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Die Bne Briss · 1937-01-01 · Nr. 1/2 - Januar/Februar · p. [Seite]

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Journal
Die Bne Briss
Volume
1937
Issue
Nr. 1/2 - Januar/Februar
Date
1937-01-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Daß das Übergewicht der Hauptstadt sich mit deren Wachstum und Bedeutung verstärkte, liegt auf der Hand. Die Besonder! eit der Berliner Judeuheit tritt recht spät in die Erscheinn ig; die Anfänge sind wie überall zögernde Zulassung: St eitobjekt zwischen Herren und Untertanen: Gegenstand de > Mißtrauens und der Klagen: Vertreibung nach hochnotpeinlichen Pro/essen: Wiederansicdlun-g. Das Wort ..die Jut en waren Schoßkinder der Fürsten ", schon von Otto S p 1> 1> e berichtigt. muß so ' aufgefaßt werden, daß weitblickende Herrscher auch für Juden Verständnis hatte! und in. ist gegen kirchlichen oder stä Iti- M-In n Widerstand die Oberhand behielten. Gestalten wie W i 1 h e I m , der Große Kurfürst. erstere Juden ere. weil sein aufgeklärtes Regimen! den ir die Wirksamkeil eines Moses afe.nlfildete. Diesem widmet Wölbe einebeson- Darstellung. die der folgenschweren, mit verknüpften Entwicklung gerecht wird, t. der das Wissen der Zeit mit gläubigem Verbinden wußte, macht der Verfasser haft- Verfatlserscheinungen; wohl aber manche F r i e d r.i c h und Friedrich II. treten leuchtend^ hervor: der « i gen der Al fnahnic der vertriebene n Wiener Uß7I|. der an l Hintergrund f d i'lssoh n ders liebevoll seinem "Namei Nicht ihn selb Judentum zu bar für späh seiner mißver* ländlichen, des historischen- Sinnes baren ■Anschauungen :sich nicht auf .1.")» Jahre ließh fc stärket die Kein Zweifel. Untreue am Judentum durfte Mendelssohn berufen! Aber die folgenden besonders in der Hauptstadt erkennen: Itcteiligung an der allgemeinen Kultur, desto flacher und äl Bier das jüdisch-religiöse Leben, und desto geringer das Interesse für jüdisch-kulturelle Werte, Wissenschaft und Ml 'ratuc: je; enger die Verbundenheit mit dem Lande, desto n atter das Gemeinschaftsgefühl für die Glau- Itensfajrüder in der Feme. . II Wenn um •ß ..Rom Ii ler JlerzJs Sei rillen den jüdisch-nationalen Gedanken als Z' s Vermittlung wiegend über sieht er! daß ' fang schnürst! durch di Fnde gefunden onlnimg der Fähigkeiten fri gewidmet ist. nen. Mit Recht Johann v Jablonski. diü Ramlcr. Ni'ccjl Staatsmänner Lvnar. York r Verfasser meint, daß schon ein Werk von 1 Jerusalem'" oder Pinskers und Riilfs. späischfen den Iradilionstreiien und den über- I ken Juden hätten erwecken können so liberaler jüdisch-nationale Gedanke grade im Anlcks einer Entwicklung zuwiderlief, die* erst nwärtige, staatliche Neuordnung ihr jähes hat. Die in Jahrhunderten angestrebte Finluden in das SLtatsganze, der Finsatz ihrer seinen Dienst, jleren Nachweis Wolbes Buch hätten sich auch glücklicher vollziehen könruft sich Wölbe auf Geistliche, wie Abt Sponheim, die Hofprediger Agricola und Schriftsteller Balthasar König. Lessing, ii. die Musiker Schubert- und - Zelter, die Dohm. Humboldt und Hardenberg. Fürst Wartenberg. Baron Dyrhn u. a.. die solch ünstige Meinung hegten. Innerhalb der Judenheit selbst wirkten Mäm er wie I,eopoId Zunz. Gabriel Riesser, Ahr. Geiger u. v.-a., im Geiste einer Einordnung, die auch dem vorauf Genüge' tat. In Berlin lag bei den Gelange Zeit eine fast diktatorische Macht, die eit der-Rabbiner ungünstig beeinflußte, oft chränkte. KtsX spät machten Männer wie Michael Sachs. Fsr. Hildesheimer, Jos. Aub, Judentum ineindeältestt die Wirksaml allzusehr ein* Sal. Plessner. .Vl)r. Geiger, geltend. und~ nun Meinthal >iegm. Maybaum die Würde des Rabhin'ats m Lehramt wareil Männer wie Ilolzman im Kantor.it ein Aron Friedmann, als Svnagogep-Kompoi ist ein Louis Lewandowski überragend. Was die Kriegszeil. Nachkriegswehen iiit^l der Umbruch der Gemein le brachten, läßt Wölbe nur referierend an uns vorüberziehen, ohne tiefere Fragen aufzurollen, die unsere Gegenwart bedrängen. Sein" Buch will uns eine Hilfe leisten. 