Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 1 (1.1.1936) inkl. Mitteilungen der Synagogen-Gemeinde zu Stettin und Pommerns
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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außer am Sonntag auch am Sabbath schließen, eine große Erleichterung eintritt. Eine erfreuliche Entwicklung nehmen, wie vorauszusehen war, die Dinge in Griechenland. Der wiedergekehrte König hat nicht nur unter den vielen Abordnungen, die ihn zu begrüßen kamen, auch eine solche der griechischen Juden empfangen, sondern er hat auch eine überaus herzliche Grußbotschaft an alle Juden seines Landes gerichtet. In den Synagogen fanden aus Anlaß der Wiederkehr des Königs Festgottesdienste statt, über die die Tagespresse mit Genugtuung berichtet, und den jüdischen Gemeinden ist staatliche Unterstützung der jüdischen . Kultur- und Sozialarbeit zugesagt worden, was für die gerade jetzt angestrebte Bildung eines Verbandes der jüdischen Gemeinden Griechenlands überaus wichtig sein -dürfte. — Auch aus Italien liegen Nachrichten über das gute Verhältnis zwischen dem Staat und der jüdischen Bevölkerung vor. Der Kronprinz hat den Oberrabbiner von Turin in herzlichster Weise empfangen; der Vorsitzende des italienischen Keren Hajessod, Güiseppe Sinigaglia, hat durch Ernennung zum Ritter des Ordens der Krone von Italien eine allerhöchste Auszeichnung erhalten, und der Oberrabbiner von Rom, "Dr. Aldo Lattos, wurde in Begleitung mehrerer Mitglieder des rabbinischen Rates vom Generalsekretär der faschistischen Partei empfangen, als er den goldenen Schlüssel zum Thoraschrein der Synagoge von Rom — zum Zeichen der Opferbereitschaft der italienischen Juden für ihr Vaterland — ablieferte. — Noch von einem anderen Ereignis ist zu berichten, das die Verbundenheit der. Juden mit ihrem Vaterland bezeugt; diesmal auf geistigem Gebiet:, in England hat das Komitee für die Feier . des 50. Todestages von Moses Montefiore beschlossen, an der Jerusalemer Universität einen Montefiore- Lehrstuhl für englische' Sprache, Geschichte, Literatur und Kultur zu schaffen. — In Palästina selbst steht die Schaffung des seit Jahren diskutierten Legislative Council im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses; zur Zeit da diese Zeilen in Druck gehen, heißt es, daß die Verkündung des Legislative Council für den 21. Dezember erwartet wird. Man sieht, auch in Palästina treibt die Entwicklung vorwärts, die — ob in den Einzelheiten schwer oder leicht, gewünscht oder nicht gewünscht — dennoch vorwärts und aufwärts führt. Unsere hinaus- und hinaufstrebende Jugend will ihre Zukunft bauen, und wir alle werden mittun am Tempelbau jüdischer Wirklichkeit. Kalender für Januar Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Jan. 99 n r» 1 2 3 4 Tttelli 99 99 99 6 7 8 9 Wajjigasdi Sonntag 99 5 99 10 Montag n 6 99 11 Dienstag 99 7 99 12 Mlttwn& 8 99 13 Donnerstag 99 9 99 14 Freitag 10 99 15 Sonnabend w 11 99 16 WaJ’chl Sonntag 9 12 99 17 Montag n 13 99 18 Dienstag *» 14 99 19 Mittwoch 99 15 99 20 Donnerstag 99 16 99 21 17 22 Sonnabend «1 18 99 23 Sdi'mauß, Niiutfcwtilu Sonntag 99 19 99 24 Montag 99 20 99 25 Dienstag 99 21 99 26 Mittwoch 22 99 27 Donnerstag 99 23 99 28 Freitag 9 24 99 29 . Sonnabend n 25 Mrnt 1 Bau Sonntag 99 26 9» 2 * Montag- 99 27 99 3 Dienstag 28 99 4 Mittwoch 29 99 5 Donnerstag 99 30 99 6 Freitag 9 31 9 7 Unsere Wanderbücherei Eine Folge von Bhchbesprechungen wichtiger neuer und älterer Bücher aus den Wanderkisten des Preußischen Landesverbandes. f 1. Moses Mendelssohn. Mendelssohn, Moses: Der Mensch und das Werk. Zeugnisse, Briefe, Gespräche hrsg. u. eingel. von Bertha Badt-Strauss. Berlin: Weltverl. 1929. XXIV, 264 S. — Mendelssohn, Moses. Eine Answahl ans seinen Schriften nnd Briefen von B. May u. J. B. Levy. 2. durch eine Biographie Mendelssohn’s verm. Aufl. Frankfurt a. M.: Kauffmann 1929. 124 S. — Gedenkbuch für Moses Mendelssohn. Mit Beitr. von J. Bergmann u. a. Berlin Poppelauer 1929. 