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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-02-14 · 7 (14.2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
7 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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I I. Februar 1030 OEMEINDEMLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE ZU LEIPZIfi Seite fi Awm die Pllztgliecler der Zionistischen Vereinigung Leipzig Am Mittwoch, den 19. Februar 1930, pünktlich 8 Uhr abends findet im Pfaucnsaal des Zoologischen Gartens die General-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: :. Täiifrkeitshencht, 2. Bericht der Fondl und Institutionen, 3. a) Kassenbericht, b) Bericht der Revi-orcn, 4. Umladung des Vorstandes, 5. Neuwahl des Vorstandes, 6. Statutenänderung *, 17, 7. Antrage und Verschiedenes. Sämtliche Mitglieder werden dringend um pünktliches Erscheinen gebeten. Anträge sind bis spätestens 17. Februar 1930 an das Sekretariat, Kcilstraße 4einzureichen. Zionistische Vereinigung Leipzig. Der Vorstand bis vor 2 Jahren besiehenden Jugendbundes, Herr Jaffö, das Wort. Indem er im Namen der Mitglieder des (ruberen Jugendbundes das Wiederaufleben dieser Jugendgemeinschafl begrüßte und ihm in einigen herzlichen Worten Erfolg für die Zukunft wünschte. Danach stellte der Kassenwart den Bestand an Materialien und <leidern fest, die wir vom allen Mund übertragen bekamen. Im Anschluß hieran führte unser Vorsitzender in kurzen Schlagworten unsere Absichten für den Beginn der praktischen Arbeiten aus, indem er darauf hinwies, dafl wir das Hauptgewicht auf die Pflege „Jüdischen Wissens und jüdischer Geselligkeit" zu legen hätten. Auf das Programm im einzelnen eingehend, schlug er eine wöchentliche „Freitagabend"- Veranstaltung vor, die sich zur Aufgabe machen sollle, ihren Teilnehmern einen Einblick in den (Seist unserer Bibel zu geben und ihnen die alten traditionellen Können eines „Kreitagabends" wieder nahe zu bringen. Außerdem sollen wöchentlich Arbeltsgemeinschaften aus dem Qebiet der modernen jüdischen Literatur und über das Problem des heutigen jüdischen Berufslehens stattfinden. In ziemlich eingehender Diskussion Bußerten sich die Mitglieder zu diesen Vorschlägen. Der Vorsitzende endigte den aufschlußreichen Abend mit der Erklärung, daß sich der Vorstand bemühen werde, die praktische Arbeit in Kürze beginnen zu lassen. —r— »jPersönliehkeitswandel im 10. Jahrhundert". Auf Einladung des Verbandes jüdischer Krauen für I'aläslinanrheit sprach am 4. Februar im Saale des Städtischen Kaufhauses Herr Rabbiner Dr. Marek. Merlin, über ..I' e r s ö n I i <• h k e i t s w a u d e I i m 10. .1 a h r h u n - dort". Der geistvolle Redner schilderte die Bedeutung der Emanzipation für die Umgestaltung des jüdischen Wesens. Die jüdische Geschichte kennt, außer dem Hinaustreten der Juden aus dem Ghetto, ein solches Obergehen aus der ägyptischen Umgebung in eine andere Uliler Führung Moses und wiederum, nach der Zerstörung der Selbstständigkeil iles jüdischen Staates, eine Verpflanzung aus dem reinjüdischen Leben in das Leben der Völker. Der Wandel der jüdischen Persönlichkell beim Verlassen des Ghettos zeigt aber eine von den früheren Wandlungen zuliefst sieh unterscheidende Eigenart. Beim Auszuge aus Ägypten zog Israel in die Wüste und in «las Land Kanaan, um zu seinem eigenen Wesen zu gelangen. In den Völkern mußte die Judenheil aus inneren GrOnden im Ghetto sieh nach außen abschließen, um sein eigenes Wesen zu bewahren. Als es dann aber aus dem Ghetto hinaustrat, fand es eine hochentwickelte Kultur vor, mit der sieh die jüdische Kultur zu verbinden trachten mußte. Es war natürlich, daß dieses Zusammenstoßen jüdischer und europäischer Kultur nichl ohne tiefgehende Erschütterung für die Judenheil