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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-04-10 · No. 15-16. (10.4.1884) · p. Seite 62

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 15-16. (10.4.1884)
Date
1884-04-10
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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— 62 Stark, Blümer, Scbömami, Westermann, Wachsmuth, Schmidt u. s.»w. gestützt, erklärt er die Bedeutung des "Wortes äouXov als ״unverletzlich“, zeigt den Charakter des Asyls als Schutzort gegen jeden Angreifer, durch die Verehrung der Gottheit gesichert. Zuerst sei dieses Schutzrecht als Sevia (Hospitium) Säter als Upo^Evuc, dann als IxeaCa geübt worden. sr Stärkere schützte den, welcher seinen persönlichen Beistand anrief und that dies in Kraft eines von den Göttern abgeleiteten Rechts. Als der Staat die Verpflichtung übernahm, die Fremden zu schützen, bildete sich die Proxenia heraus, in der Boekh zwei besondere Arten unterscheidet und die einige Vergleichungspunkte mit dem modernen Consulate bietet Des Charakteristicum der Proxenia bildet wieder die Un- Verletzbarkeit und die privilegirte Stellung der ProxenoL Aus diesem Verhältnis entwickelte sich die 'Ixe-ceia, welche die Flehenden unter den directen Schutz der Götter stellte und später durch das Gesetz eingeschränkt werden musste, um nicht zum Verderben des Staates zu werden. Darauf wendet sich der Verfasser zur Darstellung des Asylrechts bei den Israeliten, bezeichnet die biblischen Stellen, in denen dasselbe bestimmt und erwähnt wird, die Ansichten der kritischen Schule Wellhausen, Smith und geht auf die Gründe der Kritiker näher ein. - Zunächst entkräftet er die kritische Behauptung von der stilistischen Verschiedenheit der biblischen Stellen in gründlicher Weise; dann widerlegt er Dillmanns Ansicht über die Asylgerechtigkeit des Altars und geht nun auf eine Vergleichung des Asyls bei den Griechen und des bei den Israeliten genau ein. In einer sehr sacbgemässen Erklärung der Bluträcherverpflichtung und der biblischen Auffassang über den Mord zeigt er, wie das israelitische Asyl den Missbrauch der Blutrache zu verhüten bestimmt war, und zeigt, das gerade das israelitische Asyl eine Autorität des Gesetzes zu sichern suchte, während bei den Griechen das Gesetz gerade gegen die Thätigkeit des Asyls sich richten musste. Er kommt zum Schluss zu den Thesen, dass die biblischen Berichte über Asylgesetze einander nicht widersprechen, sondern ergänzen. Daraus zieht Verfasset den Schlnss, dass die Bibelkritik grundlos auf die Asylgesetze die Hypothesen von der verschiedenen Äbfassungszeit der pantateuchischen Bücher aufgestellt habe und besonders die Ansicht über das späte Abfassen des Deuteronomium und das noch spätere_de»-11eviticu8 unhaltbar sei. Die Arbeit ist die Frucht eines grossen Fleisses, stützt sich auf eingehende Kenntnis der besten Werke über die griechischen Alterthümer und genaue Prüfung der biblischen Quellen. Ohne Eifer und Erxegung zeigt Verfasser in würdevoller Buhe und mit selbstständigem- Urtheil die Schwächen der kritischen Ansicht und bietet einen sehr schätzenswerthen Beitrag zur Klärung der Ansichten über das israelitische Gesetz und die Abfassung der biblischen Bücher. Wir wünschen ihm aufrichtig Glück zu dieser Erstlingsarbeft und hoffen, dass sein Eifer der biblischen Wissenschaft noch grosse Dienste leisten wird. Dr. Siegmund Maybaum. Die Entwickelung des israelitischen'Prophetenthums. Berlin. Ferd. Dümmler8׳ Verlagsbuchhandlung. 