Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 39 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4876568-5968806-5969546--5628-4881375- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
27. September 1V35 Seite 3 nicht besser als die übrigen Menschen auch und wahrlich zufrieden, wenn man sie nicht für schlechter hält! Der immer wiedei unternommene Versuch, als „Priestervolk" /u leben, ist immer wieder mililungen. Samuel mußte - gegen seinen eigenen Wunsch — die Theokratie zugunsten der weltlichen Monarchie absetzen. Das von Esra wiedergegründete Priesterreich wurde seit der Makkabäerzcit wiederum weltlicher Staat. Und die jahrtausendealte „Kehillah Kedoschah" Heilige Gemeinde mußte zu einem säkularisierten jüdischen Gemeinwesen werden. Jedesmal aber, wenn die Juden so wurden wie die andern Menschen auch, dann kamen diese andern und schieden sie wieder aus: Ägypten, Assyrien, Babylon, die wirklichen Nationen der Antike, haben das weltlich gewordene Israel und Juda /wischen sich /ermalmt; später hat Rom den jüdischen Staat vernichtet, und auch die neuzeitliche Wendung, aus den Juden Menschen wie die andern zu machen, seheiterte an jenen andern. Warum dies? Nicht um unseretwillen, sondern um Gottes willen und wegen seines Planes in der Geschichte. Die Menschen sind nicht, wie das Zehnwort vom Sinai sie will — auch die Juden sind nicht so. Aber indem sie als Juden ewig gehindert werden, zu sein wie die andern, bleiben sie ewig in der Minderheit. Minderheit aber ist genötigt, um ihr Recht zu kämpfen. Wie aber geschieht das? Ich kann nicht um mein Recht und du kannst nicht um dein Recht kämpfen, sondern wir alle können kämpfen nur um das Recht. Und dieses Recht kommt von Gott. So sind wir durch Schicksal und Geschichte geknüpft an Gottes Gesetz und können den Bund nicht brechen, selbst wenn wir wollten; und müssen den Bund halten, selbst wenn wir ihn nicht kennen — Gott hält den Bund, auch ohne unser Zutun. Daher die kultur- und religionsschöpferische Macht des Judentums und dal! drei Weltreligionen von ihm ihren Ausgang nahmen; daher dall seine Buudessatzung das Zehnwort vom Sinai aller Welt anerkanntes Gesetz, ward, daher unser (Haube, nein, unsere Gewißheit, dali wir diesem Gesetz noch weiter dienen werden mit uuserm Leben, weil dieses Gesetz, immer wieder gebrochen und vergessen, einen Träger braucht, der es nicht brechen Statt Karten! Zu der s. G. w. in der Synagoge Ohel Jakob am 5 Okt. (Schabbos Schuwoh) stattfindenden Barmizwah unseres Sohnes Samuel erlauben wir uns alle Freunde und Bekannte einzuladen. Abisch Frankel und Frau Empfang König-Johann-Str. 10,111 Beka geb. Steinmarder O Blumen? — Nur vou Laave x£ Tauchaer Str. 16 — Tel» 2 87 89 — Lieferung In» Hau» und nicht vergessen kann. Ein schweres Schicksal. Aber voll unendlichen Trostes, weil Hoffnung am linde steht. Und so gewili, wie wir Älteren es gewesen sind, die den in Israels Geschichte immer wieder unvermeidbaren Rückschlag auf uns nehmen mußten, so heilig und gewili ist es, dali unsere Kinder eine glückliche Zukunft schauen werden. Noch wissen wir weder wo noch wie. Aber wa> kommt darauf au? Wenn wir - und jeder einzelne au seinem Platz - in echt jüdischem Geist unsere soziale und kulturelle Aufbauarbeit leisten, dann kann der Erfolg nicht ausbleiben. „Nicht schwindet Israel, solange es spricht sein Schma Jisrael" — anders ausgedrückt: Wenn wir als Juden leben, dann werden wir leben! Als Israel auf so wundersame Weise durch das Schilfmeer gezogen war, führte sein Weg es einige Tage am Ufer entlang; linker Hand lag die Wasserwüste, rechter Hand die Sandwüste, und sie verschmachteten schier vor Hunger und Durst. Da fand ein Mann im Sande eine Honigwabe und brachte sie dem Mose. Allein Mose nahm die Wabe und warf sie ins Meer. Er sprach: „Das sei ferne von mir, dal) ich nur mein Leben zu erhalten suchte und die Leute um mich sterben sähe." Da stürzten sich einige von den Mannen ins Meer, um die Honigwabe zu ergreifen, doch sie ertranken vor allzu grolier Schwäche. Die in allzu großer Ciier für sich allein ihre Lebensnotdurft stillen wollten, mußten eines angstvollen Todes sterben. Die aber beim Heerbann Israels verblieben, zogen weiter, Gott sandte ihnen Wachteln und Manna, sie stillten Hunger und Durst, und auch ihr Geist lebte wieder auf. — Worte an die Jugend von Jugendrabb. Dr. Heinr. Lemle, Frankfurt a. M. