Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 10 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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15. JhrgyNr. 10 Jod. Gemrindeblatt f. d. Synag.-Gem. ln Preußen/Norddeuts&land 1* kann. Durch die Lösung einer schwierigen Frage, über die in den damaligen rabbinischen Kreisen eine lebhafte Diskussion geführt wurde, setzte er seine Lehrer in Erstaunen, und als der Dreizehnjährige an der Talmudschule zu sei- Rabbi Abba Eger Fot.Sonn*nf«id {Noch «intm zeitgenössischen Stielt) nem Onkel Wolf Eger nach Breslau kommt, wird er von diesem dem Kreise der zahlreiche? Schüler vorgestellt: „Hier empfehle ich Euch einen jungen Mann, der mich in dringlichen Verhältnissen im Lehramt vertreten wird.“ Mirkiscli-Friedland gewirkt, und wenn auch, seine Schäler zahl nicht so groß war wie zu seiner Lissaer Zeit, so wurde doch das bisher in der tahnudischen Welt kaum genannte, geschweige bekannte Friedland bald zu einem Platze, dessen Talmudschule mit der in Prag wetteifern konnte. In diese Zeit fällt ein Ereignis, das von dem großen Ansehen Akiba Elgers im Osten zeugt. Als Napoleon auf der Höhe seiner Macht das Herzogtum Warschau schuf, sandten die Juden eine Deputation nach der Regierungshauptstadt, um mit den Behörden zu verhandeln. Die beiden polnischen Großgemeinden Posen und Lissa wählten zu ihrem Vertreter R. Akiba Eger. —Daß er, der erbitterte Gegner des zu dieser Zeit aufstrebenden jüdischen Reformismus, für die politischen Emanzipationsbestrebungen der Zeit Verständnis hatte, zeigt sich darin, daß er, was damals vielfaches Erstaunen hervorrief, für die Abschaffung der Rekrutengelder (und damit für den Heeresdienst der Juden) und ebenso für den Wegfall der Trauschein- und Handlungsgelder sich einsetzte. Im Jahre 1806 war der Rabbinersitz der Großgemeinde Posen freigeworden — aber es dauerte infolge der politischen Wirren acht Jahre, ehe der Posten neu besetzt werden konnte. Endlich 1815 kann nach der durch die Regierung erfolgten Bestätigung der „Raw“ seinen Einzug halten. Das 22jährige Schaffen und Wirken Akiba Egers in Posen ist von reichstem Segen für die Gemeinde geworden. Stärker als bisher konnte der neue Rabbiner hier seinen Sinn und seine Liebe für die Werke der Wohltätigkeit verwirklichen. Auf Grund der Hinterlassenschaft eines reichen jüdischen Posener Bürgers wird das jüdische Krankenhaus an Stelle des einige Jahre vorher abgebrannten errichtet und seine Leitung nach dem Wunsche des Stifters Akiba Eger übertragen. An das Krankenhaus wird ein Beth-Hamidrasch angeacMowen, an«-dem er seine Lehi^fttigkeit ausüben kann — und trotz mancher Kämpfe, mancher Widerstände innerhalb der Gemeinde — erwirbt er sich von Jahr zu Jahr mehr die Liebe, die Verehrung und die Anhänglichkeit aller Gemeindemitglieder. Die Lauterkeit und Reinheit seines Charakters, seine fast demutvolle - Bescheidenheit, sie überstrahlen noch den Glanz, der von dem Rufe seiner Gelehrsamkeit ausgehen. Mit heldenhafter Aufopferung, ohne Schonung seiner eigenen Person, hat Akiba Eger sich während der schweren Cholera-Epidemie im Jahre 1891 als Mann erwiesen, für den das Talmudwort gilt: „Nicht die Stelle ehrt den Menschen, sondern der Mensch ehrt seine Stelle.“ Wie diese seine Tätigkeit auch von amtlichen Stellen anerkannt wurde, geht aus einer Kabinettsorder des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen an den Posener Oberpräsidenten Flottwell hervor, in der der König den Oberpräsidenten beauftragt,. „dem Oberrabbiner Jakob Moser Eger Mein Wohlwollen und Meine Zufriedenheit mit dem von ihm und der Judenschaft in der Stadt Posen beobachteten nachahmenswerten Verfahren auszudrücken.“ (ä. September 1831.) Als Akiba Eger am 12. Oktober 1837 starb, war nicht nur über seine Gemeinde in Posen tiefe Trauer verbreitet. Weiteste Kreise innerhalb der gesamten Judenschaft empfanden seinen Tod als einen persönlichen Verlust. Der „Posener Raw“ — das war mehr gewesen als nur der Rabbiner einer Gemeinde im Osten Deutschlands, das war mehr als ein Stück jüdischer Wissenschaft und Talmudgelehrsamkeit —, das war einer, an den man dachte, wenn man das Wort hörte:- „Auf drei Säulen steht die Welt: Auf der Gotteslehre, auf dem Gottesdienste und auf der Nächstenliebe.