Die Bne Briss
- Journal
- Die Bne Briss
- Volume
- 1937
- Issue
- Nr. 1/2 - Januar/Februar
- Date
- 1937-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Zurechtweisungen sind auch die Auseinandersetzungen (im Anhang), mit den andersgläubigen Professoren Schmidt. Michel und Gerhard Kittel. Professor Schmidt gegenüber sucht Buber die Stellungnahme des Judentums dem christlichen Glauben gegenüber klar zu stellen! und schließt seine Ausführungen mit den Worten: „Dic'Ghttestore sind offen für alle. Der Christj braucht nicht eltiijchs Judentum, der Jude nicht durchs Christentum zu gehl-n, um zu Gnjt zu kommen". Professor^ Michel belehrt erl daß die biblische Rechtsformel ..Aug' lim Auge" zumindest zur Zeit'Jesu nur zur Begründung von Geldbußen angewindt worden' ist. In der Polemik mit Prof. Gerhard Kittel weist Buber die von Animosität und Vorurteilen nicht freiet! Schrift'über ,.die Judenfrage" zurück und stellt fest, daß Kittels Begründung des „Gastrechts" der Juden in keiner Weise der biblischen Stellungnahme | zum ..Ger", zum Gastsassen entspricht. Kin störender Druckfehler auf S h61 wäre zu berichtigen.,. Die Stelle, wonach auch dem Gaktsassen, d''m „Ger" Grund und Boden bei der Aufteilung das Landes zugewiesen werden sollen, ist Ezechiel 47,21 und »icht II. B. M. Br. B. Elsaß. Ignaz Maybaum: ...Neue Jugend und jaller Glaube". (Philo-Verlag, Berlin 1936.) .■Dem neuen Buch Maybaums fehlt die Einheitlichkeit der Themenbehandlung, auf die der (Titel der Bjrotchür) schließen läßt. In ihm ist nicht nur kon dur Problematik der „neuen Jugend" dem ..allen Glauben" gegenüber die Rede. Das Anliegen des Autors geht vielmehr dah n, die in seinem ersten Buch, das unter <lem Namen „Parteibefreites Judentum-' vor Jahresfrist.I(ebenfalls im Philo Verlag) erschien, begonnene Analyse Judentums in seinen vielgestaltigen fortzusetzen und zui vertiefen. Weit Arbeit lesen sich daher wie ein Kom eisten Veröffentlichung aufgestellten! Thesen. Dem heute noch herrschenden! innerjüdischen Parleienstreit wird mit neuen Argumenten die jüdische Legitimität abgesprochen. Ober dirsc negative Beweisführung hinaus wircl in einem umfassenden Einleitung artikel der Vorschlag unterbreitet, durch die Arbeil des jüdischen Kehrhauses zur Cberwinaung des überalterten und brüchig gewordenen Parteienstseites beizutragen. An Stelle der Propaganda soll Belehrung, an Stelle des) Parteihaders das Lehrhausgespräch treten. Das bedeutet keine Preisgabe des weltzugewandten Charakters jüdischer Arbeit. Jüdische Glaubenshaltung ist bleich weit von kirchlicher Weltflucht wie von heidnischer Weltverhaftvng entfernt. Zu einer Spiritualisierung äer religiösen Sphäre neigt der jüdische Liberalismus. D*m Herzlichen Zionismus wohnt die Tendenz zur totilen Politisierung des Judentums inne. Aufgabe der Weltstunde ist es. durch den Rückbezug auf die von "der Geschiente geprägte Form eines weltzugewandten und zugleich gojtbezogenen Judentums eine neue Synthese von hell-wachen Gläubigkeil und praktischer Tätigkeit im Dienste der Gesinnung neuen Lebensraumes zu suchen und zu finden. Diese Forderung .-ist um so dringender qls diirch die neuzeitlichen Wanderbewegungen nie Gefahr des nochmaligen Verlustes der zehn verloren gegangenen! Stämme nicht von der Hand zu weisen isl. Retten kann1 uns in solcher Situation nUr die Wiederholung jener Tat. durch die Rabbi Jochanan ben Sakkai nach dem Fäll Jerusalems .die auseinanderstrebenden .Teile'der Judenheit binden verstand: durch die Gründung des| Lehrhauses, das durch T ' des' zeitgenössischen Ei scheinungjMormcn Strecken der neuen elitär zu den i in der die Pflanzungen des Geistes- und die Weisungen der Religion zusammenhält, was räumlich voneinander getrennt' ist. „Wo das führende Lehrhaus steht, "ist das Zentrum des Judentums." Darum ruft Maybaum in diesem Buch nicht nur auf zur ökonomischen Planung des Auswandcningsstromes.