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages veröffentlichten wir aus dem soeben erschienenen Buche: „Predigten an das Judentum" IQJ5 die nachstehende Ansprache. Die Schriftleitung. Liebe Jungen und Mädel! Gott hatte die Welt erschaffen. Als Krönung hatte er ihr den Menschen gegeben. Am Ende seines Werkes lieli Gott die Welt voll werden seiner Geschöpfe, auch der Menschen. Und er gab ihnen ihre Ordnung. Aufgeteilt wurden unter sie die Güter der Welt: Macht, Reichtum, Glück. Ein Volk nach dem anderen hatte Gott zu sich gerufen, erst mit ihm gesprochen und ihm dann nach langem Zögern sein Gut anvertraut. Dem ersten Volk die Macht, den andern Völkern die weiteren Güter, Mit doppelter Gabe schieden sie von Gott: mit dem Gute aus der Hand Gottes, mit der Rede aus seinem Munde. Als alles verteilt war, kam zu Gott der Jude. Er kam — vielleicht nach ein paar Jahren, vielleicht nach einigen Jahrzehnten — er kam zu spät. Zu spät für Macht und Reichtum und Glück. Und da rief er: „Hast, Herr, du für mich denn kein einziges Gut mehr zurückbehalten, soll ich leer durch die Zeiten gehen?" Gott antwortete ihm: „Zu spät bist du gekommen, die Güter der Welt sind verteilt." Und nochmals hob der Jude seine fragende Stimme: „Willst du mich also von dir weisen? Muli ich arm wandern inmitten der andern Völker?" Da stand der Herr auf. Er führte den Juden hin zu dem Fenster des Himmels. Man sah von dort hinunter zu den Menschen, den Verwaltern von Gottes Gut und Gottes Rede. Der Herr öffnete das Fenster. Sein Finger wies nach einer Seite. Von dort her drang wüstes Geschrei herauf. Man sah brennende Häuser und im Blut sich wälzende Menschen. „Was ist mit denen?" fragte der Jude. „Die Menschen sind es," erwiderte der Herr, „denen ich die Macht gab. Als Kraft gab ich sie ihnen im Kampfe gegen die Gefahr. Gegen alle Hindernisse ihrer Arbeit. Gegen die wilden Tiere und gegen die giftigen Pflanzen. Und ich hatte gehofft, daß ein starkes und mächtiges Geschlecht herrsche auf Erden über alles Wilde und Giftige. Was aber taten sie? Der Jäger zog aus im Kampfe gegen den Bären. Als Hindernis trat ihm sein Bruder in den Weg. Der Arm, der die Lanze trug gegen das Tier, bohrte die todbringende Waffe dem Bruder ins Herz. Und weiter:: Feld an Feld lagen die Besitztümer zweier Freunde. Sie schichteten Steine als Grenze zwischen ihre Felder. Da schlich dem einen der Gedanke in die Seele, wie schön es wäre, wenn ihm nicht die Grenze seinen Besitz einengte. Und als sie wieder einmal auf nachbarlichem Fdde arbeiteten, hob er den Stein vom Grenzwall und schleuderte ihn mitten auf des anderen Stime. Und ich hatte geglaubt, daß stark sei die Hand in der Arbeit. Sie aber die Menschen der Macht, haben falsch sie genutzt und Segen gewandelt in Fluch." Starr stand der Jude. Als er erschüttert weiter fragen wollte, wies der Herr schon in eine andere Richtung. Von dort her kam es wie Stöhnen und Weinen. Geknechtete Menschen krümmten sich unter dem Peitscheuschlag herrischer Hand. Der Herr aber fuhr fort zu erklären: „Dort siehst du die Männer des Reichtums. Gold hatte ich ihnen gegeben, und viele Herden und Länder. Ich hatte geglaubt, dies würde allen zur Freude sein; denn es war genug für jeden. VlaXi 51(C15$ <3ctffo2lii3üge in handwerklicher, nach Maß-Tarif I a entlohnter Schneider-Arbeit. Die neuen in- und ausländischen Herbstu. Winterstoffe sind eingetroffen. 145.- 165.- 185.- ^amb*rgfr&$ert$