Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 27. (5.7.1882)
- Date
- 1882-07-05
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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m mit »bekannter Herr Bz. bespricht, _ 1m *öt? V04 of^äm Jtadea" ״ r_... . ,eines .dar (ewAbdtkfeen Kisstois- ’pempblete rn •Mn.' Der Kritiker sagf atra wArtllM»: ״Usd das wird unter dem Schilde eines j ü d i - t«kes Verfasser■ auegebotea! Ist das nicht die reim Baaerttfäagerei?* ״ Vetmblieh •aebe ich ein Wort, dhs ine zu dem obigen Cita<e berechtigt batte. Und doch, Prof. De■ Kteseh hat’s gesagt! Vor dem Gotte der Wahrheit, Herr Professor, dem wir Alle dienen, frage ich Sie: BnrAaa Sie dies sagen?. Der Aerger darüber, dass wir die Mission des Judenthums nicht als erloschen anseben, bat ein Gefühl des Hasses in Ihnen wachgeraffen, das Sie von dem Wege abgefohrt hat, den 8ie so lange ehrenvoll gegangen sind! Hier hat der Geist das Bösen qbgesiegt! Meine sonstige Verehrung Ihres Wissens erhofft, dass Sie dies einsehen and eingestehen werden. Besser aber damit noch immer nicht gat begründet, and nicht weniger angerecht, ist die Behauptung, wir bekämpften ״in blinder Leidenschaftlfcbkeft* Christus and das Christenthuni. Wir änerkennen Jesam nicht als Gottes Sohn, weder wie die mätdallerliehe Kirche, noch wie Ihre mystisch-rationalistiscfae Ansicht, noch wie andere Bichtangen ihn erfassen. Uns ist Jesas ein Jade, der des Jaden•/ thames Lehren den Heiden gebracht hat. Al/ לנייגי lassen wir Hm gelten — uns aber hat «r Nichts hinzugefügt and nichts genommen, dean nicht aafkaIfisea das Gesetz Mose's ist er gekommen. Doch Se kennen die Grundschriften Ihrer Religion zur Genage. Diesen Gegensatz zum christlichen Bekenntnisse mnsslen wir, wo es am Platze war, bekennen und damit der Wahrheit die Ehre geben. Diesen Ge• gensats scharf zu betonen, bat uns jedoch nicht minder gezwungen, die in •ttsslicher wie in harter Rede* weise an unsere angelehrten Glaubensgenosse□ sich waadende Missionsliteratur, welche die Pharisäer, den Talmud, ja auch die Bibel beschimpfte und erniedrigte Var langen Sie vielleicht, dass wir solches Anspeien aad solche Fusstritte mit lächelnder Miene.und unterthäaigem Danke hinnehmen, dafQr aber Gift und Galle in uns ansammeln sollen? Wir haben mit wissenschädlichem Ernste, mit der Ehrerbietung, die einem von Millionen heilig Gehaltenem ziemt, unsern öbweiebenden Standpunkt betont. Ist■ Ihre Religion 800ervbs geworden, dass sie keinen Widerspruch vertragen kann, daun mag sie am Jadeuthume lernen, wie mau seine Gesundheit wahrt trotz Druck und Ha*s, trotz 8pott and Hohn und Schimpf l Freilich 8je, Herr Protessor, sehen was 8ie fürchten! Ist ein getaufter Jude das Christenthum? Ist der Abfall von der Minorität aax Majorität nicht in den allermeisten Fällen ein Resaltai niedrigster Berechnungen? Und wenn wir’8 beklagen, dass auch edle, tief angelegte Naturen sich abgewendet haben von dem, was uns ״die Quelle des Lebens'‘ war und ist und sein wird — ist das eine Beschimpfung des Cbristenthumes? Doch nun die Forschung! Sie geben selbst zu, dass cbristl i׳c.h e Gelehrte Uber Jesus und Paulus in mner WeiseaufGrundihrerwisseaschuftlichen For* •chungea ia pietätlosester Weise gesprochen haben. Der Jude darfs nicht. Das ׳Exa^axs rufen Sie sofast, sobald Ihnea Unliebsames zum Vorschein kommt. Ist das die Freiheit der Wissenschaft, die Sie doch für sich in vollstem Maasse in Anspruch nehmen? (Solche Unflätereien, wie die amerikanische ״Deborah“ gebracht, werden ja selbst in Amerika eis Gemeinheiten empfanden. Aber was hat das mit der Wissenschaft rtiail