Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 8 - August
- Date
- 1927-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6727475-6029141-6074744--1457-4868083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I land. Er stellt zunächst zusammenfassend fest, daß in der-Verfassungsurkunde der ersten Burschenschaft in, Jena 1815 mit keinem Worte von Aufnahme oder Ablehnung von Juden die Rede .war, und daß erst im Jahre 1818 in Jena der Antrag, angenommen wurde, daß man, »um Mitglied einer Burschenschaft sein zu können, ■ eip ehreni hafter deutscher Bursch und Christ sein müsse«. Aber auch nach Annahme dieses Beschlusses gab es stets Burschenschaften, die sich an diesen Beschluß nicht.' .kehrten, und auch dann noch, ajs in Dresden 1820 die grundsätzliche Abweisung der Juden^ festgelegt wurde, gab es sogar Juden' in führender Stellung in der deutschen Burschenschaft. NaHi 1830 verschwindet dann auf längere Zeit die Judenfrage aus der deutschen Burschenschaft, es * war die Zeit, wo die Mitglieder der Burschenschaft den schwersten Verfolgungen ausgesetzt waren. Und irn Jahre 1S48 haben jüdische und christliche Burschenschafter für das burschenschaftliche Schwarz-Rot Qold Schulter an Schulter gekämpft. Erst nach der Reichsgründung, als ■ , T Stöcker uryi Treitschke. die wirtschaftliche Krise zur Schürung der antisemitischen Instinkte benutzten, regte sich irr -der aktiven Burschenschaft die antisemitische Be- I ' -.1 wegung.-von neuem. Zunächst wurde im Wintersemester i 1893 beschlossen, daß das ' Mitgliederverzeichnis der Burschenschaften auch das Glaubensbekenntnisenthalte^ müsse; die- Folge war, daß es im Jahre 1894 bereits . keinen jüdischen Aktiven mehr gab. 1895 wurde dann j in einem Beschluß des Burschentages offiziell die Erwartung ausgesprochen, daß die Burschenschaften in Zukunft - die Aufnahme jüdischer Studenten ablehnen würden. Dieser Beschluß, an dem auch zahlreiche Austritte christlicher und jüdischer Alter Herren nichts änderten wurde bis zum Kriege strikte durchgeführt. Nach dem Kriege begann dann ein Wettlauf der verschiedenen ' Studentenverbände, die sich .gegenseitig an »Rassereinheit« zu übertreffen suchten, voran sonderbarerweise schon im Oktober 191.9 der Allgemeine Deutsche Burschenbund, der einst von Konrad Küster gegründet wurde als*Bollwerk gegen die immer weiter vordringende antisemitische Bei wegung in der Studentenschaft. Und in der schwülen | jüdenhasserischen Atmosphäre, die in jenen' Tagen über i der gesamten deutschen Studentenschaft lagerte, kam es j schließlich jm Jahre 1920 auf dem Eisenacher Burschentage zu jenem schmachvollen Beschluß n^ch welchem | auch derjenige, der sich mit einer farbigen oder jüdischen j Frau verheiratete, nicht Mitglied der Deutschen Burschen- | Schaft sein oder werden konnte, und keinen Anspruch! auf ritterliche Austragung einer Ehrenangelegenheit hatie. Verf. weist darauf hin, daß die Triebfeder der Einsenachen Beschlüsse der Waidhoferrer Standpunkt der österreichischen: j Studentenschaft gewesen sei. Am Schluß geht Verf. noch i mit einigen Worten auf den paritätischen »Deutschen- I y Burschenbund« (B. C.) ein, der jedem Deutscheu ohne Rücksicht auf Partei und Olauben offen stehe, und der die Aufnahme eines jeden nur nach Charakter und Persönlichkeit entscheide. Diesem Standpunkt des Verf. gegenüber ist eine gewisse Skepsis am Platze; denn die jahrzehntelange Erfahrung lehrt* daß in den paritätischen Korporationen die Parität entweder nur auf »dem Papier stand, weil sich die Zahl der christlichen Mitglieder um den Nullpunkt herum bewegte, oder aber, wenn die Zahl der christlichen Mitglieder wirklich anwuchs, sehr bald in das antisemitische Fahrwasser gesteuert wurde. Ein sprechendes Beispiel dafür bietet gerade die Entwicklung der oben erwähnten Allgemeinen . Deutschen Burschenschaft. Dr. Edmund Werner. •r - Johann Gottlieb Fichte, Philosophie der Maurerei. Neu herausgegeben, und eingeleitet von Wilhelm F I i t n e r. Verlag von Felix Meiner, Leipzig XXXI u. 83 S. Preis geb. M. 4.50. Die Philosophie der Maurerei, die sich in manchen Stpcken sowohl hinsichtlich der Ziele als auch der Wege mit der Gedankenwelt unseres Ordens naturgemäß eng. berührt, hat in Fichte einen ihrer frühesten und größten Vertreter. Es hat daher einen hohen Reiz, diesen genialen schöpferischen Denker, der mehr als irgend ein anderer - auf Erneuerung und Umgestaltung der geistig-sittlichen Welt seiner Zeit hingearbeitet hat, dem die Ethik nicht etwa nur als ein wichtiges Stück, sondern geradezu-als der Höhepunkt und das Endziel seiner Philosophie erschien, auf diesen seinen Qedapkenwegen zu begleiten ' In zwei Vorlesungen, die in Form von Briefen an einen Freund im J. 1 f02 erschienen sind und' jetzt auf? neue erscheinet}, werden gleichsam die letzten und höchsten Ziele -der Maurerei philosophisch untersucht, begründet und dargestellt. Die Ideen, die Fichte hierbei entwickelt, sind auch heute noch giltig und von aktuellem Interesse. Denn gleich der Aufklärungszeit,' in der diese Vorlesungen entstanden, sucht auch unsere Zeit nach Mitteln, um zur Seele des Volkes heranzukommen, das Innerste der Menschen umzugestalten. Das wirksamste Mittel hierfür sieht Fichte in der Selbsterziehung der Erwachsenen, wie . sie am nachdrücklichsten und erfolgreichsten die' Maurer-;1 bünde durch, die Pflege edler Geselligkeit bieten. J Daß es die Pflicht jedes geistig und sittlich hochstehenden Menschen ist, eine solche Geselligkeit schaffen zu helfen; ergibt sich als praktisches Ergebnis dieser Philosophie. Die sachlich und geschichtlich - gutorientierende Einleitung des Herausgebers macht die Lektüre »dieser Schrift auch.dem philosophisch weniger unterrichteten Leser verständlich, anregend und gewinnbringend. Dr. Holzer (Dalberg-Loge). Brüder , i , r i denket bei der Darreichung von Spenden auch an dje Großloge. — 122 — . i '1