Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 12 - Dezember (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 248 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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erwählter, von dem das Wort des hochw-, OroBpräsidenten auf der letalen Großlogentagung gilt: »Auserwähltsein beginnt bei sich selbst.« Die Vorrede zu dem Buch ist von Br. Baeck geschrieben, klug und formvollendet. Wal sch. - , / Festgabe für Claude G. Montefiore, Philoverlag 1928. S. 156. Der Welverband für religiös-liberales Judentum hat anläßlich dar Tagung im August d. J. seinem bewährten Präsidenten, dem bekannten Wissenschaftler und Philanthropen Claude G. Montefiore tine Festschrift überreicht, die 26 Abhandlungen über verschiedene Fragen und Probleme des jüdischen Liberalismus enthält. In dieser Sammelschrift, die zugleich eine Huldigung zum 70. Gieburtstag Montefiores ist, haben Oelehrte, Rabbinen und »Laien«, darunter auch eine Frau, Beiträge geliefert, die nicht nach Materien geordnet, sondern alphabetisch nach den Namen der Autoren, zum Abdruck gelangt sind. in einer kurzen Anzeige können die einzelnen Arbeiten nickt eingehend gewürdigt werden, vielmehr soll auf den einen und den anderen Beitrag nur hingewiesen werden, a u I a Ollendorf, die bekannte geistige Führerin des jüdischen Frauenbundes, macht beachtenswerte Ausführungen über soziale'Ätbeit und fordert mit warmem Pathos die Begründung von Jugendheimen. Julius Bläu gibt in seinem Beitrag »Jüdischkeit« eine Definition eines Volljuden, der im Montefiore’schen Sinne zur jüdischen Führerschaft berufen ist, nämlich der, der für das Judentum leben will, aber auch sterben kann. Max Dienemann zeigt, wie die »Erbsünde« im Judentum überwunden wurde, Erich Bayer die »Befreiung des Gottesbegriffes von dem Problem des Leides«. E1 b o g e n führt uns . mit der bei ihm bekannten Klarheit den Streit um die* »positiv-historische Reform« . vor Augen und Vogelstein erörtert den Begriff der »Tradition«, deren Geltung und Wertung im Judentum. Mit einer feinsinnig-exegetischen Erklärung zur ersten Strophe des zweiten messianischen Abschnittes des Alenu- Gebetes schreibt Baeck über das »Reich Gottes«. Das messianische Problem bildet auch das Thema der Beiträge von Maybaum und Majc Wiener. Oeorg Götzhebt vier Grundbegriffe des liberalen Judentums hervor, während Felix Ooldmann »Die Orenzen des Liberalismus«, Lewkovitz »Die Wandlungen des Liberalismus« und Seligmahn »Wandlungen jüdischer Frömmigkeit« be-- handeln. — Das von Freuden.thal mitgeteilte, streng wissenschaftlich gehaltene »liberale Outachten«, das der; bayrischen Regierung anläßlich des Richtlinienstreites erl stattet wurde, ist als bedeutsames historisches Dokument zu werten. Für die historische Entwicklung des Liberalismus ist auch Oottschalks Aufsatz über »die Anfänge der deutschen Gebetübersetzung« von Interesse. Auch die P r a k t i k e r kommen zu Wort: Heinrich Stern in seinem Aufsatz »Weg oder Umweg« wünscht kein zentralisiertes, sondern intensiviertes Judentum, keine Gemeinschaft neben den Völkern, sondern die Gemeinschaft in den Völkern. Salomonski weist auf den kranken. Gottesdienst in anserer Zeit hin und macht HeilungsVorschläge. Falkenberg erinnert an die Festvorbereitungen in alter -Zeit, die zur Stimmung der Festtage hinfübrten und will den alten Gedanken des »Erew«, des Bereitmachen* wieder aufnehmen und ihn für die Gegenwar fruchtbar gestalten. O allin er, ausgehend von einer Anregung Montefiores, einen Familiengottesdienst beim j beginnenden Sabbath und am Sabbath selbst abzuhalten, wünscht »häusliche Andachten« auch an den Wallfahrtsfesten sowie an Chanukka und Purim. Eine häusliche Andacht hat Oalliner übersehen, nämlich die tägliche Morgjenandacht unter Leitung der jüdischen Mutter. In seinem Aufsatze: »Gibt es noch Jüdinnen?« fragt Chajim Steinthal: »Wer hat mich ursprünglich zum Juden gemacht und mich geistig zu solchem gestempelt?«. Und die Antwort lautet: »Meine Mutter, indem sie mir, sobald ich mit meiner Zunge die Sprachlaute beherrschte, den Segensspruch beim Waschen und das »Höre Israel« vorsagte, damit ich es nachspräche.« — Kahlberg, Halle, beschäftigt sich mit dem »Fahrverbot am Sabbath und Festtagen« unß befürwortet ein Aufheben* desselben im Interesse des Judentums. Der Rabbiner könnte im Sabbath und Festtagen in Nachbar- ' gemeinden Gottei dienste abhalten und in großen Städten bei Barmizwoh-Heiern durch Familieribesuche die'Seelsorge viel besser wahrnehmen. — Es sei hier bei dieser Gelegenheit auf das Büchlein »Chut ha-meschulasch« von Raphael Kohn, Odessa 1874, aufmerksam gemacht, in welchem auf S. 59 ff. die Frage des Fahrens am Sabbath mit der Eisenbahn an der Hand des Talmud, der Decisoren- und der Responsenliteratur eingehend erörtert wird. Josef Norden weist in seinem Aufsatz »Judentum und Völkerfrieden« darauf hin, daß wir in den zweieinhalb Jahrtausenden, die »uns von einem Jesaia und einem Micha, diesen klassischen Verkündern des Völker-- friedens, trennenj der Verwirklichung dieses prophetischen Ideals nicht näher gekommen sind. Er verspricht sich nicht viel von den Diplomaten und Politikern, denn er vermißt bei ihnen den aufrichtigen Willen, die heilige Begeisterung, ohne die die allgemeine Abrüstung nicht herbeigeführt werden könne. Darum müßten die großen Volksmassen für die Friedensbewegung gewonnen werden. Und da der Gedanke der Abrüstung und der Völkerversöhriung ein jüdischer Gedanke sei, müßten wir Juden uns der Friedensbewegung annehmen und in Vordersten Reihen für sie kämpfen. Wahrlich eine bunte Mannigfaltigkeit in dieser Festgabe, die den Leser nicht ermüdet, vielmehr ihm durch ihre Reichhaltigkeit Abwechslung bietet, ihn zum Nachdenken anregt und sein Wissen bereichert. E. F. Der letzte. Waldjude. Roman von Opatoschu. Aus dem Jiddischen [von S. Schmitz. 320 Seiten, holzfr. Papier. In Ganzleinen gebunden. Zweiter Band der zweiten Jahresreihe. —; Der Heine-Bund, jüdische Buch' gemeinde, Berlht. Eine Paralellelausgabe des Buches für Nichtmitglieder ist im Welt-Verlag Berlin erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen. Preis: RM. 6,— (in gleicher Ausstattung wie oben). 1 Die’ Entwicklung einer ereignisreichen leidenschaft liehen Jugend,, der Roman einer historisch reizvoller Epoche, der Z^it vor dem Polenaufstand von 1863 unc des Niedergangs der chassidischen Bewegung. Auf eineni polnischen Waldgut, unter Bauern und Fischern, verlaufen Mordechais Kinder- und Jünglingsjahre. Wegen seiner standeswidrigen Liebe zur Tochter den kleinen jüdischen Pächters wird er nach Kozk verbannt, — 248