20 ' ' um ihrer Herr zu werden und sie unter Gottes Beistand zu lösen. Wir wollen ihm für sein schönes Buch dankbar sein und gern seinen treffenden Schlußworten beipflichten: „Die Judenheit hat sich auf ihre religiös-geschichtliche liestfmniung besonnen;." Berlin-Grunewald, Dezember 1936. Br. S. Samuel iSpino; a-Loge>. Martin^ Buber, „Die 'Stunde und die Erkenntnis", Der rührige Schöcken-Verlag hat wieder e ne Sammlung von Re len und Aufsätzen Marlin Bubers. welche zum •rößfen Teil in den Jahren 1933—35 in verschiedenen Or ganen erschienen waren, unter dem Titel;,I) i e ii n d die wc i s u n - Sinne von und Kraft. S t u n d e Erkenntnis" veröffentlicht. Diese Beden .ind Aufsätze sind von dem Bewußtsein getragen, daß ..die Turmuhr des Schicksals" zum gewalligen, aufrüttelnden Schlage ausgeholt hat. und sie sollen uns zur ..Erkenntnis" ■führen, was die ..Stunde" von uns Juden heiselt und for-, dert. Was uns nottut' ist, auf unser Eigenstes! Ursprüngliches uns /u besinnen, damit wir auf den ewigen Grundlagen unseres „Israe4""-seins trotz der Zerstreuung eine einige, heilige. Gemeinschaft aufbauen. Ich möchte diese Ansprachen und Aufsätze als Z u rech gen liczeichncn. Zurechtweisungen im Mahnungen, voll Eindringlichkeit, Ernst die uns gleichzeitig stärken und aufrichten sollen, damit wir in der furchtbar exponierten) J-age die Labilität (unscres Schicksals seit dem Umbruch dadurch tragbar machen und überwinden.- indem wir uns in scheuer Ehrfurcht der heiligen Sehfcksalsmacht beugen und anvertrauen, die von der Urzeit heruns jene einzigartige Stellung inmitten der Völker angewiesen, als ..Goltesvolk" durch die Geschichte zu sehreilen. — Wir sollen wieder wie die Väter willig und bewußt das „ol malehuth schamujim*. d. u. das ...loch des Königstums Gottes" auf uns nehmen. — Zurechtweisungen auch in dem Sinne, uns den rechten Weg zu weisen, um uns von den Irrwegen der Emanzipationszcit und vor falschen Einstellungen zu bewahren. 'Ein Irrweg war es, unser „Israelsein ' von der nationalen Bindung zu lösen, als ob das Judentum nur Glaubensgemeinschaft wäre. Jedoch wird auch die einseitige Betonung des Nationalen in der national-jüdischen Bewegung der Einzigartigkeit unserer Stellung und Aufgabe, die 'uns von Ursprung her gewiesen ist, nicht gerecht. Auch beim Aufbau Palästinas ist es nicht geniig. den Boden zu bebauen, die hebräische Sprache wieder zu beleben. Man dürfe nie vergessen, daß im Judentum Nation lund Reifginn. Volkstum und Glaube eine unzerstörbare, unzertrennliche Finhcit bilden, und daß die ..Lehre" den Lellensodem unseres Daseins bildet. Die ..Lehre", die von Geschlecht zu Geschlecht überliefert und weitergegeben, Wachsend das Leben formt und gestaltet. Die „Lehre", die riieht in einem Buch, : nicht im Schrifttum zusammengefaßt ist, sondern. ..im ganzen lebendigen jüdischen Menschentum*' zum Ausdruck, kommt. Die Lehre ist der Weg. der lins Juden zu gemeinsamer Verbundenheit mit Gott führt, gleichviel wo wir auf Erden leben und anzutreffen sind. Das Ziel der Erziehung heutzutage ist der „überwindende"! Jude. Unsere Jugend müssen wir stählen, damit sie allen Schicksalslagen gewachsen die Nöte des Daseins überwindet. Wir haben gleichzeitig dafür zu sorgen, daß die Urkräfte des jüdischen Lebens in ihr lebendig werden. Iis gilt in unserer Mitte den bibTischert Humanismus zu wecken und zu pflegen und den Gottesbund dadurch 211 bewähren, daß wir als' Glieder eines Volkes in Bruder- und Werkgemeinschaft an einer einigen jüdischen Zill unft arbeiten.

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