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Der Orden Bne Briss · 1927-08-01 · Nr. 8 - August · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 8 - August
Date
1927-08-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Ans den Verbände der FnaenverehMen Üe'r il.'(Ü B Loser ü Artik») und Bnrieht* ui/« dum Vtrband» tithtn \nt»r Vtrantm»rtung d*r RtdakUo i dtr Monattbtricht» dt Braattog \{ Hanudkript* für Einttndungtn, di» unttr ditstr Rubrik »rteh lintn tolltn, ward* i jtdocft zuvor mn di* Adr»*** rf, Frau Anna Ltm /, St*ttin, t\lmab*th*tr. 10, *rb* Wohlfahrtspflege. Von Oretel H o r o v i t Im Laufe der Zeiten hat sich der Begriff P der Armut und damit auch der Wege, sie zu bekämpfen, ungeheuer gewandelt1. Nach Simmel fe't arm, wessen Mittel zu seinen Zwecken nicht ausreichen. Klumker armung enger als der Selbständigkeit. Daraus chen Wirtschaftsformer aßt den Begriff der Ver- Verlust wirtschaftlicher geht hervor, daß in manbestimmte menschliche Frankfurt zu verscl /Typen leichter zur Verarmung gedrängt werden als in anderen, daß z. B. in der geschlossenen Naturalwirtschaft eines mittelalterlichen Hofes ein eingesessener Bauer schwerer seine wirtschaftliche Selbständigkeit verliert, als ein moderner Fabrikarbeiter, der mit einem bestimmten Geldlohn rechnen muß. Ein Beweis für die Richtigkeit dieser theoretischen Betrachtung, der hier interessieren dürfte, findet sich in der Schrift »Die Wohltätigkeit bei den Juden im alten Frankfurt« von Markus Horovitz. Horovitz berichtet dort, daß seitens der Gemeinde alle Vorbedingungen für wohltätiges Handeln vorhanden waren. Es fehlte nur eins: die Hauptperson, der arme' Mann, der Notleidende.', Was in dieser Schrift von. der jüdischen winden," da an der Tafel de: Lehms keijlGedec): für ihn aufgelegt w ar, denn der Arme zehrt von den begrenzten Möglichkeiter der anderen. Glücklicherweise ist die Malthus’ >che Ansicht, die in der ganzem Oesellschaftslehri: das Se Ibstinteress^ als Hauptmotiv alles wji tschaftli :hen Handeln innimrm, heute vielfach von 3er Lehr jder genseitigen Hi fe abgelöst worden. Krapotkin ■ ist in seinen Buch von de^h( egenser igen ilfe itn Menschen- und Tierreich'i| rach, welche deutsame Rolle das Gemeinschal tsgefühl bei allen Lebewesen und in allen Formen des Zusammenlebens spielt.' Klumker sigt jdäriiber:. »|Die Fürsorge bildet heiite noch die anschaulichste Form der gegenseitigen Filfe, In ihr ujnd ihrer Betätigung wird das Gemeinsam! eits-. gefühl in zahl! Dsen Gemütern ge triebe des moc Bewußtsein käm veckt, \vach gehalten und gestärkt, denen es un er dem ernen Erwerbsleben^ kaum e.' Nicht bloß waS die Fürsorge Gemeinde berichtet.wird, trifft wohl in ähnlicher 'qehrlicher ist Weise für die übrigen mittelalterlichen Gemeinmenschlichen Gefühls, einer F^ilfsger innung gen Schutzverpflichti ing, die schäften zu. Pa der mittelalterliche Mensch viel stärkere Bindungen und Rückhalte an Befufsverbänden u. s. w. hatte als der moderne Mensch, war es für ihn viel leichter, sich wirtschaftlich selbständig zu erhalten. Geriet er dennoch diych Unglück in Armut, so war eine selbstverständliche religiöse Pflicht jedes Wohl-1 habenden, seinen Glaubens-, Berufs- oder Zunftän Erziehung ipid vH tschaftl an Versorgung, Verwertung ihter Schutzbefohlenen ifyr ihren PlatzJ noch, bedeutsamer sie als Pflarizschu e ner gegenseit ler Kultur ur d Zivilisation Bestarid verlei F es Sacra misef, heiliger Scheu, v|ater.« Diese psychologische Der Arme ist ein sagt nichi zu Unrecht Emsit llung Armen gegenüber ist e i n Faktor,- dlerne Fürsorgewesen beeinflußt hat leistet, und u e wahrhaft und erst i; Gezum eher gibt äenthen. Gegenstand ein Kircien- ,1er das mo- Der an iere genossen zu unterstützen. Die jüdische Aufiit die Vergrößerung der Städte und/staatlichen fassung »indem wir Erbarmen üben, sind wir die Begnadeten,' Beschenkten«! war wohl im Mittelalter auch unter den Katholiken* ähnlich verbreitet. i. So selbstverständlich jedoch' dem mittelalterlichen Menschen die Auffassung von der gegenseitigen Hilfe war, so i|vurde sie in der Aufklärungszeit von dem eng Ökonomen Malthus bekämpft, für den Armen kein Platz in ischen National- Nach ihm war der Welt, seine Verbände; die zur unpersönlicheren Organisation j^er Armenpflege führte im Qegensa z zur nacharlichen Hilfe des Mittelalters. Oeh Haupt- Grundsatz der modernen Wohlfahrt: pflege dann lan wohl dahin zusammenfassen, daß Arnenaflege nicht lediglich Versorgung des Amen *jnd Linderung einer augenblicklich en Not bedeutet, sonderh Erziehungjdes un wir schaftlü hen Menschen zur .Wirtschaftlichkeit, d. 1. zur Selbständigkeit. Wenn diese Erziehung nicht rnög - 123 ’dfn

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