Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-04-10 · No. 15-16. (10.4.1884) · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 15-16. (10.4.1884)
Date
1884-04-10
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492408-6488249-8756123--0369-4855733
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

gnng fast ein Jahr gedauert hatte, wurde der gefahrvoUe Streit dadurch beigelegt, dass Junker Ruprecht Seltin einen Urfehdebrief ausstellte, worin er seine Schuld bekannte, um Gnade bat und Besserung versprach; daraufhin wurde er aus dem Thurm entlassen, ▼on einer weiteren Bestrafung freigesprochen, und mit einem Weingelage, das die Stadt fL 7. 21'/, albus für Wein kostete, wurde die Aussöhnung gefeiert, woran sich die Ritter und der Rath von Od., sowie die anwesenden Rathsherren von Oppenheim betheiligten.“ Zwischen dem Junker von damals und dem von jetzt, liegen fünf Jahrhunderte des Fortschritts, der Aufklärung und Verbesserungen auf allen Gebieten; aber die Anschauungen und Gesinnungen des Junkers können immer noch nicht besser bezeichnet werden, als mit den bekannten׳Worten ״Alexanders* **) — Ja Bauer, das ist ganz was anders. D. Reinheimer. Juden in China. Herr v. Scherzer, der 1869 Mitglied einer österreichischen Gesandtschaft war, welche mit China und Japans Handelsverträge abschloss, veröffentlicht in der ״Deutschen Revue“ (Juli 83) einen ausführlichen Bericht) der auch einige uns näher angehende Zeilen enthält: ״Eines Tages brachte man mir eine sogenannte Gebetrolle*): die 5 Bücher Moses im Hebräischen auf Schaffelfe aufgeschrieben Das wunderliche, an mehreren Stehen stark beschädigte Manuscript stammt aus Kai-funz-fu, 400 Meilen nördlich von Peking, wo gen Anfang des elften Jahrhunderts unter r Sung - Dynastie von einer Anzahl aus Samarkand und Bhokar ausgewunderten jüdischen Handelsleuten eine kleine Kolonie gegründet wurde, welche jedoch allmählich in der chinesischen Bevölkerung vollkommen aufging.* ) In den lettres edifiantes et curieuses (Vol.HI. 149) findet sich eine interessante ausführliche hilderung dieser Ansiedlung von Pater Gosani, einem Portugiesen, welcher dieselbe im Jahre 1704 besuchte; desgleichen enthält das sehr werthvolle ״Chinese Repository (Vol. XX Jahrg. 1851, No. 7 p. 436) eine umständliche Beschreibung der Synagoge zu Kai-fungfu (nebst den hebr. Inschriften). Die beiden jungen Männer, welche mir das, von einem Rabbiner in Kai-fung-fa vor etwa 150 Jahren geschriebene Document zum Verkauf anboten, waren Abkömmlinge jener jüd. Colonisten, glichen aber mit ihren gebogenen Nasen, tiefliegenden, geraden Augen, oblongen Gesichtem und reichlichem Haarwuchs an Kinn und Backen weit mehr Muhamedanem als Chinesen, was wohl darin eine Erklärung finden mag, dass sie sich njehr mit den ersteren, als mit den letzteren zu vermischen Gelegenheit fanden. Sie bekannten sich zum Protestantismus, und obschon in der alten Jugendansfedlung lebend, ist ihnen doch jede Erinnerung an die Geschichte ihrer Vorfahren verloren gegangen. Wie ich später erfuhr, giebt es von dieser Schaffell - Edition der 5 Bücher Moses ׳überhaupt nur 13 Kopien, von denen 6 in England, 2 in Amerika und 1 in einer Moschee in Peking sich befinden, während das von mir erworbene Exemplar *) Das ist ein Irrthum des gelehrten Verfassers: Das ist eine Thorarolle, Gesetzrolle nnd nicht eine Gebetrolle. (Red.) **) Ans einer Inschrift, welche noch gegenwärtig an