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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-12-06 · N° 49. (6.12.1888) · p. Seite 191

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 49. (6.12.1888)
Date
1888-12-06
Page
Seite 191 (sequence 4)
Language
German
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*ubauen. Er habe es ihnen nicht verbiet^! da die Forstmeister die Jadensohnle vom Lehen trügen and von derselben jährlioh erhöben. Um das Interesse der Bürger wurde ihnen dagegen alle bürgerliche und Krämerei verboten. n können, Kaiser an ,/j Gulden wahren, öffentliohe in Oie religiöse Praxis und das freisinnigeJ1{1denthum. Von einem freisinnigen Theologen. Meine Schuld ist’8 nioht, wenn ioh in den Lesern dieses Blattes nooh einmal die Erinnerung an meine! Artikelserie: ״Unsere Orthodoxie im Lion» wissensohafUioher Religionsbetraohtung“ wachrt fen muss, ioh musste aber dem Gebote des Bedaoteurs weichen, der mir zwei Zuschriften, meine Artikel!betreffend, einsandte, damit ioh darauf erwidere. Herr L. Weinberg in Bodenfelde hat! mir das Compliment gemaoht, dass naoh dem Sprichworte ״die Gelehrten sind die Verkehrten“, ioh 1 nioht das Becht hätte, die mir in so liebenswürdiger! Weise in Aussicht gestellte Belehrung des Herrn Dubowsky in Samter abzulehnen. Der höfliche Ton des Herrn Weinberg legt mir die Päioht auf, zu erwileru, dass ioh keineswegs meine Gegner mundtodt maol en wollte, indem ich von vomeherein jede weitere Pclemik ablehnte, sondern ioh wollte nur vermeiden, dass das Publikum mit dem Nachweise behelligt werde, dass ich eine talmudisohe Stelle mit fol. 77 statt 87 angegeben habe. Ebensowenig dürfte es in dem grossen I eserkreise dieses Blattes viele Leute geben, die dafür Interesse haben, den Witz des Herrn D. kennen zi lernen: ״Weil der Talmud sagt, ein unreifer Schiler dürfe nioht in die Oeffentlichkeit treten, darum hüllt sich der freisinnige Theologe in Anonymität*. Eine gedruckte Betourkutsche bleibt doch eine Betoi irkutsohe. Wenn ferner Herr D. mioh einen verkappten Briman nennt (Br. war übrigens vor seiner Taute eil Ort hod o x e r und Protdge des Herrn Dr. Hilc esheimer) und mich mit der Kuh des B. Eleasar bei! Azariah und meine Beweisführungen mit dem Stossen ihrer Hörner vergleicht (S. Sabbath 5 i b) so hat er doch keinen Anspruch darauf^ dass ioh zum Erg jtzen der Beth Hamidrasohbesuoher eines posen’sohf n Stadtohens, eine ermüdende Polemik beginne. Herr (!antor D , dessen für seinen Stand ganz staunenswerth( n talmudisohen Kenntnissen ioh gerne Gereohtigb 1it angedeihen lassen will, hat selbst gefunden, dass eine Polemik zwisohen uns nicht stattfinden kam, da ioh nicht auf talmudisohem Standpunkt steh!». Ganz richtig! Bei einem Duell müssen gleiohe Waffen und gleiohe Kampfgesetze sein. loh stehe nioht auf talmudisohen Standpunkt, d. h., ioh halte nioht Alles für Tradition und ui umstössliehe Wahrheit, was im Talmud steht. Wie geht es denn meinen Gegnern damit? Glauben Sie, Jerr Dubowsky und Ihre Gesinnungsgenossen, dass — um bei dem von Ihnen oitierten Beispiele (Sabbith 54 b) zu bleiben — B. Elasar ben Azarrah thatsächlich 12.000, sohreibe zwölftausend, Kälber alljäh rlich als Zehent gegeben habe. Sie antworten: ״Niin, aber das ist eine Haggadah.