ttaten wir;Msschäääjgunfinif den Parbaa v»nGeschiclue,׳Exesa thaar?) Entweder Sie verbieten dem Jade• jede gase e*fc wehte auf den Begrtnder des Chriüinthuases htteiten — Oder Sie müssen die •bweietielde jüdische Mrinang ertrügen. LAstereng leg all den Männern fern, Uber die Sie sich beklagen — von Gei• ger bis auf den 8chreiber dieses. Wie oberflächlich Ihr Verfahren, zeigt Ihnen auch, dass Sie leichthin Rabbiner Dr. B10 c h in Posen auf die Anklagebank setzen. Der Herr, der Dr. Würische'8 ״lebensfreudigen Jesas“ angeseigt, heis>t Dr. J. 8. Bloch, und ist in Oesterreich beamtet, der Posener Rabbiner ist Dr. Philipp Bloch. Freilich werfen-Sie diesem auch nur vor, dass er nicht mit ״Hingebung'‘ die Evangelien gelesen hat. Naturlieh, er hat ja Anderes heransgelesen, als Sie! Dann kommt Dr. Duschek au die Reihe — sein Verbrechen ist — man mag seine Anschauung theiien, oder, wie ich, als falsch halten —־' dass er Etwas von Rdnan citirt Da müssen Sie also, Herr Profes- •or, mit Rdaaa in's Gericht gelten 11 ad nicht mit dem ״Jüdischen Literaturblatt.“ ״Gerechtigkeit, Gerechtigkeit^strebe nach!“ ruft das Alte Testament. Wie wenig Sie berechtigt sind, dem Dr. Stier oder gar dem modernen Judenthum die Ansichten zu impatiren, die er in einem versteckten Midrasch ausgedrUckt sieht, sagt Ihnen neben manehern Anderen folgender*) Satz jenes Aufsatzes ״und werden jene Aussprache auch von jedem einsichtigsvollen und billig deckenden Cbristeo entschuldigt werden.“ Wo man für En tschatdigung plahfiri, macht man wahrlich sich nicht zum Mi tscbaidigenl Wenn Sie mein Wort: ״Seine Anerkennung ehrt uns, ״denn er ist unser“ ein schwerwiegendes neaaen, so than 8ie ihm zaviel Ehre an. Er sagt ja nichts Anderes,, als was Geiger und Graetz gesagt haben.“ Jesus hat des Judenthums Lehren den Heiden gebracht. Er war Jade. Verantworten Sie es, dass8ie ihn durchans in schroffen Gegensatz zu all dem stellen, was ihm heilig war. Das ״W iderspruchsrolle“ meiner Anzeige fällt, nicht mir, sondern den Evangelien zur Last. Ich hielt mich nicht berechtigt, Ihre heiligen Schriften in echte and aneohte au theiien, wie es christliche Forscher thun — dass ein einheitliches, aus einem Geiste hervorgehendes Gesammtbild aus dem Gesammtmaterial hervorgehen, kann — Credat Judaeus Apella! Sie haben, Hr. Professor, constatirt, was wir, was alle Christen längst wissen, dass wir an Jesum weder als Messias, noch als Gottessohn glauben, dass wir treu stehen zur Fahne des Judenthumes! Das mag Ihnen unlieb sein, aber das ist kein Grund — am wenigsten für einen Delitzsch — Uber Gehässigkeit und Listerang zu klagen. Weshalh suchen Sie die Kampfob jecte, weshalb das Aergernissbietende mit Licht ia der Ferne? Am hellen Tage treten Ihnen ungläubiger Materialismus, rohester Atheismus ia stets zunehmen• der Falle in Ihren eigenen Reihen entgegen. Da ist ein reiches Feld für'eine gesegnete Missionsthätigkeit — da wrrden Sie Gotteslästerung in allen ,Formen nicht erst mit kritischer 80nde und scharfer Lupe zu eruiren brauchen. Lassen Sie Israel in seinem Unglauben und roden Sie den Unglaubender Christen aus! Uns schrecken Sie nicht, wenn Sie unserer Hals* starrigkeit die Unmöglichkeit politischer Gleichheit zuschreiben Israel iBt's gewohnt zu dulden und zu leiden — und die untreu werden und za Ihnen kommen, sie mehren die Reihen der Ungläubigen, die ebensogut Mohammedaner oder Buddhisten sich nennen wUrden, wenn die Majorität aus solchen bestände! Weshalb das gewaltige ZUrnen? Der Hass und die Lage jubelt darob: Liebe and Wahrheit aber verhallen trauernd *) V04 der Redaction d. BL hintage fugten. (Red.)