einer Wand der zum grössten Theile schon zerstörten Synagoge lesbar ist. geht hervor, dass die mosaische Religion bereits unter der Kan-Dynastie (200 vor bis 226 nach Chr.) m China Eingang fand, und dass die erste Synagoge im Jahre 1164 a. D. in Pien-liang&hin oder Kai-fnng-fa errichtet nnd 1296 daselbst neu «baut wurde. dermalen Eigenthum der k. k. Hofbibliothek in Wien ist. Das Schicksal der übrigen 3 blieb mir unbekannt“. Toleranz im Alterthum. Mehr noch für die heissblütigen Zeloten in unserer Mitte, als für die jede Belehrung und Bekehrung verschmähenden Feinde ä la Justus seien folgende Ent- Scheidungen des hochgelehrten und berühmten Erfurter Rabbiners Jacob Weil aus der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts in Erinnerung gebracht. In seinen Dinin we — Halachot No. 15 heisst es: Ascheri schreibt, dass die Nichtjuden (בוים) unserer Zeit keineswegs als ״Akum“ Götzendiener zu betrachten seien. Deswegen habe er auch den Wein, den der ״Yisirer“ (bei der Zollabfertigung) mit seinem Stabe durchgemischt hat, für Juden zu trinken erlaubt. Ibidem No. 28. Mir scheint es erlaubt, vor einem Deut8chhermmönche beim Grusse die Mütze vom Haupte zu nehmen, obwohl das Kleid der Deutschherm mit einem Kreuze versehen ist, da selbst Christen nicht das Kreuz, sondern die Person grüssen. So entschied auch der selige Rabbi Jizchak aus Oppenheim. Wahrhaft rührend und ein für jene Zeit kaum glaubliches Zartgefühl bekundend, ist die Entscheidung ibidem No. 37. Wenn Jemand einen neuen Pelz oder neue Schuhe anzieht, gratuliert man ihm nicht, wie zu anderen Kleidungsstücken, denn bevor jene angefertigt wurden, musste man ja Thiere tödten, die Schrift aber sagt: ״Gottes Barmherzigkeit waltet über alle seine Geschöpfe“. Das hörte ich aus dem Munde meines Verwandten Josef. Hätten solche Männer sich wohl gegen das Begraben todter Andersgläubiger auf einem israelitischen Friedhofe gesträubt? Bekanntlich giebt Maimonides die Erlaub niss hierzu mit Beziehung auf eben denselben Pstdmvers. Caro- Pilsen. Litteraturbericht, Recensionen. Schiiier-Szinessy, Dr. s. m. ... שיא' משירי התהלות כם הפי־ הארוך לרבנו דוד בן יוסף בן יצחק אבן קמחי. Gr. 8 0 130 S. Cambridge: Deighton, Bell et Co., Leipzig: F. A. Brockhaus. 1883. Der als Bibliograph und Exeget in der jüdischen Gelehrten weltrühmlichst bekannte, gelehrte Herausgeber hat mit der Edition des Commentars von R. David Kimchi über das erste Buch der Psalmen (Cp. 1 —41) seine Publikationen um eine treffliche Leistung bereichert. Uns liegt hier nicht die Aufgabe vor, an Kimchi’s Psalmencommentar als solchem Kritaik zu üben, uns kommt es hier wesentlich darauf an, die uns vorliegende neue Edition dieses Commentars auf ihren wahren Werth zu prüfen. Mit anerkennenswerther Gewissenhaftigkeit ist der Herausgeber za Werke gegangen und mit wissenschaftlicher Pietät war er erfolgreich bemüht, uns das eigentliche, unverfälschte Werk des Verf. vorzuführen. Nicht weniger als 19 Handschriften und viele ältere Ausgaben sind zur Feststellung des authentischen Textes auf das sorgsamste zu Rathe gezogen worden. In der Einleitung schildert der Herausgeber anschaulich, wie peinlich genau er unter Assistenz seines Schülers, des rühmlich bekannten D. H. W. Lowe, mehrere Wochen in Paris aus zehn Handschriften die Varianten zusammengestellt. In der That verräth auch dieser Commentar Kimchi’s

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.