Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 27. (5.7.1882)
- Date
- 1882-07-05
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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da» H*upt! O! Kehren 8ie zurück — und! prüfen Sie,; genjnht Lieht and Schatten, vertheilend, pb nicht ein unberechtigtes Verlangen anerfüllt Ihren «öäst so kla• reo! Blick getobt hat I Dann wird sich Ihnen, der Sie ja dahin strstan, Ihr ganae» Herz mit Liebe ן zu erfüllen, bewährenyttns Wort der Schrift (8pr. Sal. 24,13) ״de» Ver- schuldend Zugeatehen erweckt und läset emporblühen Lieh« and Erbarmen/ Coblenz. __■ Dr. Lewiu. Nachkommen von Frankisten in Warschau. Herr Ignatx Bernstein in Warschau ist ein ausge• zeiehneter Kenner der Sprichwörter-Literatur und seinrm Eifer für die jüdische Volksweisheit ist 68 gelungen, dreitausend jüdisch-deutsche Sprichwörter zu sammein, die er, wie ieh hoffe, der Oeffenillichkeit nicht ▼orenihalten wird. Mein Interesse für i Sprichwörter brachte mich mit diesem trefflichen Manne in briefliche Verbindung, und auf meine Anfrage, oh1 er mir nicht über die Nachkommen von Frankisten in Warschau Auskualt geben könne, antwortete er mir Folgendes: ״Alles, was ich ihnen bieten kann, sind einige, aas dem Privatleben der hiesigen Fr&njkisten herausgegriffene Details, die für Sie vielleicht von Interesse^- sind and deren Glaubwürdigkeit ich Ihnjen verbürgen kamt. ‘Es leben zur Zeit hierorts viele angesehene and zahlreiche Familien, die allgemein1 als Abkömmlinge von Frankisten bekannt sind und die, merkwürdigerweise, bis vbr Kurzem nreh, fast das ganze hiesige Barreau inne hatten. Vor 20 Jahren gehörte es noch zu den 8eltenheiten, hier einen Advokaten, Notar, etc. anzutreffen. der Dicht za Frankistisehen Familien gehört hätte. Ich nenne Ihnen als solche: die Brzczin'ski, Jasia'ski, Krjsia’ski (Abkömmlinge jenes Löb Krysü, welcher in der Geschiehte dieser Sekte eine bedeutende Rolle spielte); *ferner die Majewski, Pioirotmki, Wolowski (von Elisa Schorr), Zawadski, Zielinski u. v. A. Die meisten machen, oder machten früher wenigstens kein Hehl darum, dass sie von Juden abstanunen. Der vor 2 Jahren verstorbene Dominik (iielinski, einer unserer berühmtesten Rechtsanwälte, (derselbe, welcher in einem ״der heilige Herr“ überschijiebenen Artikel in der Gartenlaube 1869 durch die Initialen .,D ... k Z....1 angedeutet wird) erzählte jedjem der es hören ־wollte, dass seine sehr alt gewordene!1Grossinutter bis cm ihr Lebensende an gewissen jüdischen Sitten fest hielt und ihn selbst noch jeden Sonnabend zur traditionellen ״Kugel“ einlud. Ein anderer Frankist, der gelehrte Ober-Procurator Kantj Wolowski erklärte in öffentlicher Senats-Sitzung, als ein adeliger College auf seine jüdische Abstammung unzuspielin und sich darüber zu moquiren wagte, er sei stölz darauf, einer Familie anzugehören, die eine Reihe von gelehrten Rabbinern und den Verfasser des 1 תכטטטט zu ihren Mitgliedern zählt; er verdanke dieser Abstammung seine ungewöhnliche Begabang und blicke auf seinen adeligen Gegner, der gewiss von irgend einem! obscuren Raubritier abstaunult, mit Verachtung herlab. Wahrscheinlieh um ähnlichen Nergeleien seitens der ״wahreu“ Katholiken möglichst aus dem Wege j zu gehen, herrathetea die Frankisten unter sieb, uhd es wird von einem gewissen Roch Zawadzki erzählt, er habe einem echten Katholiken, der sich um die Hand seiner Tocliter bewarb, folgende Antwort gegeben!; ״ich habe nichts gegen dioh ansZusetzen, aber es wäre zum erstem Mal, da68 die Tochter eines Franki9tj!n sich mit‘ einem Kattiolikea verheirathet; ich erwarte! von dir, dass du meiner Tochter niemals ihre jüdische Abkunft vorwerfw» wirst. Öolite •ich mich aber hieran getäuscht haben, so sei einer Kugel vor den Kopf gewiss.