Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 229)
- Language
- German
- Belongs to
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ehcn traf, etwas, erwerben. Die Briefe von Lord Die find im Autograpjienhandel nicht verharrten, \lni\ Beaconsfield und Rahel v.Varnhagen zu je einem engl. Pfund waren zu jener Zeit meine teuerflen, meine Aüsnahmeftüekc. An ganz teueren, wie Heinrich Heine, Mofes Mcndclsfohn und dergleichen, mußte damals in den Katalogen mein Blick mit fehnfüchtiger Wehmut vorbeiziehen-.-~; ~ . ■ Gleichzeitig begann das dauernde Suchen und Fragen: ein Rabbiner oder dergleichen diefer Sphäre wird eine Bitte „für das Album"nicht verliehen. Da war ich ganz auf das Suchen fozufa^envon Haus zu Haus angewiefen; vagem Hörenfagen nachfpürend und Erfolge dem Zufall verdankend. Damit habe ich eigentlich erft nach dem Kriege begonnen.-Und-mußte, wie geßgt, betreffs Welche von den Trägern der unzähligen Namen in den Katalogen find jüdifcher Abfhmmung und welche find bedeutend genug, um in die.Sammlung aufgenotnmert zu werden. Dabei war "n,i h'" fern von je- -rrrähferige, undankbare Arbeit, von unglaublich gcder Öftler gleich von Anfang mit dem individuellen Suchen bei Privaten und dergleichen da beginnen, wohin ich bei den Weftlern erft nach einer gewiflen Sättigungsperiode gelangt war. Das ift eine unendlich der Bibliothek, fern von WifTenden und nur mit wenigen, primitiven -Nachfchlagebücherix jrerlehen: ,__- Die Sammlung war bereits auf etwa 120 Stücke angewachfen, als im Jahre ioco etwas Schreckliches gefchah: unfer Haus verbrannte und mit ihm die ganze ■Sammhirig, 'tiv 1 v*h mit1 ilvi Erfahrung 'les grünen Jungen natürlich auf dem Dachboden aufbewahrt hatte. Das war ein großer Schlag. Aber ich gab's nicht auf. Begann von neuem und mit verzehnfachtem Eifer, hatte bald den Verluft eingebracht und kam noch darüber weit hinaus, wenn auch vereinzelte Stücke bis heute noch nicht erfetzt werden konnten. Die Sammlung hatte bereits die Zahl von fwi Nummern erreicht, da gefchah wieder etwas Schreckliches: der Weltkrieg brach aus. Die Ruften drangen gleich in unfer, unweit der Grenze gelegenes-Dorf, das ganze Innere unferes Haufcs wurde zcrl meine Sammlung hatte ich drei Tage vor der Invafion einem Flüchtenden nach Wien mitgegeben. In den Jahren des Krieges konnte ich nur feiten etwas erwerben. Erft als erjuu^ehört hatte,_ begann der fyftematifche Erwerb"1 weiter. fr. Bisher hatte ich in meiner Sammlung Schriftftücke von faft nur weltlichen, d. h. litcrarifchcn, wiflenfchaftlichen, künftlerifchcn Größen, nicht aber von öftlichen, die naturgr™^ iihpri^w»grnH .zur Kategorie^ der Rabbiner, Zaddikim, Talmudgelehrten oder der hebräifchen und jüdifchen Dichter, Forfcher und dergleichen gehören. Jene Weltlichen nun konnte ich durch Kauf bei Händlern erreichen oder, einen kleinen Teil der Lebenden zumindeft, durch direkte Bitten. Anders die Örtlichen. ringem Ertrage bei allen Kategorien und befonder-sbei den Örtlichen. Weil Briefe von großen Perfönlichkeiten des Oftens an fich recht feiten find. Empfänger von Zufchriften Cremieux oder Börnes wohnten in Paris, Berlin oder in einem andern Orte des zivilifierten, fichern Weftens und ließen diefe Zufchriften in Ruhe Snhn und F^V»! -....»,.1^ AI* »Kn..fc.l1. fjffaet und unbehelligt dahinlebten. Anders die Empfänger der Briefe vom WilnaerGaon oder Rabbi Akiba Eger.- Wie vielen Pogromen, Uberfällen, verheerenden Feuersbrünften und Kriegsereigniflen waren in den letzten 100 Jahren die Befitzer diefer Briefe im Often ausgesetzt. Außerdem wußte die Familie, an die beifpielsweife Mendelsfohn-Bartholdy oiler^eyerbeerTchrieb, der praktifchen Aufbewahrung diefer Briefe entfprechendc Sorgfalt zu widmen. Die Sitte des Adreflaten eines Briefes von Rabbi Me'frl PrimifchlanexJifiß-ihn das Schreiben zwifchen den Blättern eines Talmudtraktats, als ein Heiliges zwifchen Heiligem, aufheben, von wo es ein Kind—v^ie ich es von vielen Fällen tatfächlich weiß - hinausfehaffte und zerriß oder dergleichen. [Derlei Briefe kommen meift zu mir auch, Gegenfafze zu *den Weltlichen, in einem fchrecklich defekten Zuftandc und es koftet viel leidige Mühe, fie zufammenzukleben, herzurichten.] Oder es waren z. B. die Väter des Sozialismus in der hebräifchen und jüdifchen Literatur, Aron Freemann, Libermann und Dr. Jizchak Kaminer, ihren Zeitgenoflen nicht bedeutend genug, daß fie deren Briefe aufbewahrt hatten; fie mußten wohl auch aus polizeilichen Rückfichten vernichtet werden. Und gerade wegen ihrer Seltenheitgehören die Briefe diefer beiden, auch an fich.nicht kleinen Menfchen, zu den wertvollften der Sammlung. Dazu kommt, daß der Brief des Gaon oder Zaddik