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Soncino-Blätter · 1925-01-01 · I. Band 1925-1926 · p. Seite 209

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Journal
Soncino-Blätter
Volume
I. Band 1925-1926
Date
1925-01-01
Page
Seite 209 (sequence 228)
Language
German
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EINE SAMMLUNG VON AUTOGRAPHEN UND PORTRÄTS JÜDISCHER PERSÖNLICHKEITEN VON DR. AWR AH AM SCHWADRON, ZLOCZOW (POLEN) Als ich fechzehn Jahre alt war, las ich die „Gefchichte des Erziehungswefens und der Kultur der abendländifchen Juden" von Güdemann. Eine Stelle eines alten hphräifrhpn Dokuments Tconntc derVerfafTer nur mit Mühe deuten und fügte der Deutung ein Fragezeichen hpi. Ich fand pinp anrlprp; piflnnilnrn PCBtettBgj »riltc de dem Autor mit und erhielt_von ihm die Antwort, daß meine Auffaflimg richtig fei und des Fragezeichens nicht bedüife. - Das war der Anfang meiner Sammlung von Autographen. Am Anfang war bloß das ftqfühi des -Stolzes dabei: der Sechzehnjährige aus dem öftlichen Krähwinkel korrigiert den alterf,-grbßen belehrten in Wien und hat foga'r einen Brief von ihm, der das beftätigt! - Ich - hatte damals natürlich noch kein Maß für Größe; ein Oberrabbiner tler Refidenzftadt Wien mußte mir als der Großen Größter erfcheinen. Aus fachlichen Motiven fchrieb ich um dicfelbe Zeit auch'an einige andere hervorragende Männer, deren Namen mir aus ihren Werken bekannt waren, und erhielt auch von diefen Antworten. Diefe Briefe waren mein forgfam gehüteter Schatz. Bald intereffierte es mich begreiflicherweife auch, wiefiefchrieben:wie großeMenfchen fchreiben! Und kam mir einmal ein Porträt der von mir mit ferner Liebe Bewunderten vor Augen, ft> bohrten lieh meine forfchenden Gedanken in das Geficht: wo da die Größe ruhen mag? Und ich kaufte mir hie und da ein folches Porträt: einen fehr billigen Stahlftich, eine Photographie, einen Lichtdruck und dergleichen. Zufällig, recht feiten, bei irgendeinem Antiquar. Denn, was wußte ich damals im weltfernen Ort von Porträtverlagen und Porträthändlern?.-Das war derAn-_ ja»g meiner Porträtlammlung, die heute Uber6soStücke umfaßt. Staatsbibliothek und das Britifehc Mufcum Autogiaphenfammlungen befitzen, das Gcrmanifche Mufcum in Nürnberg Brieff hpriihmtpr Mpuffi-hnn limmln ■ Und als ich fchließlich mit neunzehn Jahren im Lema berger nationalpolnifehenOflolinskimufcumBricfc' und Puiliäis berühmter-Polen ausgcitciit Iah, da kam mir der Gedanke: Du mußt Ahnliches für das jüdifchc Volk anlegen! Ich war etwas früher Zibnift geworden. „Nation" und „für die jüdifchc Nation" wurden mir heilige Lofungen. Aber vom jetzigen Bezalel-Mufcum war damals, im Jahre 1898, noch kein Anfang; dan Ideal eines Jüdifchen Nationalmufeuins war mehr als, lern, und da wir eben, dachte ich, ein folches Inflitut, das Autographen und Porträts berühmter Juden fammeln würde, nicht haben-ergo, muß ich es fchaffen! Ich fürchtete zu fehr die Lächerlichkeit, als daß ich damals zu irgendeinem Menfchen von diefem fomnambulen Ideale gefprochen hätte. Abgcfchcn davon, daß in meinen Krcifen eine Autographen- und l'ortätfammlung als eine alberne Skurilität und nicht als Ideal angefehen worden wäre. Aber felber ging ich mitheißer, fanatifcher Energie an die Arbeit. Taflend, ohne Ei - fahrung und Führung. Zunächll wandte ich mich an verfchiedene jüdifchc Größen mit der Bitte um eine Unterfchrift „für mein Album". Wieviel Mühe koflctc es, bis ich die Adreffen fand! Und fand ich fie, fo war der Ertrag ganz kärglich. Und gerade bei den wirklich Großen erft recht. Bald las ich in der Zeitung von Autographcn-Auktionen und Autographen-Händlcrn, begann mit Eifer, Kataloge zu beziehen und für mein fehr karges Tafchengeld einzukaufen. Ich mnflte mich darauf hrfi-hränken, Zwei bis drei Jahre fpäter begegnete ich in der Lektüre dem Begriff des Autographen: daß die Parifer die Autographen der Kleinftcn und Kleinen ejamhaia dein; von 50 Pfennigen bis 2 Mark das Stück. Vier bis fünf Mark perBriefwarcn fchon ungewöhnlich hohe Ausgaben und ich konnte darum von den Großen nur gelegentlich, wenn fich ein befonders -billiges,_¥K£iL natürlich unanfehnliches, oft fragmentarifches Stück-

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