“ — Dieses früher in ־Mod« gewesene Coqueltiren mit do«n Judentham, hat nun, ebenso wie die Heiratben unter einander, bei der jüngeren Generation aafjgebört und man kann ihr keine grössere Beleidigung süffigen, als. sie an ihre jüdische Abstammung za erinnern. Mm sagt, dass die Frankisten sich in'׳- gewissen religiösen Gebrüuehen ron den katholischen Christen unterscheiden. Worin aber dieser Unterschied besteht, kann ich ninhf angeben. Bei dieser Gelegenheit will ich Ihnen meine vor Jahren gemachte etymologische Erklärung des Wortes ״Mecbess* (00כ) mit welchem die Frankisten hier zu Lande von Jaden und Christen verfolgt und geneckt werden, mittheilen. Bekanntlich hat sich Jakob Frank von seinen Anhängern ״der heilige Herr“ oder 8״enor santo“ nennen lassen, welches letztere hebräisch und abgekürzt * durch O'O ausgedrückt wird. Nun glaube ich, das Wort ״Mechess“ bedeutet nichts Anderes, als die bei Juden so beliebte Abbreviatur von "מכת סניור סנטו“ also מכ״ס״“. indem ich diese interessante Notiz durch den. Druck verbreite, wünsche ich, dass noch Andere veranlasst werden mögen die Kenntnis» von den Nachkommen der Frankisten zu bereichern. Dr. Ad. J e 11 i n e k. Literaturbericht. Iwtiilww. Schwabaeher, Dr״ Stadtrabbiner in Odessa. Denkschrift über Entstehung und Charakter der in den südlichen Provinzen Russlands vorgefaileoen Unruhen. Auf Veranlassung Sr. Durchlaucht de» Hm. Regierungscommissärs, Senators etc. etc. Grafen Kutaisoff verfasst. Stuttgart. Verlag von Lerj und Müller 1882. (Reinertrag zum Besten der üQthleidenden russischen Israeliten. Preis 40 Pfennige.)! Die moderne Judenhetze ist *in der That eine Tagesfrage, leider in Russland besonders eine brennende geworden. Die Prosemitenand Antisemiten Literatur der letzten Jahre hat schon einen stattlichen Umfang gewonnen, das heisst stattlich in Bezug auf die Massenhaftigkeii der Broschüren und Flugschriften; aber sie hat nun auch einen staatlichen Umfang gewonnen, denn sie ist in Russland allerdings zu einer für die Gesetzgebung wichtigen politischen Frage geworden. Die europäischen Staaten haben den legislatorischen Kampf^durchgemacht, die Emancipation ist Gesetz, es kann nur möglich sein, dass sie nicht überall and nicht in allen Stücken treu gehandhabt wird. Oie deutsche Judenhetze wird, so hoffen wir, diese Emoncipation nur befestigen. Aber Russland leot noch im Kampfe. Er hält noch bisher an der mittelalterlichen Tradition fest, die Juden als Schützlinge des Kaisers aber nicht als Bürger des Staates zu betrachten.. Nun die Schützlinge bleiben Fremde, die Bürger werden Brüder. Die Schützlinge sind den Wogen der politischen Strömung anheimgegeben, den Bürger schützt die Achtung vor dem Gesetze. Darum kanu auch (Jawissenheit, Bosheit mit den Schützlingen leicht experiiuenr tiren, die Bürger schützt das Gesetz und sie achten das Gesetz. Das sagt der geistreiche Rabbiner mit solcher Beredtsamkeit, solchem Wissen, solcher Weisheit und solchem feinen Witze, dass man mit lateresse das Uber Russland liest, was man ebensogat über die Judenhetze in jedem andereaLande geschrieben erwar- * ten könnte. Unter solchen Gräueln auf so hoch idemlen Standpunkt zu stehen, Angesichts von Mord und Plünderung selbst noch ein verteidigendes, verzeihen-