Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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geben und verlassen mußten. Das nun vollendet vorliegende Heppner-Herzbergsdie Buch, das mit zahlreichen Illustrationen ausgestattet ist, wird gewiß von ihnen freudig begrüßt werden. * Samson Rothschild: Aus,Vergangenheit und Gegenwart der Uraelitischen Gemeinde Worms. Verlag J. Kauffmann, FraoMfurt a. M. Die lebendigen Schilderungen, in denen der Verfasser eine kurze Geschichte der Juden von Worms, den Friedhof, die Synagoge und deren Inschriften, das Frauenbad, das Ar« chiv, die alten Wimpeln, den Judenbisdiof vor Augen führt, lassen erkennen, daß Samson Rothschild mit der Gemeinde, in der er als Lehrer wirkt, aufs engste verwachsen ist. Er bietet Interessantes nicht nur für den Gemeindeangehörigen, der über die Vergangenheit seiner Heimatstadt unterrichtet sein will/ die Lekjtüre des Buches muß Vielmehr jedem empfohlen werden, der aus der Geschichte einer der,ältesten Juden« gemeinden Deutschlands sih ein Bild machen will über Leben dnd Leiden unserer Vorfahren. Aus dem Archiv der Israelitischen Gemeinde enthält das Werk, sozusagen als belletristische Beigabe, sämtliche Sagen und Legen len des »Maaseh-Nissim«-Buches, einen kultur« geschichtlichen Beitrag, der .jeden Leser interessieren wird. H e l m u t h B Ip c h , Augsburg. Monat'szeitshrift: Daniel. Blätter für Erneuerung des Judentums durch Vergeistigung, Verinnerlichung, Lebens- Vertiefung und Lebensreform. Die Monatsschrift, die_ Organ der Gesellschaft für ethische Erneuerung des Judentums e. V. ist, soll den drohenden Materialismus, .die Mechanisierung abwehren, die unbedingte Herrschaft des Seelisch-Geistigen betonen. * . „Der Morgen*. Jahrgang 5, Nr. 40. G e d e n k he f t für Julius Goldstein. Die Oktober-Nummer des »Morgen« ist auf Anregung Von.. Freunden als Gedenkheft für seinen Begründer und Herausgeber Julius Goldstern erschienen. .Durch die Wundervoll komponierten Blätter töntstatt der Klage nur t>ank. Denn lebendig ersteht das Bild des Heimgegangenen lier vor unserem) Auge. Wir sehen in vortrefflicher Wiedergabe den schönen geistvollen Kopf eines jüdischen Denkers. Er selber spricht Zu uns in einem Entwurf über »Ehrfurcht, eine Grundforderung des Judentums«. Andere suchen seine Gestalt, in Worten nachzuzeichnen, so M. Dienemann in einem umfassenden Lebensbild des Heimgegangenen, H. Frick in feinsinnigen Gedächtoisworten, W. Miche n »Zügen seines Bildes« Den Philosophen^ der sich einem Euchen, James und Bergson Verbunden fühlte (Briefe, dieser drei sind auszugsweise am Ende des Heftes abgedruckt), würdigt E. v. Aster, dem Religionsphilosophen gilt eine Betrachtung des Mediziners R. Koch. Dem Manne, der die Synthese von Deutschtum und Judentum fn sich vollzog, widmen Aufsätze Fr. Thieberger, Franz Rosenzweig und Jul. Bab. Der wackere Kämpe auf dem Boden der Politik tritt uns in den Artikeln von Adam Röder, O. Möller und L. Holländer entgegen. Der tiefreligiöse Jude endlich, der Goldstein war, steht B. Jacob, Leo Baedc und Margarete Susmann bei ihren Betrachtungen vor Augen. So vielseitig spiegelt sich das Bild dieses hervorragenden Menschen in den Herzen derer, die ihm im Leben nahestanden Es ist eine Pflicht der Pietät gegen den Toten, aber mehr noch — denn nach ihm bedeutet Pietät, »daß etwas eigentlich schon Vergangenes dennoch bewahrt und erhalten bleibe« es