1883. Wie hat sich das israelitische Pfophetenthum entwickelt? Verfasser hat die traditionelle, durch die historischen Schriften der Bibel dargestellte Geschichte des Prophetenthums als unrichtig bezeichnet. Die Uranfänge desselben sind ihm in Dunkel gehüllt und fangen erst mit Samuel an historischen Charakter zu gewinnen. Die vorsamuelische Zeit war die heidnische Stufe des Prophetenthums. Gestalten wie die der Erzväter, Mose, Ahron u. 8. w. sind ihm alle unhistorisch und in ihrer biblischen Darstellung erst das Werk späterer prophetischer Dichtung. Die Propheten kannten entweder den Ursprung des Prophetenthums nicht oder rissen mit Bewusstsein den Faden prophetischer Entwickelung da ab, wo er auf den heidnischen Ausgangspunkt zurückfährte. In dieser vors am ue lischen Zeit waren die Propheten קסמים in ihren verschiedenen Arten als .ירעונים, חברים מכשפים, מנחשים, מעננים. Sie waren zugleich Priester und Wahrsager, trieben Bilderdienst und Zauberei wie die Priester bei allen anderen Völkern auch. Mit Samuel beginnt die Periode des Wahrsagens für die Gesammtheit, der Kampf gegen die bisherige Mantik, das Erwachen des Bewusstseins: das Volk eines Gottes zu sein. Aber selbst Samuel blieb noch Bilderverehrer, der Ephod und Theraphim als Orakelquelle benutzte. Mit Eiiah und Elisa wäre das Prophetenthum in eine neue Entwickelung getreten. Mit dem entschiedenen Kampfe gegen den Baal-Cultus wäre die Idee von dem einen Gott der ganzen Schöpfung nunmehr als neue aufgestellt und wäre darauf hingewiesen worden, dass dieser eine Schöpf ungsgott mit Israel zwar einen Bund, aber für alle Völker geschlossen hätte. Gegen den Aschera-Cultus hätten sie nicht geeifert, ebensowenig für den Bilderdienst. Dagegen hätte sich der bedeutsame Umschwung vollzogen, dass die wahren Propheten sich von der bisherigen Propheten schule lossagten und dieser treubleibenden, aber nunmehr falschen Propheten sich kämpfend gegenüberstellten. Erst mit Arnos und den anderen bekannten Propheten sei die Zeit gekommen, in welcherder Gedanke von dem ״ ,קדוש ישראלheiligen Gotte“, ausgesprochen wurde!, der entschiedene Kampf gegen alle Mantik und allen Bilderdienst, und gegen die. Uebertreibung und Ueberschätzung des Opferdienstes begann. Trotzdem hätten selbst diese Propheten den religiösen Synkretismus nicht ganz überwinden, da selbst Jeremiah heidnische Trauergebräuche als zulässig ansieht. Im Exile hörte das Prophetenthum auf, weil nunmehr alle die prophetischen Gedanken und Lehren in Gesetze, unter dem Namen תורת משה zusammengefasst wurden. Ist die Hypothese des Verfassers Wissenschaft'- lieh gegründet? Und welche, Beweise bringt er dafür? Um geschichtliches Dunkel autzuhellen auf dem Gebiete geistiger Entwickelung, muss man einen feinen psychologischen Blick haben, sowohl für die Eigenheit eines religiös gefesteten Charakters als auchfür die Quellen, aus denen die Kraft eines prophetischen Redner entspringt. Schlimm ist es jedoch, wenn die Augen durch tendenziöses Forschen getrübt werden. Man sieht der Maybaum’schen Arbeit auf jeder Seite das Bestreben an, die Propheten als Reformer, Männer des Fortschritts, in dem Sinne hinzustellen, dass sie ganz neue Ideen aussprechen, sich von dem Traditionellen lösten, und dieses als Lug bekämpften. Bisher hat man auch in den erleuchtetsten Kreisen des Judenthums geglaubt, dass zwar die reine Gottes- Verehrung fortwährend schwer bekämpft wurde und Israel Jahrhunderte dem Heidenthum anhing, dass aber von Abraham ab in einem kleinen Kreise die wahre Gottesidee gehütet, in der Wüste am Sinai^ feierlich vom Volke angenommen, und dann leider wieder, bald mit mehr, bald mit weniger Erfolg, in kleineren Kreisen wahrhaft gepflegt wurde, bis sie erst durch das Exil zur volksthümlichen und treubewährten sich erheben konnte. Man sah in diesem Kampfe die Propheten als eine Reihe von Männern

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