Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 3. Jahrgang Andere wieder erzählen von „zu Hause", von Autos, von der Messe, der Rutschbahn und sonstigen Erlebnisseu. Während »ie so plaudern und sich begrüßen, hat schon die andere Tante die nach Nummern geordneten Schürzen aus dem Schrank genommen und jedem Kind die seine umgetan. Jetzt kommen sie alle in das große, helle, vierfenstrige Spielzimmer, in dem alles zu finden ist. was ein Kinderhtrz erfreuen kann: Puppen, Eisenbahnen, Autos, Pierdchen, Hausteine und anderes mehr, und aus all den Herrlichkeiten darf jedes Kind sich das Liebste wählen und damit ein Stündchen spielen. Aus dem Tagesraum tönt jetzt das Morgenlied und damit beginnt die planmäßige Beschäftigung unserer Kinder. An die fröhlichen Kreis- und Turnspiele schließt sich das zweite Frühstück an, danach die technischen Handfertigkeiten. Neuen Methoden folgend, weiden den Knaben und Mädchen Gehör-, Geschmack und Farbensinn geschärf! und ihre Geschicklichkeit wird gefordert. Durch den täglichen Verkerr mit den kleinen Freunden wird auch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, die Großen lernen auf die Kleinen Rücksicht nehmen und ihnen iiellei). Indessen wolien wir uns einmal unsere Kinder näher betrachten. Ihre Fitem können, da beide im harten Kampf ums Dasein stehen, ihren Lieblingen keine frohe Jugend bereiten, sie sind aber bemüht, ihrem Leben Freude und Sonne zu verschaffen, deshalb schicken sie sie zu uns. Es sind mit wenigen Ausnahmen besonders hübsdie, nette und bildungsfähige Kinder, und es ist nur zu bedauern, daß ihre Körperkraft nicht ihren geistigen Fähigkeiten entspricht. Deshalb geht unser Bestreben dahin, den Körper unserer Kleinen mit möglichst nahrhaften Speisen, wie Gemüse, Iiier-, Fisch- und Milchgerichten und auch mit Kräftigungsmitteln (Lebertran) zu pflegen. Nichts erfreut uns mehr, als wenn unser Heim-Arzt Fortschritte in der Gesundheit der Kinder feststellt. Vor und nach jeder Mahlzeit werden die Segenssprüche und das Tischgebet gesprochen. Die Teller unserer Schutzbefohlenen, die von ihnen selbst ausgetragen werden, werden so oft wie nötig nachgefüllt. Auch der zweistündige Mittagsschlaf in den Bettchen und Liegestühlen tut all den temperamentvollen Kindern besonders wohl. Zuerst mit Widerstreben, dann aber mit um so größerer Freude gewöhnen sich die Kleinen an das Zähneputzen. Es ist last erstaunlich, wie gut selbst die Jüngsten ihre eigenen Becher und Zahnbürsten erkennen. Einige Male am Tage werden Hände und Gesicht gewaschen. Am Donnerstag wird immer gebadet, — das ist ein großes Fest. Für unsere 45 Kinder im Alter von 2 1 ,—7 Jahren stehen uns leider nur drei Räume zur Verfügung, und wir sehnen den Tag herbei, an de n es uns einmal vergönnt sein wird, mit allen unseren so liebevoll zusammengetragenen Schätzen in geeignetere Räume ziehen zu können. Im Sommer halten sich unsere Kleinen, wenn das Wetter es erlaubt, nur im Garten auf. Von größter Bedeutung für unsere Kinder ist auch das alljährlich stattfindende Ghanukalest, an dem alle Zöglinge vom Kopf bis zum Fuß neu eingekleidet werden. Mit dem Lichtentzünden und Vortragen von kleinen Gedichten und Spielen und reichlicher Bewirtung mit Kakao und Kuchen wird es fröhlich gefeiert. Entzückend ist es, wie die Kleinen noch tagelang die Freude an ihren Geschenken zeigen. Eine Nacht in St. Pauli betitelt sich das am Sonnabend, den 12. Februar d. J. stattfindende Maskenfest des Jüd.Theatervereins. Besorgen Sie sich rechtzeitig Eintrittskarten. (Vorverkaulsstellen: H. Brecher, Tauchaer Str. 11 und Rh. Hübner, Lessingstr. 