sieh vollziehen konnte. Durch die in den letzten Jahrzehnten sieh bildende Renaissance wird deutlich, daß diese Erschütterungen gerade eben überwunden werden. Der Jude, nicht etwa nur in einer einzelnen Gruppe, sondern in allen jüdischen Gruppen, gewinnt seine innere Sicherheit wieder; das allerorten bemerkbare jüdische Leben beweist den Portgang dieser Entwicklung. Hei- Wandel der Persönlichkeit im IS). Jahrhundert hat einen neuen Typus Juden geschaffen, den Juden, in dem jüdisches und europäisches Wesen ineinanderfließen. Soll aber das jüdische Wesen nicht von der Kultur der Umwelt gänzlich aufgesogen werden, so bedarf der Jude des Herdes, an dessen Feuer er sein jüdisches Sein Immer wieder anfeuern kann. Solchen Herd bedeuten für das Judentum alle die Stätten, in denen jüdische Geistigkeil gepflegt wird: Hochschulen und Lehranstalten für die Wissenschaft des Judentums i Art. wie Überhaupt jede Ställe jüdischer Bildung. Es muß aber auch e i n e Stätte geben, in der jüdisches Leben sich völlig frei, auch körperlich völlig frei entfalten kann. Eine solche Stätte soll Palästina weiden. Auf diesem historischen Boden soll der jüdische Mensch, unbeeinflußt von irgendwelchen äußeren Hemmungen, jüdisches Wesen so rein gestalten und erhalten, daß es füi die Gesamlheil jüdischen Lebens in der Welt den steten Born der Erneuerung darstellen kann. Unter diesem Gesichtspunkt muß der At u jüdischen Lebens in Palästina als eine Angelegenheil der Gesamt-Judenheil gepflegt werden. Nicht als eine Angelegenheit einer Partei, über den einengenden und einschränkenden (ieist der Partei hinaus sollten sich alle Juden zusammenfinden, um den ewigen (jueli jüdischen Wesens sicherzustellen, damit auch für die Juden der Well der neue Typus jüdischer Mensch die jüdische Note bewahren kann. Die Versammlung nahm die formal wie inhaltlich fesselnden und großangelegten Ausführungen des Vortragenden mit lebhaftestem Beifall entgegen. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch Worte der Vorsitzenden des neuen Verbandes, Krau Hadassah Chamizer, in denen diese die Ziele der neuen Vereinigung darlegte. Julius Krause zum Stadtrat gewählt. Bei der jüngsl vorgenommenen Neuwhl von ehrenamtlichen Stadträten ist Den Julius Krause der verdienstvolle Vorsitzende der hiesigen Zentralver einsortsüruppe auf Vorschlag der SPD. zum Stadtrat gewählt willen. Wir begrttßen mit herzlicher Freude diese Wahl, die eine Anerkennung für das öffentliche Wirken des Herrn Krause bedeutet. Amtliche Bekanntmachungen der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Offene stellen im Synagogenehor. Kür den Chor unserer (iemeindesynagoge. Gottscheds!raffe 2.S. werden eine erste Altistin und ein erster Tenorist gesucht. Beide müssen geschulte Stimmen halten und vom Blatt singen können. Schriftliche Angebote werden erbeten au das israelitische Gemeindeamt, Löhratraße 10. Leipzig, den :>. Februar 1930. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Cen.ral-Veri »In deufsdter Siaatobttrtler ffii«l. «»■«■«■■»« - Täubchenweg 77 b — Telephon S08 05 =- , Ortsgruppe Leipzig Herr Rechtsanwalt Dr. Heinz Joske spricht über den „numerus ClaUSUS", >-"in Grundproblem unserer bürgerlichen Gleichberechtigung. Dlemiatt, den18. Febr.19SO, 20 Uhr _ n ... _ „ . . « , L u , ,T Herr Rabbiner Dr. E. Carlebach referiert über das im Hotel Sachsenhof, Johannisplatz i. „ (Der genaue Versammlungssaal wird an der Tafel bekannt gegeben werden.) Thema: „DOS drohende SChdClIlVerDOI . Di beide Vorträge brennende Fragen des jüdischen Lebens behandeln und besonders die Schächtfrage durch das augenblicklich in Bayern angenommene Schächtverbot aktuell ist, bitten wir um zahlreiches Erscheinen. I. A.: Julius Krause, Vorsitzender.

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