Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-11-01 · 11 (11.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
11 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3970005-7569523-7569673--1365-3971280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 11 Breslauer Jüdisches ffle tnr tuöeblaU 175 Silber ft ein Michaielis, Leiter der ifr. Waisen-Verpfleg.-Anftalt, „ein Mann, der sich nicht mir die Liebe feiner Zögling«, sondern auch die Achtung und Wertschätzung!der ganzen Gemeinde zu erwerben wußte", wurde am 10. Juli 1823 in Mogilno (Pr. Pos.) geboren und ging, nachdem er sich autodidaktisch e n reiches!Wissen erworben hatte, zu seinem Oheim nach Dover (Engl.), der daselpst ein Pensionat und eine Schule hatte, als Lehrer des Deut chen an Derselben. Hier verschaffte er sich, infolge seiner Begabung für Sprachen, in kurzer Zeit eine solche Fertigkeit im Englischen, daß er alsbaw Aufsätze und Abhandlungen in eng. lischen Zeitschriften veröffentlichte und die erste jüdisch-englische Zeitung redigierte. Später ging er nach Parist stud. hier weitere Sprachen, hörte an d. Univ. Renan, verkehr e viel in Gelehrtenkreisen und war noch bei der Beerdigung Heinrich Heines (1850) zugegen. Dann kehrte er in die Heimat zurück, reich an Wi fen, arm an Gütern. Später ließ er sich in Breslau als Lehrer der ^modernen Sprachen nieder, wurde nach dem Kriege 1870/71 an die hief. Waifen-Anstalt berufen und starb hier am 29. November 1910. Auch in Breslah war S. vielfach liter. tätig. S i p h r i Philipp Lewin (Uri Feibusch b. Arje Löb), Lehrer an Ser Wilh.-Schule u. Bers. der Werse: c.'twi Ectro, nn'K 's-pS (gedr. Dyhems. 1812), noHz ut-ip\ -tnc -K'ip u. c'Se tr—iv (Dyherns. lebte ei(ie Zeitlang in Berlin und ist in gestorben^ er ruht aus dem Friedh. Claassenu. Benjakvb, Ozar ha-scharim). Er war ei» er Dajans Raphael Glogau, und Rabbi >773), wurde 1746 geboren Breslau am 1. Nissan 1822 straße Nr. 2183 (Gem.-Akt. Schwager des Mattersdor Abrah. Tiktin nennt ihn „Freund" u. gibt ihm in der Approbation zu dem Büchlein nnt* ,orp? hie Ehrenbezeichnung K~' „nd 33.-1 desgleichen der Preßburger Rabbiner Mosche Soser u. R. Dunim Gins, cer Mattersdorfer Rabbiners ein Brüher vrn Akiba Eger. Uachnchtm aus dem Verlande der Synagogen-^cmcinden (Uc^nmn&HlUderechUeUn Durch den Tod de« Herrn Georg Tockuh in Oels ist unser Verband in tiefe Trauer versetzt worden. Wie in der Verwaltung seiner Gemeinde Oels, so ist er auch als Mitglied unseres Verbands-Ausschusses seit Jahrzehnten mit warmem Herzen und mit klugem Rat für die Erhaltung und Förderung des religiösen Lebens tatkräftig eingetreten. Mit eindringendem Verständnis für die Nöte der kleinen Gemeinden hat er ganz besonders an den Arbeiten für die Besserung dieser Verhältnisse teilgenommen. Dem verdienstvollen, liebenswürdigen Mitarbeiter bewahren wir dauernd ein ehrendes Gedenken. Am Grabe zeichnete Herr Bezirksrabbiner Dr. Wahrtnann Leben ttnd Winken des Verstorbenen und hob feine tiefe Religiosität, seine soziale Gerechtigkeit und seine Nächstenliebe besonders hervor. Hierauf schilderte Herr Wilhelm Kassel feirtjs großen Verdienste um die Erhaltung der Gemeinde, während Herr Gemeindeältester Waldstein, Breslau, namens des Verbandes der Synagogengcmeindcn der Provinz Niederschlesien über die segensreiche Tätigkeit des Heimgegangenen im Rahmen dieses Verbandes sprach. Mit dem Gebete der Lessing-Loge des Ordens „Bne-Brith", gesprochen von' Dr. Schlesinger, Breslau, wurde die Bcischungsfcier beendet, an, der auch fast die gesamte nichtjüdische Bürgerschaft her Stadt — der Männerturnverein und der Verein für