“ Ernst Fraenkel. Warum Hebräisch.? Von Hans Singer Der junge Talmudgelehrte kommt nach Lissa. Sein Schwiegervater, der reiche Kaufmann Margulies, kann ihm die Mittel zum sorgenfreien Lernen und Lehren zur Verfügung stellen. Die Jeschiwah, die Akiba Eger in dem damals noch zu Polen gehörigen Städtchen — 1780 hat es noch 4000 jüdische Seelen! — errichtet, wird bald ein Mittelpunkt jüdischer Talmudforschung im Osten, zu dem zahlreiche Baclinrim strömen, um dort zu den Füßen des jungen Meisters zu „lernen“ Tief im Überkommenen wurzelnd, entwickelt doch der junge Rabbi eine neue eigenartige Lehrmethode. Zehn Jahre kann er in Lissa im Kreise seiner Familie, umgeben von begeisterten Schülern, das stille Glück des Forschers, Lehrers und Freundes genießen. Da trifft ihn und die Seinen ein schwerer Scfaicksalsschlag. Eine furchtbare Feuersbrunst vernichtet Lissa zum größten Teil — der reiche Margnlies ist ein armer Mann geworden! Akiba Eger muß suchen, selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Da ist es für ihn, trotz aller Abneigung, die er gegen das Rabbineramt hat, ein Glück, daß ihn die ihm bis dahin völlig unbekannte westpreußische Gemeinde Märkisch-Friedland unter einer großen Anzahl Kandidaten zum Rabbiner wählt. Von 1791 bis 1815 bat Akiba Eger in Jeder Mensch lernt eine Sprache, Verwender sie täglich und stündlich, fast all sein Denken und Handeln ist vom Sprachgebrauch begleitet, aber den wenigsten wird die Sprache zum Anlaß des Nachdenkens, geschweige denn zum Gegenstand ernsterer Beschäftigung. Auf die Frage, wozu die Sprache dem Maischen diene, wird man fast stets die Antwort erhalten, sie sei ein Mittel der Verständigung innerhalb der Sprachgemeinschaft. Wir haben so häufig Gelegenheit, die Sprache in dieser Verwendung als Mittel zum Austausch der Gedanken zu sehen, daß daran kein Zweifel möglich ist. Trotzdem ist darin die Aufgabe der Sprache keineswegs erschöpft. Denn Verständigung ist überall dort und nur dort möglich, wo die gleichen Inhalte des Gesprochenen durch gleiche Zeichen ausgedrückt und auch aufgefaßt werden. Deshalb -gehört es zum Wesen der Sprache, daß in ihr darüber hinaus eine Fülle von Inhalten festgehalten ist, in denen alle Erfahrungen der diese gemeinsame Sprache sprechenden -Menschen ihren Niederschlag gefunden haben« Was sich bei der Auseinandersetzung vieler Geschlechter mit der Welt der Natur und des Geistes ergeben hat, das liegt hier vor, nicht als „Wissenschaft“, sondern als lebendiger Sprachbcsiti, aus dem heraus eine ganze Sprachgemeinschaft erlebt. denkt, handelt' und weiterarbeitet. Lückenlos und ohne Unterbrechung überspannt die Sprache Raum und Zeit und faßt dadurch zusammen, was von Millionen in Jahrtausenden an Bleibendem geschaffen wurde. Mit und in ihr ist eine durch die jeweiligen Träger bestimmte Art, die Welt und ihre Erscheinungen zu sehen, niedergelegt. So offenbart sich in der Sprache das Weltbild einer Gemeinschaft, wie es sich im Laufe der Geschichte herausgestellt hat. Jeder Mensch, der in eine Sprache hineinwächst, muß sich deren Art, die Welt, zu begreifen, aneignen. Hand in Hand mit der Erlernung der äußeren Sprachmittel geht deshalb die Erlernung der richtigen Verwendung dieser Sprachmittel. Dies bedeutet aber nichts anderes, als daß aus der gleichen Sprache, aus der die lautlichen Sprachmittel stammen, auch bestimmte Inhalte, Begriffe und Denkformen übernommen und im Bewußtsein des Einzelmenschen aufgebaut werden. So verarbeiten alle Angehörigen einer Sprachgemeinschaft ihre Erlebnisse gemäß der Weltauffassung ihrer Muttersprache und denken und handeln entsprechend. Jeder nen in die Sprachgemeinschaft Eintretende baut auf einem Erbe auf, das seine Gemeinschaft ihm übermittelt und ihn Welteaweit hinausträgt über das, was er, auf sich allein gestellt, ’ jm