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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-04-10 · No. 15-16. (10.4.1884) · p. Seite 61

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 15-16. (10.4.1884)
Date
1884-04-10
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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r '(י ״ - 1י JJ •<1 '1יp!l^ י׳®?» w.f י Mfl( Jl^e w, /■ Kf IJJ'-^IIÄB1)11.IJ1 1..1 y״ H1.,4_1p4|j — 61 — überall den. Fleiss and die Akribie seines jüngsten Herausgebers. Ueber die Zweckmässigkeit, au: Halb- und Theilverse immer gleich Kimchi’s weitläufigen Commentar folgen zu lassen, lässt sich rechten. Der Zusammenhang einzelner Verse und Versgruppen leidet vielleicht bisweilen durch diese, den weitschiihtigen Commentar — so zu sagen — in Atome auf.ösende Stoffvertheilung. Sehr angemessen sind die signiijicanten Worte des Commentars durch den Druck prägnant hervorgehoben. Wir hätten gewünscht, dass djer Text die grösseren, das logische Verständniss vermitjtelnden Ton- und Lesezeichen, wie מתג. אתנחתא u. s. jw. enthalten hätte. Der Leser hat auf diese Weise sofort eine gewisse Controle über den Commentar. Was ausser manchen anderen Vorzügen an Kimchi’s Cj)mmentär besonders fesselt, ist seine Stellung zu den Christologisch gedeuteten Stellen der Psalmen. Sehrj lesenswerth ist in dieser Hinsicht seine Auseinandersetzung P8. 2 gegen Ende, Ps. 7 v. 8 ’s. v. ןפלת לאסים, Ps. 19 v. 10 8. v. עומדת לעד, Ps. 21 v. 1, Ps.' 22 V. 82 s. v. כי פשה. Kimchi’s Bemerkungen in seinem Commentar zu Ps. 15 v. 5 hat eine förmliche Geschieht^ hinter sich. Die Judenfeinde von Eisenmenger bis Rohling und bis auf die anonymen Pamphletisten, die Rohlings Plagiate plagiiren, klammern sich an Kimchi’s Aeusserung, man dürfe von einem Nichtjudjen Zins nehmen, nicht aber von einem Juden. Geflissentlich verschweigen sie seine Motivirung, welche mit Bewusstsein zwischen נשך und רבית, zwischen Zijns und Wucher, unterscheidet. Der interessante Passus lautet wörtlich: ולא כן חישראל פם הגוי כי אינו חיב לפשות עמו חסד ולהלות לו בחנם כי ברוכ הם שונאים ישראל אבל בודא־ אם פושל הנר חסד וטוכה פם ישראל חיב לפשות הישראל ג:־כ ולהטיב לו, והרחבתי לך בוה כדי שתמצא כו תשובה לנוצרים!שאומרים כי דוד לא הפריש בין ישראל לנוי אלא כל רכית אסור. Dieser ganze in gehässiger Tendenz aufgebauschte Passus besagt also, dass man vom Nichtjuden Wucher (רבית) in keinem Falle, wohl aber Zins (נשך) nehmen dürfe. Bekannt ist, dass die Apologeten des Judenthums geg<m christojlogische Deuteleien, wie Jizchak Troki, der Verf. des חדק אסונה sich bei ihren Widerlegungen gern und oft auf Kimchi’s Commentarien berufen. Wohlbegründet sind die Richtigstellungen des Herausgebers in seinen;Glossen zu den Angaben des Commentators auf S. 71 und 73. Einfach und ansprechend ist seine Deutung von Ps. 27 v. 9 לך אמר לכי. Zu אמר supplirt er השם als Subject und bezieht לבי per inversionem als Apposition zu לך. Demnach übersetzt er: ״Zu Dir mein Herz spricht er (sc. der Ewige) suchet mein Antlitz auf! Dein Antlitz, o Ewiger, will ich auch aufsuchen“ — (sc. antwortet das Herz). Zum Schlüsse sei noch die treffliche und splendide Ausstattung des Buches lobend hervorgehoben. Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deultsch. 1. Caesar Seligmann. Das Buch der Weisheit des Jesus Sirach (Josua ben Sira) in seinem Vejrhältniss zu den Salomonischen Sprüchen und seiner historischen Bedeutung. Breslau 1883. 2. Allen Page Bisseil, Doct. of Philos. j Leipzig. The Law of Asylum in Israel, Historically and ritically examined. Leipzig. Theodor Stauffer. i 1884. Die oben angegebenen zwei Schriften sind Dissertationen; die erstere von einem Schüler des Breslauer jüd. theol. Seminars, die andere von einem,* Schüler des Prof. Dr. Delitzsch in Leipzig. 