ist eine Forderung der Ehrfurcht vor seinem lebendigen Geiste, daß wir nun, da ihm »die Abende dämmern«, alle unsere Kräfte vereinen, damit sein »Morgen« sein erhellendes und wärmendes Licht weiter über das kalte Dunkel unserer Tage breite. ._ Inhalt des Goldsteln-Gedenkheftfes, Oktober 1929: Max. Dienemann: Julius Goldstein, Ein Lebensbild, ll.S./ Heinrich Frick: Gedächtnisworte für Julius Goldstein, 6 S;/ Wilhelm Michel: Züge seines Bildes, 3S./ Ernst von Aster: Julius Goldstein und die Philosophie der Gegenwart, 5 S./ Friedrich Thieberger: Der elliptische Mensch, 4 S.; Adam Roeder: konservative Kulturpolitik, 3 S./ Richard Kodi: Theorie der Medizin und Religionsphilosophie, 6 S./ Otto Melfier: Volk-Natur und Volk-Geist, 11 S./ Leo Baedc: Weltgeschichte, 5 S./ Ludwig Holländer: Zur Soziologie der Demagogie, 6 S./ Franz Rosenzweig: Vorspruch zu einer Mendelssohnfeier, 1-2 S./ Margarete Susmann: Die messianische Idee als Friedensidee, 10 S./ B. Jacob: Gott schauen, 7 S./ Julius Bab: Rembrandt und Spinoza, 4 S./ Aus Briefen von Rulolf Eudcen, Henri Bergson und William James an J. Goldsteirv ca. 4—6 S./ Julius Goldstein:' Ehrfurcht, eine Grundforderung des Judentums, ca. 12 S. * V " Fritz Heinemann: »Neue Wege der Philosophie«.' Geist, Leben, Existenz. (Leipz., Quelle und Meyer. XXVllI, 434 Selten, 16 M >, t Mit allem Nachdruck ist auf dieses Werk eines vielversprechenden jüdischen Philosophen, Schülers unseres großen Hetmann Cohert, hinzuweisen. Von diesem scheint der junge Privatdozent an der Universität Frankfurt den heiligen Ernst geerbt zu haben, die Probleme der Philosophie, das sind aber die tiefsten Fragen der Menschheit selbst, mit der Kraft seines ganzen Lebens zu erfassen. Nach einer noch völlig im Sinne der Mgrburger Schule gehaltenen Untersuchung über den Aufbau dei' Kritik der reinen Vernunft und das Problem der Zeit (Gießen, Töpelmann 1913) erschien 1921 seine preisgekrönte, n)it Hilfe der Wiener Akademie der Wissenschaften'gedruckte Schrift über Plotin (Verlag Meiner, Leipzig). Heinemanns neues Buch, in dem er Hermann Cohen ein Denkmal dankbarer Verehrung setzt, umschließt den Versuch, den Umschwung unserer Tage, ihre schwere tiefgreifende Krise zu deuten, und stellt das philosophische Denken der letzten 50 Jahre in knappen, lebendigen Sätzen dar, nicht isoliert, sondern umfaßt von einer neuen Zusammenschau ‘ der gesamten modernen Philosophie und der abendländischen Philosophiegeschichte überhast. Der sprühende Versuch, die ganze Geschichte der Philosophie in e i n Blickfeld zu bannen, beansprucht weit über die Grenzen des Faches Beachtung, weil er aufbaut auf den Grundhaltungen des ganzen Menschen zur Welt. Diese menschliche Gesamteinstellung wird, klar geschieden für Antike, Mittelalter und Neuzeit, durchgeführt. In einem großartigen Zuge wird das gewaltige Drama der modernen Philosophie als ein Kampf des Verstandes um seine Existenz geschildert, dieses modernen, bloß rechnenden Verstandes, der die Leitung der gesamten Kultur übernimmt, und dem die Rätsel der Welt zu Rechenexempel werden. Dagegen revoltieren aber die Schichten im Menschen, die nicht gemessen und gewogen werden können, der Glaube (Hamann, Jakobi, Kierkegaard), der Trieb (Schopenhauer, Nietzsche, Freud), die Intuition (Bergson). Dieter Gegenstoß durch die »Lebensphjlosophie«, wird soziologisch als Kampf der Seele gegen die Maschine gedeutet. i 222