" bejaht vom jüdischen Standpunkt aus Max Dienemann in einem tiefschürfenden Aufsatz. Er erblickt in der neuen berufsständischen Ordnung eine Möglichkeit zur Wiederherstellung des konfessionellen Friedens. Das Judentum habe wie alle religiös Interessierten stets gegen die rationalisierende Art gekämpft, die abstrakte Wirtschaft mit ihrem angemaßten Eigenrecht in den Vordergrund zu stellen; seine geistigen Führer hätten auch in den Zeiten des stärksten Wirtschaftsliberalismus und des entfesselten Klassenkampfes nie zu sagen aufgehört, daß nach der jüdischen Wirtschaftslehre und den Gesetzesbestimmungen aus der Zeit schöpferischen Eigenlebens die Sorge um den Menschen die einzige Sorge ist. Der Jude habe den tiefen Wunsch, in die Neuordnung einbezogen zu sein und an ihr mitzubauen. Lasse diese einen Teil der Staatsangehörigen außer Betracht, so bleibe sie unvollständig. Eine Mittelstellung zwischen den rein grundsätzlichen und den praktischen Spezialproblemen gewidmeten Aufsätzen nimmt der Beitrag Julius Babs über „Das Kulturproblem der Juden im heutigen Deutschland" ein. Er kommt in seiner Betrachtung der Rolle der Juden als kultureller „Produzenten" und „Konsumenten'' zu jenen Folgerungen, die das Entstehen des „Kulturbundes Deutscher Juden" bedingt haben. Interessant ist seine Feststellung, daß es an den deutschen Bühnen höchstens 3(X) jüdische Schauspieler (kaum 3%) 8'bt, woraus zu ersehen sei, daß die Behauptung von der „völligen Verjudung" der deutschen Bühne nicht zutrifft. Zu der zweiten großen Gruppe von Aufsätzen, die den Problemen der Jugend und der jüdischen Schule gewidmet sind, haben Julius üalliner und Jakob Horovitz (beide: „Die jüdische Schule"), Hermann Vogelstein („Zur Problematik der deutschen jüdischen Jugend"), Kurt Bergel („Unsere rationale Erziehungsaufgabe") und Betty Markus („Von jüdischer Jugend") Beiträge geliefert. Von verschiedenen Gesichtspunkten aus gelangen die Verfasser dieser Aufsätze zur Forderung, dem seelisch gefährdeten jüdischen Kinde in Schule und Erziehungsgemeinschaft die Möglichkeit zu inniger Verwurzelung im jüdischen Wesen zu bieten. Der Aufsatz eines Vertreters der Jugend, „Unser Weg" von Paul Schreiber, leitet über zu den beiden letzten Aufsätzen des Heftes, die eine dritte, nächste praktische Ziele behandelnde, Gruppe darstellen. Über „Fragen neuen Lebens^tiines" schreibt Max Schindler, der Fragen der Siedlung innerhalb und außerhalb Deutschlands, der Berufsumschichtung und wirtschaftlichen Selbstversorgung behandelt. Eine Ergänzung hierzu bilden die Ausführungen des Generalsekretärs des Reichsbundes für jüdische Siedlung, Martin Götz, über „Umschichtung zum landwirtschaftlichen und gärtnerischen Beruf". Der Verfasser berichtet über die bisher in Deutschland mit jüdischer Siedlung gemachten Erfahrungen, tritt für Produktivierung des in privaten jüdischen H ä ii d e n befindlichen Bodens für j ii - dltche Zwecke ein, stellt aber gleichzeitig fest, daß ohne Neuerwerbung von Land eine Berufsumschichtung im Sinne der Seßhaftmachung in Deutschland für erhebliche Teile der deutschen JtldenheH nicht durchführbar ist. Aber auch für die Auswanderung komme in erster Reihe landwirtschaftliche Berufsausbildung in Frage, da im Hinblick auf die auch dort herrschende Überfüllung der akademischen und kaufmännischen Berufe nur der mit seiner Familie selbst arbeitende Bauer und Gärtner auch in anderen Ländern Existen/möglichkeiten habe. Die neuesten Stoffe Hammer-Crepe reinwollen für Kleider, in vielen modernen Farben . . . Meter reine Wolle, ca. 95 cm breit, in allen neuen Modefarben . Meter Cräpe-Apricosa reine Wolle, weichfließender Kleiderstoff, 130 cm breit Meter Surah Sdiotten 85 cm breit, aparte Stellungen Kunstseide ..... Meter 0. 95 1. " L" Z.M Reinwoll. Schotten besonders große Auswahl in aparten Farbstellungen .... Meter 3.25 2.00 1.95 Moder. Kleiderstoffe Streifen und Karos, mit den beliebten Stichelhaaren, reine Wolle ......Meter 3.75 2 00 Rein*. Pfirsimhaut elegantes Kleid von der Mode bevorzugt, in sehr aparten Farbtönen, 130 cm breit . . 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