Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 7 (14.2.1930)
- Date
- 1930-02-14
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i untreu geworden. Das erste Versagen ist, daß nicht gelungen Ist, Mflnner wie Hermann Cohen, Pram Rosenzweig und später nicht Männer wie Max Warburg, Oskar Wassermann, Franz Oppenheimer, Prof, Einstein auch nicht die Mehrheit der Führer der jüdischen Jugendbewegung der liberalen Vereinigung zu gewinnen. Das swelte Versagen ist, daß die Vereinigung die Beschäftigung mit Fragen der Oegenwart aufgegeben hat. Drittens ist der Liberalismus mich seinen eigenen liberalen Prinzipien untreu geworden. Ein neues Gemein- »chnttsbewußtsein, eine neue Forin des Gottesdienstes ist nicht geschaffen worden. Die Vereinigung muß eine Lerngemeinschaii wer den, Ihr viertes Versagen besteht In ihrer politischen Verengung. Troti Grttndung des Weltverbandes lesen wir in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" keine Abdrucke;ms ausländischen Zeitungen; auch von dem liberalen Judentum In Palästina hören wir nichts. In einigen deutgrhen Gemeinden ist ein Wahlrecht, das der Gerechtigkeit und dem Fortschritt Hohn spricht. Der Liberalismus ist tot, es lebe der Liberalismus! Rabbiner Dr. Julius Galliner (Berlin): Wir ehren die Ober zeugung anderer, auch derjenigen unter uns. die in die Agency eingetreten sind. Die Besprechungen der Nichtzionisten in der Jewish Agency haben hinter verschlossenen Türen stattgefunden. Man hat nicht gi hört, was sie zur Wahrung des nichtzionistischen Standpunktes getan haben. Sic hätten aber etwas tun müssen, denn die Einheit des deutschen Judentums stand auf dem spiel. Hätte nicht der Aktionsausschuß seine Erklärung veröffentlicht und die Kundgebung im Herrenhaus veranstaltet, es wäre zu Massenaustretungen gekommen. Deshalb gebührt der Redaktion der „Jüdisch-liberalen Zeitung" Dank daß sie diesen Standpunkt stets gewähr! hat. Frau Paula Ullendorf f (Breslau): Wir kämpfen gegen das getrennte Sitzen von Männern und Frauen In der Synagoge. Wir wollen auch nicht immer nur von Freitagabend und Sabbat hören Wenn die übrigen Tage ohne Gott sind, wird der Sabbat das nicht gutmachen. Was gibt das liberale Judentum den Kindern? Die jüdischen Mitschüler sagen ihnen: Ihr seid keine Juden: die christlichen Mitschüler sagen ihnen: ]Iir seid keine Deutschen. Um die Kinder gegen solche Meinungen zu festigen, muß da« Haus liberaler Kitern durchdrungen sein von liberalem Judentum, Rabbiner Dr. Caesar Seligmann (Frankfurt u.M.): Ich vertrete hier als Vorsitzender der „Vereinigung liberaler Rabbiner" 96 jüdische Theologen, die vom Vorsitzenden angegriffen worden sind Der Rabbiner kann sich nur liberal verhalten, wenn er eine Oetolgschafl hat, die zu ihm steht. Wenn die Vereinigung liberaler Rabbiner ungeachtet der Vorschritten des allen Eherechtes Trauungen und Scheidungen vornimmt, die nach dem alten Gesetz nicht gestattet sind dann holte ich, daß die Liberale Vereinigung uns nicht so im Stiche läßt wie sie es in Posen getan hat. Orthodoxie und Zionismus haben nach unserer Meinung wenigstens, eine geringwertige Idee; sie haben aber die opferbereitesten Juden. Der Liberalismus hat die große Idee, aber keine opferbereiten Anhinger. Beginnt man heute hier „Oschamnu bogadnu" zu sagen, so ist das ein Lichtstrahl für die Zukunft. Rechtsanwall Dr. Rudoll Geiger (Frankfurt u.M.): Die Forderung, daß die Laien der rabbinischen Führung folgen müßten, ist unbegründet. Das FQhrertum bestellt nicht darin, daß die Massen ihre G 'folgschaft im voraus zusagen, sondern Führer ist der. der die Massen mit Bich reibt. Das war nicht der Fall bei den Richtlinien, nicht bei der Eherechtsfrage und nicht bei der Stellungnahme zum Zionismus. Der Redner wendet sich gegen die Meinung, die Einheitsgi meinden wären zu erhalten, auch wenn der Liberalismus dort nicht zu seinem Recht kommt . Dr. Ludwin Netz (Berlin): Unser Antrag betreffend Erhaltung der Einheitsgemeinden i<t falsch interpretiert worden. Wir wollen nur nicht, daß potente Liberale im.....r gleich mit dem Austritt drohen. Ein weiterer Antrag von uns zielt auf bessere Information aller liberalen Gemeindepolitiker im Reiche ab. Bei Ihren Knischeidungen müssen Sie darauf bedacht sein, daß Sie der Stimmung Ihrer grollen Wählermassen gerecht werden, nicht nur der zufälligen Majorität in Ihrer Vereinigung, Rechtsanwalt Dr. Hugo Hoff mann (Frankfurt a M.) bean standet, daß kein Jugendreferat vorgesehen ist In der jüdisch-liberalen Jugend lebl ein bewußter Wille, das Erbe der vorangegangenen Generationen