Handel stnd Gewerbe kamen in geschlossenen Zügen — teilgenomjmen hatte. Trebnitz i. Schl. Auf dem jüdischen Friedhöfe wurden 34 Denksteine mit grbßen Hakenkreuzen besudelt und die Fettster der Leichenhalle vollständig zertrümmert. Die innere Wand der Halle wurde mit drei rotgemalten Kreuzen, die die Inschrift: „Heil Hitler, Juda verrecke"-enthielten, beschmiert. In der Mitte war ein Galgen gezeichnet, an dem ein Jude gehängt wurde. Die Svnagogengemeinde hat die Angelegenheit der Polizei übergeben und eine Belohnung von 100 Mk. für Ermittlung der Täfer ausgesctzt. (Sie sollen inzwischen ermittelt sein.) j Am 26. Oktober 1930 verstarb (1er Erste Vorsteher unserer Gemeinde \ Georg Tockuss Ein Mensehenalter hindurch hat, er im Ehrendienste unserer Gemeinde gestanden und sie geführt. Von tiefer Frömmigkeit durchdrungen, mit gütigem Heizen, Hilfsbereit und wohltätig, schlicht, geladen Sinnes und dcch voller Würde, so hat er die ehrwürdigen Tiaditicncn des Judentums als Führer unserer Ge ineinde in nie versagend« r Hingabe und nie' wankendem Verantwortungsgefühl gepflegt und gefördert, eine Zierde der Gemeinde und ein Vorbild für sie. Die Lauterkeit seines Wollene und Wirkens hat ihm die Verehrung und'Achtung, der Gemeinde erworben, ihre Dankbarkeit wird nicht erlöschen. Das Andenken dieses Gerechten bleibt zum Segen. Vorstand u. Repräsentanten Kollegium der Synagogen-Gemeinde Oels. Die Wahlen zum vcrbandstag -es Pr. I. ö. in nieder« und Gberschleflen Nicht bloß die. wirtschaftliche Not, die drückend aus unserem Vaterlandc und jedem Einzelnen, nicht zum wenigsten^ auch aus dem jüdischen Mittelstand lastet, sondern in erster Reihe die politische Lage hat allenthalben Den Wunsch auegelöst, in dieser Zeit nicht die Partcistreitigkcitcn innerhalb des Judentums irach außen hcrvortrctcn zu lassen und darum jeden Wahlkamps zu vermeiden. Der Vorstand des Verbandes der Snnagogcngemcinden Nicderschlesicns hat sich deshalb mit dem Vorstand des gleichen Verbandes Obcrschlcsicns in Verbindung gesetzt, um gemeinsam durch friedliche Vermittlung zu versuchen, die Parteien zu einer Einigung über einen gemeinsamen Wahlvorschlag zu bringen, damit auf dicscin Wege eine Wahl überflüssig gemacht werden kömrtc. Da die Vorsitzenden der beiden Verbände zugleich zum Wahllcitcr bzw. stellvertretenden Wahlleitcr bestellt worden waren und sich deshalb nach Möglichkeit nicht in den Streit der Parteien einmischcn wollten, hatte der stellvertretende Vorsitzende unseres Verbandes cs übernommen, die Verhandlungen zu führen, und die Vertreter der Parteien zu einer mündlichen Besprechung in Breslau für Sonntag, den 2. November, cingcladcn. Die Verhandlungen wurden dadurch besonders erschwert, daß auch die Mittclpartci, welche im vorigen Jahre in Breslau begründet worden ist, Ansprüche auf Berücksichtigung bei den.Wahlen in der Provinz erhob, obschon sie noch in keiner Gemeinde außerhalb Breslaus eine Organisation besitzt oder sich sonst als Partei betätigt hatte, und mit der Aufstellung einer eigenen Liste drohte, wodurch natürlich auch die anderen Parteien zu einem Wahlkampf gezwungen worden wären. Erst nach langwierigen, tagclangcn Verhandlungen ist durch bas Entgegenkommen der anderen Parteien, insbesondere der Liberalen, welche aber betonten, daß sie sich nur durch die Not der Zeit zu den Zugeständnissen bereitgefundcn hätten, aus. denen aber kein Praejudiz und keine Ansprüche für die Zukunft hcrgeleitet werden dürften, eine Einigung-auf folgenden einheitlichen Wahlvorschlag erzielt worden: Wetker wäscht Wäsche ISs]

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.