1. Die Seligmann’sche Arbeit behandelt in 74 Seiten in deutscher Sprache das bekannte Spruohbuch Sirach’s und vorzüglich die Frage seiner Abfassungszeit. Aus der Angabe des Uebersetzers, welcher im Jahre 132 v. d. g. Z. schrieb, und Sirach seinen Grossvater nennt, entnimmt Seligmann den Beweis, dass 190 ungefähr als Abfassungsj ahr festgestellt werden könne י Einen zweiten Beweis findet er in der Schilderung des Simon als Hohenpriester, in welchem er Simon II (220—180) vermuthet. Er erweist hierbei, dass Simon II dem Beinamen ״der Gerechte“ führte, weil er zur Zeit des mächtig werdenden Einflusses des Griechenthums lebte und sein Schüler Jose ben Jaeser 160 gestorben ist, ferner daraus, dass diesem Simon die Neuherstellung vom Tempel und Stadt zugeschrieben wird. Naah einer kurzen Betrachtung über die Stefiung dieses Buches in der talmudischen Zeit, über die Ueber- Setzungen desselben und die bisherigen Arbeiten über dieses Buch geht Verfasser genau auf das Verhältnis des Sirachbuches zu den salomonischen Sprüchen vor, zeigt an mehreren Beispielen, dass Sirach kein skiavischer Nachahmer war and hin und wieder sogar humanere Gedanken ausgesprochen habe, im Gegensatze zu den salomonischen mehr universell gehaltenen Sätzen, dem Geist seiner Zeit gemäss die treue Anhänglichkeit an das Gesetz Und seine besonderen Bestimmungen an den Tag lege. In formeller Hinsicht zeigt Verfasser, dass Sirach theils den Parallelismus des Salomonischen Spruchbuches nachgeahmt, theils im Strophenbau bedeutende Fortschritte zeigt. Ih besonderen Abschnitten behandelt er dann die religiösen. politischen und gesellschaftlichen Zustände, wie sie das Sirachbuch reflectirt. Er bestreitet das Vorhandensein alexandrinischer Elemente und entwirft ein volles Bild 1. von den Religionsanschauungen des Verfassers über Gott, Willensfreiheit, die Leiden des Frommen und das Glück des Frevlers, die Ausgleichung der Ungerechtigkeit u. 8. w., 2. von seiner Sittenlehrje, 3. von seiner Darstellung der Priesterthätigkeit. Gerade hieran knüpft Verfasser die Betrachtung, dass Siracih in einer Zeit schreibe, in welcher das Priesterthum gefährdet war und dies weise auf die Zeit vor Antiochus hin, wo der Priesterstand käuflich zu werden in Gefahr war. Auch die gesellschaftlichen Zustande, wie sie Sirach aufweist, beleuchten die Zeit vor Aqtiochus und zeigen uns die Masse des Volkes in g4sunden Verhältnissen, auch eine kunstfreundlichb Anschauung bei dem Dichter. Die Ansichten, welche der jugendliche Disserent in seiner Schrift entwickelt, zeigen ein äeissiges Eingehen auf sein Thema, und einen freien, selbstständigen Forschungsstandpunkt. — Wir wünschen ihm eine weitere erfolgreiche, schriftstellerische Thätigkeit. 2. Die Bissel’sche Arbeit ist in englischer Sprache geschrieben und erörtert auf 86 Seiten das biblische Gesetz der Zufluchtstätte sowohl in der Absicht, dieses! selbst klarzustellen, als auch es mit den verwandten Einrichtungen bei den Griechen zu vergleichen, gana besonders aber um die Behauptungen moderner Bibel-; kritik in Beziehung auf Abfassungszeit des Pentateuchs zu beleuchten. Nachdem die Einleitung nachweist, dass die Behauptung von einer Uebertragung des Asylgesetzes־ aus Aegypten oder Babylonien, Assyrien oder L’ersien zu den Juden vollständig unerwiesen und an sich unglaublich ist. bleibt nur die Möglichkeit offen, dass das Asylgesetz von den Griechen oder Römern zu den Israeliten gedrungen sei — dass dem aber auch nicht so sei, wird durch eine vorausgehende Betrachtung des griechischen Asylrechts und eine darauffolgende Schilderung des israelitischen Asylgesetzes sowie durch eine Vergleichung beider gezeigt. Auf die Forschungen von Karl Friedrich Hermann,

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