«sondern er hält bei aller ' 'ordriijglichkeit des Raumprobiems die geistige Organisation der, Diaspora für ebenso lebenswichtig und notwendig jzui Erhaltung und Rettung der Judenheit und des Judentums. Solches Mahnwort ist \<'>r allem an jdie Jugend gerichtet, von der behauptet wird, sie sei nahe daran, den Geist, der bislang eine Heimstätte in allen Epbvhili der jüdischen Geschichte gefunden habe, zu verachten und zu .verraten lerte Berufsumsstruktur willen;ils eine zu br- Scliuld daran trage die allenthalben gefj>r Schichtung, die um einer verbesserten Bein die Erhaltung einer geistigen Eliteschiebt kämpfende aristokratische Allüre abtue.1 Begünstigt wenl, diese Hinneigung zur Simplifizicnung der heuligen Jugend durch die romantische Nuturschwärmcrei, die sich in Anlehnung an Gepflogenheiten der Umwelt auch in den jüdischen Qlündcn breit gemacht habe. Jüdische Gemeinschaft könne aber nie auf mythischein Erleben^ sondern nur auf dem Wojrt der Lehre basieren. Der Jugendhund. der mit Wimpel und Volkslied eine unjüdische' Erscheinung ist. müsse in eine Lerngemeinschaft umgewandelt weiden, in .der man sich bereit erklärt, die geistigen Wert'- der Vergangenheit zu übernehmen, um sie fm eigenen Leben Gestalt gewinnen zu lassen. Der heroisch* Typ des Chaluz, der sich nur in seinem Jahrgängevc r >and wohlfühlen könne, müsse in die jiidisch-hcgiaiibigtej Form des ..Baalllahajit". des Hausvaters, übergeführt wrrden: damit die l'rzelle alles geschichtlichen Lebens im Judentum, die Familie. ' wieder zu ihrem Recht kommen könne. Der Kampf gegen das Bürgertum habe im Jüdischen Bereich •kein Daseinsrecht. Der Raal-Ilabajit seit, ein bürgerlicher Typ und könne auch nur im bürgerliche«! Milieu gedeihen. Da die Stadt heute noch am ehesten Aussichten zur Erhaltung des Bürgertums in sich trage. so dürfe der L'mschicblungsprozeß nicht so weil vorgetrieben werden, daß diejenigen Berufe, die bisher ein Leben des [luden in der Stadt ermöglichten, ZU kurz kämen. S/> gesell-n biete die Wanderung nach l'eberse sogar größere '.haiicen zur Reitling jüdischer Geistigkeil als-sdie kibhufcische Siedlung in Palästina, die mit ihrer Revorzugung ( er jiripiitiyen Lebensweise leicht eiher Fellacbisierung di s Judentums Vorschub leisten könnte. ieser Besprechung Gedankenfühmng Es ist nicht möglich, im Rahmen i auf die Einzelheiten der Maybauin'schei einzugehen. Das Erfreuliche an dem Buch ist die Tatsache, daß hier ein Theologe spricht. d( r de;i Mut hat, die verkappten Religionssurrogate, die es mch im jüdischen Rereich gibt, schonungslos aufzuzeigen [ unrechtmäßig angeeigneten Positionen;fu vertreiben. Hier' wird mit der Anwendung jüdisch-religiöser Haltung allen Fragen des Lebens gegenüber Ernst genjacht. Hier werden auch liebgewordene Vorstellungen und jAnschauungen bekämpft und zerstört, sofern ihre Schädlichkeit innerhalb der Welt des von der Geschichte begh ubigten Judentums erwiesen werden kann. .Maybaum hat nicht leicht gemacht. Ausgerüstet mit sen um die Sachverhalte, die er beschlr1 sucht er auch den Gegner zu verstehfr mentathta in seine Darstellung mi.t eir f . IT » Trotz all dieser Anerkenntnis selnfer Leistung kann ich ihm in der Auffassung von der Stillung der Jugendbünde in der heutigen Aufbauarbeit cjes Judentums nicht «ich diesen'Kampf uem reichen Wisibt und kritisiert, und seine A*gu ■beziehen.