Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 82 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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hinweggegangen werden darf. Er spricht sich gegen die rein jüdische Einstellung aus und möchte die allgemein menschliche stärker betont wjssen, weil dies das weitergehende ist und alle — Freidenker, Liberale, Orthodoxe etc. -- vereint. Durch die Begrenzung der Aufgaben auf das Jüdisch-Ideale würde die Aufgabe des Ordens nur verkleinert und die Trennung zwischen den einzelnen Brüdern vertieft. Der Orden als solcher sei nie ein religiöser} gewesen, sondern ein solcher von Juden zur j Pflege allgemeiner Menschheitsideale. Br. M e r z b a c h : Er habe lediglich der Ansichtwidersprochen, daß i ein Bruder, dessen religiöse Einstellung auch wichtigen, positiven Vorschriften des Judentums widerspreche, wegen dieser seiner Einstellung, wenn, er sonst für die ethischen, sozialen undKulturiffteressen des Judentums arbeiten wolle, nicht geeignet sein solle, auct\ die' höchsten Aemter im Orden zu bekleiden. Hierdurch würden zwei Arten ven Brüdern geschaffen werden. Für ihn handle es sich um die Feststellung des Tolerafizgedankens innerhalb des Ordens. . Der Entwurf Leszynsky enthalte nach seiner Ansicht nichts, was nicht auch der sagen könne, dem es nach seinen Auffassungen widerstrebe, ein Bekenntnis zum Glauben an einen persönlichen Gott abzulegen; denn es gebe für -jeden sittlich gerichteten Menschen etwas, das ihm Ehrfurcht einflöße, und es sei gleich, wie er dies nenne. Es Wäre höchst bedenklich, wenn man für die Zugehörigkeit zum Orden ein Mindestmaß von Glauben verlangen wollte, zumal jeder hierunter etwas anderes verstehe. Gerade die am höchsten stehenden, stark religiösen Naturen hätten Verständnis auch für diejenigen gehabt, die der Auffassung gewesen seien, irreligiös zu v sein. Er wolle an das. so tolerante und von tiefster Religiösität erfüllte Wort des vjerstorbenen Bruders Markus Horovitz erinnern,) der gesagt habe: »Viele unserer Brüder.nennefi sich Atheisten und wissen nicht, wie gottgläubig sie sind.« Ebenso wolle er an den Hymnus von Br. Nehemia Nobel, abgedruckt in derFestnummeij zum Ordenstag 1921 erinnern. Je breiter das Fundunent der religiösen Anschauungen im Orden ist, desto besser sei es um den Orden bestellt. . Br. S t e i n: Es wird keinen geben, der dem idealistischen Standpunkt Br. Baecks nicht Gedavor, »Ordei die n jüfolgschafl leisten wird. Er warnt Frage, ob »jüdischer Orden« oder discher Männer« erneut zur Entscheidung zu bringen, weil es schwer sei, dann das Trennende zu übe^brücken. Alles, was das Ordensn veau hebt, soll geschaffen werden, dagegen soll eine Erörterung darüber, ob jemand, der mehr oder weniger Atheist ist, zum Großpräsidenten befähigt ist, vermieden werden. Das Schlag wort »Heraus | aus dem Ghetto« kann auch; sehr leicht zu: einem »Heraus aus dem Juden lum« führen. Daß wir jüdischer werden, beweist auch die Entwicklung, die der Orden in den letzten Jahren genommen hat. Redner empfiehlt, rein religiöse Probleme nicht anzuschneiden, sör dertf lediglich den Gedanken zum Ausdruck zu bringen, wie aus unsern Logen »Hochsthulen der Ethik« gemacht werden können, insbesondere »jüdischer Ethik«. Bei aller Würdigung' der großen Gesichtspunkte dürfen auch die eitleren brüderlichen Logenaufgaben nicht außer acht bleiben. Br. 3 r o ß: Aus den Ausführungen Br. Baecks müßten die praktischen Konsequenzen gezogen werden. Die Großloge, die vdn danken der jungen Generation beeinflußt jv müsse si:h auf das jüdische Element ejn^tdlen weil es notwendig sei, den Kontakt mi* Jugend nicht zu verlieren. Richtig sei di^ fassung von Br. Emil Cohn-Bonn, daß die ebenso heilig sei wie der Inhalt Wir aber nicht in der Form ersticken. Was den Lloger fehle, sei der Sinn der Brüderlichkeit.. I Br. iaeck dankt für die Ausführungen, die zu si :lnem Referat gemacht worden sind, insbesondere Br. Catzenstein, der seinen eigenen Gedanke 1 verstärkten Ausdruck gegeben; nabe. Er widei spricht Br. Ginsberg, daß bei dier Betonung (es Jüdischen das Allgemeinmens^iliehe zu kurz ramme. In der Art, wie wir Juden das Allgemeiirmenschliche am stärksten und tpefsten zum Ausdruck bringen können, liegt für ukis das Jüdische. Je mehr wir das jüdische Ideal verwirklichen, desto mehr allgemeinmenschliche Ideale verwirklichen wir. Wenn gesagt werden ist, daß wir uns, wenn wir das Irrationale in unserem Logenleben betonen, vomjudentun zu sehr ent ernen, zu einem allgemeinen Reiigiösenj hin, so iitimmt das nicht. Es handelt sich bei den Logen um den Zusammenschluß von Juden - 82 —