Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RfiLIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG in erster Linie in Frage kommt, hat auf Antrag der Jüdischen Volkspartei der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde beschlossen, zur Vervollständigung der Kunstsammlungen eine Reihe von jüdischen Kunstwerken anzukaufen. Die der Bibliothekskommission angegliederte Kunstkommission hat zu diesem Zweck eine besondere Kommission erwählt, der die Herren Dr. Sandler als Vorsitzender, weiter die Herren Adolf Donath, Dr. Feilchenleld vom Hause Cassirer, der Oberbibliothekar Dr. Stern und Herr Fugen Caspary angehören. Die Kommission hat eine Reihe von Gemälden, Graphiken und Skulpturen ausgewählt, idie zum Teil zur Kompletierung der Kunstsammlung der Gemeinde dienen sollen, zum andern Teil in den verschiedenen Gebäuden der Gtrnieiucie, in Schulen und anderen Räumlichkeiten als Schmuck Verwendung finden sollen. Fs sind darunter Werke vun Plessner, Steinhardt, Julius Rosenbaum, Rahel Szaü*. Fine entsprechende Summe soll auch in den neuen Etat für 1927 eingesetzt werden. Rabbiner Dr. Goldschmidt in Kolberg gestorben. Im Alter von 90 Jahren starb der Rabbiner Dr. Salomon Goldschmidt, der über 60 Jahre an der Spitze der Jüdischen Gemeinde gestanden hat. Dr. Goldschmidt gründete vor 53 Jahren das jüdische Kurhospital Kolberg, das aus kleinen Anfäugen durch die Freigebigkeit des Beiliner Philantropen James Simon sich zu einer weit über die Grenzen der Provinz hinaus bekannten Kinderheilstätte entwickelt hat. Gesamtarchiv der deutschen Juden. Vor etwa 20 Jahren (Oktober 1906) konnte nach längerer Vorarbeit in Berlin das Gesamtarchiv der deutschen Juden eröffnet werden. Die Großloge für Deutschland des Ordens Bne brith hatte in Verbindung mit dem DJGB. die Anregung des (1925 verstorbenen) Fürstlich Pleß'schen Archivars Dr. Zivier zur Verwirklichung gebracht. Das Gesamtarchiv wurde bestimmt, die Urkunden und Akten der jüdischen Gemeinden, Vereine und Stillungen, soweit sie für die laufende Geschäftsführung nicht mehr benötigt werden, zu vereinigen, um ihre Erhaltung zu sichern und durch archivalische Bearbeitung ihre Ausnutzung zu wissenschaftlichen und administrativen Zwecken vorzubereiten. Um die betreffenden Stellen leichter zur Überlassung des Materials zu bewegen, wurde von Anfang an bestimmt, daß die dem Gesamtarchiv zugewiesenen Stücke Eigentum der Gemeinden usw. verbleiben und jederzeit wieder zur Verfügung gestellt werden, sobald sie angefordert werden. In kurzer Zeit waren die Bestände von etwa 200 Gemeinden in das Archiv gelangt, die sich bis zum Kriege dauernd vermehrten. Während des Krieges konnte die Arbeit nur mühsam und mit Unterbrechungen aufrecht erhalten werden. In der Nachkriegszeit hatte die Sammelarbeit mit noch größeren Hemmungen als in der Zeit vor dem Kriege zu rechnen. Immer wieder wurde die Tätigkeit des Archivs durch die Beschränkung in den Geldmitteln eingeengt und eine Ausweitung seines Wirkungsbereiches verhindert, so daß manche Pläne der Vorkriegszeit aufgegeben werden mußten. Immerhin können die soeben erschienenen „Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden" (herausgegeben von Jacob Jacobson, Berlin 1926) berichten, daß die vorhandenen Depots vielfach erweitert wurden, und eine Reihe neuer, zum Teil durch Inhalt und Umfang recht bedeutender Depots hinzukamen. — Für die Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland erweist sich schon jetzt das Gesamtarchiv als ein Faktor von höchster Bedeutung. Zu zahlreichen Untersuchungen hat es angeregt und die erforderlichen Unterlagen gegeben, die vielleicht ohne die Sammlung und die sachgemäße Verwahrung im Gesamtarchiv dem Untergang geweiht gewesen wären. Einen kleinen Ausschnitt aus ] der Arbeit des Archivs bieten die „Mitteilungen", die ursprünglich alljährlich erscheinen sollten, infolge des Krieges aber eine elfjährige Unterbrediing erleiden mußten. Dieser jetzt vorliegende vsechste Jahrgang (Herrn Geh. Archivrat Prof. Dr. Adolf Warschauer zu seinem 70. Geburtstag gewidmet) zeigt, wie seine Vorgänger, welche Fülle von wertvollem Material in den Archiven gesammelt wird, das in den Gemeinden usw. leicht ungenutzt verderben kann. A.Warschauer hat von August 1915 bis November 1918 in Warschau die Bestände der Archive durchgesehen und dabei viel auf die Juden Bezügliches gefunden. Fine sehr verdienstvolle und interessante Arbeit bietet (der Oberbibliothekar derJüdisdienGemeindeBerlin) Dr. Moritz Stern, der aus Akten eine Lebensskizze des ehemaligen Oberlandes - Ältesten der Judenschaft zu Berlin, Jacob Moses, zeichnet, eines Mannes, der unverdienterweise dem Gedächtnis entschwunden ist, obwohl er sich durch eine weitausgedehnte humanitäre Tätigkeit ungemein verdient gemacht hatte. Aus dem Staube der Archive werden neuerdings als äußerst wichtige Quelle jene Namen-Register der Juden nutzbar gemacht, die im Anfange des 19. Jahrhunderts in den deutschen Städten angelegt wurden, als die Juden Familiennamen annehmen mußten. Adolf Kober verölfentücht das Namenregister der Kölner jaden von 1808. Auf die eigene Arbeit des Gesamtarchivs geht die Abhandlung des Leiters des Archivs, Herrn Dr. Jacobson, zurück, der im Anschluß an ein Akten-Inventar eine fesselnde Darstellung „Zur Begründung des Landrabbinates und zur Entstehung der Synagogen- und Gottesdienstordnimg für das Herzogtum Sachsen- Meiningen" beisteuert. Mit Nachrufen für die um das Gesamtarchiv besonders verdienten Männer: Martin Philippson, Ludwig Geiger, Marcus Brann, Philipp Bloch, Prof. Salomon Kalischer, Ezechiel Zivier und einem Geschäftsbericht schließt das wertvolle Heft. — Nach alledem kann der Wunsch der j Archivverwaltung nach freiwilligen Helfern, die durch persön- Werbung die Zuführung abgabefähiger Archivalien fördern, nur aufs wärmste unterstützt werden. Ganz besonders mag die Bitte weitergegeben werden, daß dem Archiv „alle auf die Geschichte der Juden in Deutschland bezüglichen Notizen und Aufsätze zugeleitet werden, die in den Tageszeitungen verstreut sich finden", ferner alle Publikationen, Aufrufe, Flugblätter und überhaupt alle für den Tag geschaffenen Veröffentlichungen, die so leicht „mit dem Tage verwehen". CD ■WONTAG.BCN iM SÄMTLiQ-ltN 4 mnmw-\ 28.f«ftUARl927 (T) , DA^£ß£iGNI5 liDER SAiSON mrtiDfi^tn .-.—«—-—_—_A V^^^Mr3 ^sregZF f—V- 4JitoV£REiN5l3ftAEMMH£R GEWflMETMiBEH&EE