Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 10 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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FÜR DU SYMAOOOIN -^GEMEINDEN IN PREUSSIN UND NORDDEUTSCHLAND Angemeldet beim Sonderbeauftragten des RelduminiatersiOrVoikmafklärung and Propaganda betr. Überwachung der geistig und knuurell tätigen Joden te deutschen Rekbagebiet. Nr. 10 Berlin/1. Oktober 1937 15. Jahrgang Herausgeber: Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden An die Judenheit Deutschlands! Das neue jüdische Jahr hat vor kurzem begonnen. Mit ihm ist uns die Aufgabe, die Jüdische Winterhilfe innerhalb unserer Gemeinschaft durch* zuführen, aufs neue gestellt worden. Im letzten Jahr konnten wir fast 82000Menschen vor Not und Bedrängnis bewahren. In den größeren Gemeinden war jeder fünfte Jude hilfsbedürftig, in den kleineren Gemeinden brauchte schon -jeder vierte unsere Hilfe. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung ist im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20000Menschen, die Zahl der Hilfsbedürftigen aber nur um knapp 1000 gesunken-. Das aber heißt Zunahme der Not, Anwachsen des Anteils derHilfsbedürftigen. Seit Abschluß der letzten Aktion für die Jüdische Winterhilfe hat die Zahl der Opferfähigen unter uns sich wieder um Tausende vermindert. Wir müßten an unserer Aufgabe verzweifeln, wüßten wir nicht, daß die Zurückbleibenden sich audi dem erhöhten Anspruch nicht entziehen werden. Armer sind wir geworden, doch wir haben immer erfahren, daß unser Besitz uns nur dann ein Segen sein kann, wenn er auch anderen zum Segen wird. Wir rufen die Judenheit Deutschlands auf, die Jüdische Winterhilfe, in der jeder an seiner Stelle seine Pflicht erfüllt, zu einem lebendigen, schützenden Walle zu machen gegen die Not des Winters. Der Posener Raw Zum 100. Todestage Rabbi Akiba Egers Besser und eindringlicher als Biographien und literarische Würdigungen es vermögen, kennzeichnen volkstümlich gewordene Erzählungen Wesen und Eigenart bedeutender Menschen. Um die „vom Farbenzauber der Sage umflossene Gestalt“ des Rabbi Akiba Eger ranken sich viele Geschichten und Legenden. Eine davon berichtet: „Behufs Vollziehung eines rituellen Aktes mußte Akiba Eger während der Dauer einer langen kalten Winternacht im Wagen über Land fahren. Der Boden war infolge häufiger Regengüsse fast unbefahrbar. Um der Gefahr des Umstürzens vorzubeugen, ging der Kutscher bis über die Knie in der Nässe neben dem Wagen einher. Als er endlich den Wagen bestieg, reichte ihm der Rabbi ein Paar Stiefel mit. den Worten: .Lege doch diese Fußbekleidung an, da deine gewiß kalt und durchnäßt ist.“ Mit eintretender Tageshelle bemerkte dann der Kutscher zu seinem größten Erstaunen, daß der Rabbi im Wagen-barfuß saß.' Er hatte dem Kutscher seine eigenen Stiefel gegeben.“ Das war Akiba Egeri Der Mann, in dessen Wesen es lag, Wort und Wille im Wirken zusammenktingen zu lassen! Der Mann, dessen Andenken heute‘noch lebendig ist im „Generationengedächtnis“. Es ist ein sichtbares Zeichen dieses Gedächtnisses« daß jetzt, 100 Jahre nach seinem Tode, wieder Juden allerorts seiner gedenken, daß in jüdischen Schulen das Bild des „letzten Gaon in Deutschland“ vor den Augen einer jungen Generation entstehen wird, die vielleicht mit anderen Gedanken und mit neuen Fragen und Zielen, als es damals der Fall war, dem jüdischen Leben gegenübersteht, die sich aber sicherlich nicht dem Zauber wird entziehen können, den stets Größe und Reinheit der Gesinnung ausüben werden.' . Als im Jahre-1819 David Friediänder, der bekannte Berliner Aufklärer, sein von amtlicher Stelle eingefordertes Gutachten «Über <fie Verbesserung der Israeliten im Königreich Polen“ abgab, in dem er trotz seiner leidenschaftlichen Gegnerschaft gegen den tdteodischen Rabbinismus die Unbestechlichkeit und unanfechtbare Moral dpr Talmudisten rühmte, da mag er vieiieidH bei der Abfassung dieses Werturteils an den Mann gedacht haben, Relehsvertretaag der Jaden ln Deutschland Vorstand der JBdisehen Gemeinde su Berti* Verbild Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Oberrat der Israeliten Badens Sächsischer Israelitischer Geasetadeverbaud Oberraf der Israelitischen Reiigionsgemelasehaft Wftrtteasbergs LaadesverMade der israelitischen Rellgloasgemetndaa Hessens Laadesorgaalsatloa der Agadas JIsrael In Deutschland Allgemeiner Rabbiner-Verband ln Deutschland JfldJseher Ceatral-Verela der vier Jahre vorher von der Posener Gemeinde zu ihrem Leiter und geistigen Führer gewählt worden war: Rabbi Akiba Eger. Weit über die Grenzen seines Wirkungsbereiches, über Deutschland und Europa hinaus bis naeb-Tiflu in Arien Und Tanger in Afrika drangen die Strahlen seines Ruhmes. Es würde vermessen sein, zu versuchen, im Rahmen dieses Aufsatzes das wissenschaftliche Werk eines Mannes aufzuzeichnen, von dem allein gegen 1000 Rechtsgutacbten, von Gemeinden und Gelehrten aus aller Welt angefordert, vorliegen. Nur von der Gesamtpersönlichkeit des „RaW von Posen“ PreaBiaeher Laadesverbaud Jüdischer Geatetnden Jüdischer Fraaeahaad Reichs* asaehuB der JBdiseheaJageadverhflade Rriehsbund jüdischer Froatsoldatea Relehsverbaad der Jüdische* KultuiMade ia Deutscbiaad Relehsverbaad der jüdischen Lehrerveretue Vereinigung füs dm reügMo-Uberale Jndea- Vertretuug der na abhängigen JBdisehen Orthodoxie Deutschlands Zentratrerhaad jfidiaeher Handwerker Deutschlands Zionistische Vereinigung für Deutschland sei hier ein Bild gegeben, wie es rieh auf geschichtlichem Hintergründe abhebt. Von dem schön gelegenen, von Weinbergen umgebenen Eisenstadt in Ungarn, wo Akiba Eger am 8, November 1761 (11. Gheschwan 6522) geboren wurde, führt sein Lebensweg über die Zeit der Ausbildung in Mattersdorf und Breslau nach den Stätten seiner Wirksamkeit in Lissa, Märkisch-Friedland und zuletzt in Posen. Mit „einer wohl vertünchten Kalkgrube, die keinen Tropfen Wasser durehläßtCC«rird schon, das Gedächtnis des Knaben verglichen, der väterficher¬ und mütterlicherseits auf eine lange Rcijm von berühmten Gelehrten turückbUcken