fortzusetzen. Ludwig Herrmann dankt der „Jüdisch-liberalen Zeitung" für ihre jederzeit entschiedene Haltung. Vorsitzender Ifechtsauwalt Heinrich Stern (Berlin) dankt dem Vorredner für die praktischen Vorschlüge für materielle Fundierung der Organisation. Bruno Woyda (Schriftleiter der ...lüdiscli-liberalen Zeitung"): Aus religiösen Gründen haben wir die Jewish Agency abgelehnt. Ich kann nicht mit ansehen, daß lausende junger Menschen in ein Grab geführt werden um eines Phantoms willen. Die Stadt, in der wir hier lagen, ist als polnische Kolonie unter dem Namen Bralislaw entstanden. Ich möchte sehen, wohin wir mit unseren Forderungen auf Grund ..historischer Rechtekommen, Dr. Seligmann beantragte die Aufnahme einer Verbindung mit den osteuropäischen Ländern; warum haben Sie sich nicht darüber informiert, daß der liberale Weltverband längst mit osteuropäischen Vertretern zusammenarbeitet? Die Vereinigung hat vor Jahren bereits in einem Beschluß ausgesprochen daß wir hinsichtlich des Ausländerwahlrechts nur ein Jahr Karenzzeil wünschen. Die Tätigkeit des Redakteurs ist undankbar, sowohl hinsichtlich seiner positiven Stellungnahme als auch hinsichtlich dessen, was er ablehnen muß. Ich habe den Wunsch, daß unsere Zeitung sich durch vornehmen Ton und klare Stellungnahme zu allen wesentlichen Klagen hervorhebt. Rechtsanwall Heinrich Stern: Die ..Jüdisch-liberale Zeitung" ist das offizielle Organ unserer Vereinigung, Man macht aber oft die Vereinigung oder ihren Vorsitzenden für Aeußerungen verantwortlich, die nur unter Verantwortung der Redaktion veröffentlich! sind. Sollte die Vereinigung mitverantwortlich sein, so könnte Herr Woyda dankbar sein, wenn sich ein größeres Gremium zur Tragung der Mitverantwortung bereitfindet. Andernfalls muß mit noch größerer Deutlichkell als bisher ersichtlich sein, daß die Vereinigung nur für solche Artikel verantwortlich ist. die ausdrücklich als in ihrem Namen verfallt gekennzeichnet sind. Direktor Hugo Ostbe rg (Berlin) möchte, daß auch die Fühlungnahme zwischen den liberalen Ratsmitglledern des Preußischen Landesverbandes und der Zeitung enger wäre. Der Vorstand ist einstimmig wiedergewählt worden. Eine Reihe von Persönlichkeiten, u.a. Bergholl. Danzig. Dr. Waller Blanck. Köln. Dr. Berlak. Berlin, wurden in den Vorstand neu gewühlt. Unsere Gemeinde Schäclitfrnec und Numerus clausus. Auch an dieser Stelle sei nochmals auf die wichtige Gemeindeversammlung hingewiesen, die die Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger am is. ds. Mts. im Sachsenhof veranstaltet, um zu dein Antrage auf Verhol des Schlichtens in Sachsen und zu der bedrohlichen Numerus claususßewegung Stellung zu nehmen. Herr Rechtsanwall Dr. Heinz J os k e s| rieht über den ..Numerus clausus". Herr Gemeinderabbiner Dr. Ca rlebach referiert über „Das drohende Schächtverbot". (Näheres siehe Anzeige in der vorliegenden Nummer.) Auch der ..Jüdische Frauenbund" begrüßt außerordentlich die bevorstehende Veranstaltung, und hofft, daß an ihr viele Krauen teilnehmen werden, da diese ja an der Lösung der Krage als Hausfrauen. Mütter und Erzieherinnen besonders interessiert sind. Aul Besuch im Frauenbund. Der Vorstand des hiesigen Frauenbünde! veranstaltete am 6.Februar im Hotel Königshof ein gemütliches Beisammensein. Man ging hierbei von dem Oedanken aus. zunächst älteren Damen Gelegenheit zu geben, sich näher kennenzulernen, Vereinsamten Anschluß zu bieten. Wie gern man dieser Einladung folgte, bewiesen die zahlreich erschienenen Oiste. Alte Bekannte, die sich jahrelang nicht gesehen, begrüßten sich freudig. Einsame schienen beglückt neue Bekanntschaften gemacht zu haben. Man gruppierte sich an zierlichen mit Frühlingsblumen gedeckten Tischen. Vorstandsdamen machten die Honneurs; nicht ..offiziell" und steif. sondern ganz wie liebe Gastgeber. Launig leitete Krau Else Cohn den hübschen Nachmittag ein. und Frau Heß-Merfeld erwarb sich durch den Gesang dreier Lieder den Dank der Gäste. Viel Spaß löste Schließlich ein heileres Singspiel aus. das drei Schüler der höheren Israelitischen Schule temperamentvoll vorführten, von Krün lein J a c k s o u begleitet. Möge diese erste Zusammenkunft zu einem weiteren Ausb in führen und das Gefühl der Zusammengehörigkeil stürken. CSeh. Jüdischer Jagendband ..Franz Resensweig44. Am (i. Februar abends 20 Uhr fand in den Räumen des Hotel Häufte, unsere t. Mitgliederversammlung statt. Anwesend waren etwa 50 Damen und Herren, darunter viele neu eingetretene Mitglieder. Nach einigen Begrüßungsworten des 1. Vorsitzenden, ergriff der Vorsitzende des