6) für nur 2.— Mark eÜ5& Das Purimfest wird entsprechend begangen. Schweren Herzens sehen wir unsere 45 kleinen Zöglinge abends um 6 Uhr von uns scheiden, und wir freuen uns mit ihnen aul das fröhliche Wiedersehen am nächsten Morgen. — D. H. Aus anderen Gemeine!« und Verbänden Ergänzungswahl zum Dresdner Gemeinderaf. Am Sonntag, 16. Januar, wurden Ergänzungswahlen für die ordnungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes und des Gemeinderates der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden vorgenommen. Die Wahlbeteiligung war eine sehr geringe, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, daß Liberale, Zionisten, Orthodoxe und Ostjuden eine Einheitsliste aulstellten, wodurch ein Wahlkampf vermieden worden war. Das Ergebnis war, daß sämtliche Herren, deren Amtsdauer Ende 1926 ablief, wiedergewählt wurden. Lediglich für den Fabrikanten Arno Schenker (Zionist), der auf eine Wiederwahl | verzichtet hatte, »ritt als neues Mitglied des Gemeinderates Zahnarzt Dr. Berlowitz (Zionist) in das Kollegium ein. Als erster Stellvertreter für den Vorstand, dem zurzeit nur ein j Zionist angehört, wurde Dr. Levy, der zweite Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung, gewählt. Er hätte also eines der fünf Vor Steherämter zu übernehmen, einerlei ob ein Liberaler oder ein Zionist aus dem Vorstand ausscheidet. Als Er- | satzmann für den Vorstand wurde an zweiter Stelle Rechtsanwalt Dr. Hirsch für die Zionisten, für die Liberalen Dr. Glauber bestimmt. Die Ersatzmänner für den Gemeinderat sind: An erster Stelle Direktor Erich Schapira, an zweiter Stelle Kaufmann Rudolf Apt, an dritter Stelle Bankprokurist Max Estreicher, sämtlich Vertreter der Liberalen Für die Zionisten kommt an erster Stelle Rechtsanwalt Dr. C o h n - V o ß e n, an zweiter Stelle Dipl.-Ing. L a n d a u, für die Orthodoxen Kaufmann L ö w e n t h a I, und für die Ostjuden Kaufmann Burg in Frage. Dem unter dem Vorsitz des Vorstehers Siegfried Pionkowski stehenden Wahlausschuß gehören als Mitglieder des Gemeinderates die Herren Jose! C a h n und Rechtsanwalt Dr. Hirsch, als Mitglieder der Gemeinde die Herren Ball in und David an. Schutz der jüdischen Altertümer in Preußen. Entsprechend dem Beschluß der Tagung der Landesversammlung der Jüdischen Gemeinden in Preußen soll eine Kommission zum Schutz der jüdischen Altertümer Preußens eingesetzt werden. Die Kommission wird aus Vertretern aller Provinzen und einer Reihe in Berlin wohnhafter Mitglieder bestehen und soll das Recht haben, Sachverständige zu ihren Arbeiten und Beratungen hinzuzuziehen. Der Rat des Preußischen Landesverbandes wird die für die Arbeit notwendigen Mittel zur Verfügung stellen. Über die Durchführung der erforderlichen Maßnahmen soll die Kommission selbständig entscheiden. Die Berliner Jüdische Gemeinde und die jüdische Künstlerschaft in Deutschland. Mit Rücksicht auf die durch die wirtschaftliche Krisis zurückgegangene Kaufkraft des Mittelstandspublikums, das für die Förderung der jüdischen Kunst mmm MK J. C Hanisch, Leipzig Grimmaische Str.29 und Hauptbahnhof Westhalle Gegründet 1836 / Fernspr. Nr. 20016, 21173 Frische Blumen zu jeder Gelegenheit mm^^m mmm