Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 81 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6727475-6029118-6074600--0559-4867230- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
als ein Unglück empfanden hätten, ist das heute nicht mehr der Fall, weil wir das Irrationale in uns zu würdigen verstehenj — Das Judentum ‘als religiöser Faktor c rfährt' innerhalb der evangelischen und der k itholfschen Kirche wie bei den verschiedenen p lilosophischen Richtungen der Gegenwart eine immer stärkere Würdigung und begegnet großen Interesse. Auf sozialem Gebiete, wo früher dit Angehörigen der verschiedenen Glaubensgemeinschaften nebeneinander arbeiteten, findet jetzt eine bewußte Zusammenarbeit der verschieden :n Religionsgemeinschaften statt. Wenn also die Stellung des einzelnen Juden auch manche Beeinträchtigung erfährt, die Stellung des Judentums hat sich vielfach gehoben. Damit hat auch der Charakter der Logen als jüdischer Logen eine neue Bedeutung gewonnen. Die Stellung der Frau ist im^sozialen, religiösen und politischen Leben in den beiden letzten Jahrzehnten eine andere geworden. Die Wandlung stellt vielle cht die stärkste Revolution dar, die sich in diesem Jahrhundert vollzogen hat, eine geistige, kult jrelle Revolution, (die ihren Einfluß auch auf die jüdische Gesamtheit in Deutschland ausübt. Das kulturideal, das sich bisher im wesentlichen auf den Mann richtete, zieht nun auch die Frau in seinen Bereich. An den Orden tritt nun die Aufgabe heran, auch auf die jüdische Frau zu wirken. Br. Walter: Oie Großlögentagung soll nicht nur einen äußeren Eindruck erzielen, sondern einen so starken inneren Gehalt haben, daß ™e für die nächsten vier Jahre ein leuchtendes Bild für die Aufgaben der Logen ist. Es soll den Logen gesagt worden, wie sie das im einzelnen Dargelegte in die Tat umsetzen können. Daher ist es notweidig, die zu behandelnden Themen für die Großlogehtagung aufzustellen und Referenten zu wählen.: Er bittet, das jetzt zu beschließen, damit in eine praktische Arbeit zur Vorbereitung der Großlogentagung eingetreten werden könne. I Br. Holländer: Unbedingt erforderlich ist, den Logen mehr Inhalt für ihre Arbeiten zu geben, sie zu »Ho:hschulen der praktischen Ethik« auszugestalten. Wenn man jetzt von Arbeiten in den Lo.jen spreche, so sei dies großenteils eine Redensart. Man könne sehr viel von den Freimaurern lernen. Notwendig ist die Klarstellung des religiösen Standpunktes, weil die Abweichung von dem jüdisch-religiösen Standpunkt eine Lockerung des Logenbaus bedeuten würde. Er ist gegen die Aufrollüng der Frauen frage, kündigt im Fall ihrer Aufwerfung schärfsten Widerspruch für eine etwa geplante Erweiterung der Teilnahme von Frauen an der Loge an, und bittet, nur die beiden erstell Themen ausführlich zu behandeln. Br. Jesei so hn führt aus, daß die diesmalig^ Großlogentagung grundlegendfür das weitere Logenleben sein müsse. a Br. C a t z e n s t e i n : - Es fragt sich, wie die Lpgenideen mit der allgemeinen, Bewegung in Einklang gebracht werden können. Die neue Auff’^sung ist in der Jugend entstanden,. und zwar mit einer Kraft und einer Tiefe, die beachtet werden muß. Wir müssen dazu kommen, große geistige Prinzipien und Richtlinien für unsere Logen aufzustellen. Er glaubt, daß nach einer äußeren Glanzzeit des VIII. Distrikts nunmehr die Zeit für eine geistige Vertiefung gekommen ist. Er bittet, zum Referenten, für das Thema Br.Baeck zu bestellen und durch Schaffung von Richtlinien das Logenleben zubefruchten. Die Referate und Korreferate bittet er mindestens vier Wochen vor der Großlogentagung zu versenden, damit Zeit vorhanden ist, sich in die Dinge hineinzuarbeiten. Br. L u c a s ist der Ansicht, daß die Logen wissenschaftlichen Bestrebungen wesentlich dienstbar sein sollten. So heißt es auch in der Eingabe, die bei Oründuhg der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums den Logen übersandt wurde: Eine Religion kann in der jetzigen Weltlage nicht allein, durch Religionsunterricht noch allein durch sozialen Zusammenschluß zur Wohltätigkeit selbst im größten Stile ihr Dasein behaupten. Sie muß beweisen, daß sie als Religion Wissenschaft für die allgemeine Kultur zu erzeugen vermag. Wir sind der Ueberzeugung, daß unsere Logen hierin an erster Stelle helfen sollten. Hat doch Amerika, das Mutterland unserer Logen durch die Begründung der großen Encyklopädfe in dieser Richtung zu wirken begonnen. Br. G i n s b e r g. Die ^Aufstellung von Richtlinien ist notwendig. Die Frau,enfrage hält er für nicht groß genug, um sie auf der Groß- ■ logentagung zur Erörterung zu stellen. Wichtig aber sei das religiöse Moment, über das nicht — 81 —