171 S. — Mendelssohn, Moses: Phädon.-Jerusalem. Mit ' Einl. u. Anm. hrsg. v. Arnold Bodek. Leipzig: Brockhaus 1869. XL, 216 S. — Gesammelte Schriften. Jublläumsausg. in Gemeinschaft mit Fritz Bamberger u. a. hrsg. von Ismar Elbogen, J. Guttmann, E. Mittwoch. Berlin: Akademie-Verl. 1929 ff. Bd. 1—3, 1: Schriften zur Philosophie und Aesthetik. Bd. 7: Schriften zum Judentum 1. Bd. 11: Briefwechsel 1. (1754/62). Moses Mendelssohn war der erste Jude in Deutschland, dessen hundertster Geburtstag im Jahre 1829gefeiert wurde. Die neuere Mendelssohn-Literatur wurde 'wieder hundert Jahre später aus Anlaß seines 200. Geburtstages geschrieben. In das Jahr 1935 fällt sein 150. Todestag und der jüdische Leser befindet sich in einer neuen Situation. Er wird sich nicht mit der Feststellung der Errungenschaft der Emanzipation begnügen, deren Wegbereiter der Jubilar gewesen ist und deren Ende wir erlebt haben, er wird den Weg noch einmal prüfen, auf seine . Jrrtümer und auf seine Notwendigkeit. Und er wird zu dem Schlüsse kommen, daß dieser Weg beschritten werden mußte, daß Mendelssohn ohne Aufgabe seines Judeseins ein vorbildliches Leben in seiner deutschen Umwelt führte, daß ohne die Freiheit, zu der er das Tor geöffnet hatte, auch jene Richtung des Judentums, die aus Fehlschlägen der Emanzipation eine neue Politik einlcitete,-ihr geistiges Rüstzeug hätte entbehren müssen. Eine erste Einführung und mehr ist das Mendelssohn-Büch von Hertha Hndt-Strnuss. dessen Ziele der Titel umschreibt. Das Material ist philologisch exakt Verarbeitet und hübsch angeordnet: Zeugnisse der Zeitgenossen, Briefe und Gespräche künden unmittelbar von der geistigen Wirkung und menschlichen Ausstrahlung dieses Mannes. Wird der anspruchsvollere Leser durch Anmut und Geschicklichkeit gefesselt, mit der die Herausgeberin ihre Leistung zustande brachte, so derjenige, der ganz voraussetzungslos an die Lektüre herangeht, durch die Ucbersichtlichkeit und Volkstümlichkeit, die, sie als Gesichtspunkte der Auswahl der Stücke gelten ließ. Zieht man aus dem Buch der Badt-Straussdas Fazit, daß die Persönlichkeit Mendelssohn uns heute mehr zu sagen hat als seine Schriften, so wird dieser Eindruck durch die kleine Mendelssohn-Schrift von May und Levy bestätigt, die eine willkommene Ergänzung zum vorigen darstellt, besonders die Beispiele aus seiner Psalmen-Uebertragung und aus seinen „Briefen über die Empfindung"; Nicolai sagte einmal, man schiede von Mendelssohn stets gelehrter oder besser: liest man die Proben aus dem „Phädon“, aus „Jerusalem“, aus den „Morgenstunden“, die neben Briefen wiedergegeben werden, so wird der heutige Leser das Hauptgewicht auf das „besser“ legen.. Das „Mendelssohu-Gedenkbuch“, das von einem kundigen Geleitwort I. Elbogen’s eingeleitet wird, ist im Gegensatz zu den bisher angeführten ein Buch über Mendelssohn. Max Freudenthal schildert die kulturellen Voraussetzungen, die Mendelssohn aus seiner Dessauer Heimat erwuchsen, Franz Muncker gibt einen Querschnitt durch die deutsche Literatur der Mendelssohn-ZciL Paul Michaelis und Hanns Reissner behandeln Mendelssohn's literarischen Widerhall und seine politische Wirkung in Frankreich, A. Lewkowitz beleuchtet die Zusammenhänge zwischen der Philosophie der Aufklärung und dein Judentum. Wichtig ist der Beitrag Franz Rosenzweigs „Der Ewige“, der Mendelssohns Bezeichnung für den Gottesnamen tiefgehend erläutert, Leopold HirschbCTg läßt sich über Schuberts und Spohrs Vertonung von Mendelssohn’s Psalmenübertragung aus, S. Bernfcld über die mittelbaren und unmittelbaren kulturpolitischen Einflüsse Mendelssohn’s auf den jüdischen Osten; J. Bergmanns Schlußwort „Mendelssohn und wir“ wirkt, wie wenn es im Jubiiäumsjahr 1929 aus der Perspektive unserer Zeit geschrieben worden wäre. „Phädon“ und „Jerusalem“, zwei Hauptwerke Mendelssohns, sind in einem Bande bei Brockhaus vereinigt. Die erste knüpft an den bekannten gleichnamigen' Dialog des Platon an und handelt von der Unsterblichkeit der Seele, die zweite führt den 9