“ Ioh habe aber ii meiner mehrerwähnten Artikelserie darauf hingewiesen, dass dieses Aufgeben der Haggada nioht orthodox ist,' denn^sonst hätte Eiiah Misraohi nioht sovie. Scharfsinn aufwenden müssen, um die unmöglichen Angaben des Midrasoh mit dem oopernikanisohen Sys «m auszugleichen und nooh weniger hätte es Azariah dei Bossi nöthig gehabt, das Unmögliche die) es Ausgleichs zu beweisen und B. Salomo ben Ad:־at hätte nioht die talmudisohe Erzählung, naoh welohe: ׳ Miohai, die Tochter Sauls, TefiUin gelegt hat, zum Beweise dafür herangezogen, dass eine Frau das Beoht habe, die ihr nioht obhegenden Gesetze zu erfüllen OTTO Bd. L No. 123.) Soweit stehen wir wohl auf gemeinsamen Stand- Punkt. Wie ist es aber mit der Haieoha. Die unkritisohe Ansohauung des Alten hat ihre eigenen Ansiohten ganz naiverweise mit denen der vorangegangenen Generation identifiziert. B. Akiba Eger — ioh wähle gerade diesen Namen, der im Osten einen so mächtigen Klang hat — meinte gewiss, dass seine Auslegung der Worte B. Falk Cohens (2*00) von diesem gemeint sei und dass R. Josef Karo wieder gemeint habe, was der Verf. des S*OD ihm untersohiebe und selbstverständlich die Worte, des Schulohan Aruoh im Talmud, die des Talmuds in der Misohna und die der Misohna in der Thora stehen. Wenn es in der Thora (Num. 18.21 f£) heisst: ״Den Söhnen Levis gebe ioh allen Zehent in Israel* und an einer andern Stelle (I Deut. 14.22 ff) ״Vorzehenten sollst du allen Ertrag deiner Saat . . . und du sollst den Zehenten essen vor dem Ewigen deinem Gotte ... und den Leviten in deineh Thoren sollst du nioht verlassen“, so zwingt mioh das nioht zur Annahme, dass die Thora von zwei Arten von Zehent spreohe, dem einen, welchen man den Leviten in natura geben und dem andern, welchen man gegen Geld umgetausolit, in Jerusalem verzehren muss, wie die rabbinisohe Gesetzeserklärung will. Vielmehr erblicke ioh in dieser rabbinisohen Erklärung nur eine alte Volkstradition, welohe man exegetisoh duroh die keineswegs ungewöhnliche syntaktisohe’ Form פשר תעשר stützen, will. Und ebenso, wenn der Talmad sagt, die Mischnah; Wenn zwei auf der Strasse einander anstossen und beschädigen, sei es, dass der eine läuft, der andere aber gewöhnlichen Schrittes geht, sei es, dass beide laufen“, setze voraus, dass der erste Fall am Freitag spiele, wo jeder Eile habe (Baba Kamma32a), so ist das ein Erklärungsversuch und nioht eine Erklärung. Ebenso ist es bloss ein1 Erklärungsversuch, wenn der Talmud die klaren Worte der Misohnah: ״Hat der Wind das Blut des geschlachteten Thieres mit Staub bedeckt, so muss* man es nooh einmal bedecken“, auf den FalL be-, schränken will, wenn ein zweiter Windstoss den Staub wieder weggetrieben hat. (Chullin 87 a) Wollen wir nioht in die jeder Wissenschaft Hohn sprechende Dialektik der Alten zurüoksinken, so müssen wir das Beoht haben, die Erklärung der Misohnah unabhängig vom Talmud, wie die Erklärung der Bibel unabhängig von der Misohnah zu versuchen. Leugnen wir dieses Priuoip der kritisohen Freiheit, dann hat auoh die ohristliohe Exegese ein Beoht im zweiten Psalm den Sohn Gottes zu finden, nachdem die von ihr anerkannte Tradition es verlangt. Die Frage ist nun freilioh: Wie stellt sich diese Ansohauung zur religiösen Praxis? Ioh antworte: Das ist Saohe des Gewissens und der Auffassung, die wir von den Folgen unseres Vorgehens haben. Eine Idee, die man sioh wohl auszuspreohen scheut, die aber doch die meisten unserer Rabbiner in ihrer Amtsführung leitet, denn wir lassen auoh heute das ״Tragen“ am Sabbath zu, obwohl die Misohna es unter die 39 verbotenen Arbeiten rechnet und der Talmud es aus der Thora ableitet. Unsere praktische Theologie wird uns aber verbieten, heute, in einer Zeit der Erschütterung die Verhältnisse nooh mehr zu verwirren — und die trotz aller Separationsgelüste der Orthodoxie — bestehende Einigkeit im Judenthnm nooh mehr zu gefährden, darum werden wir das gesetaliohe Element im Judenthum sohon deswegen schützen, weil die Gemeinde die Pflicht hat, für die religiösen

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