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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-11-01 · 11 (11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
11 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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174 Nr. 11 ' -; J Breslauer Jüdisches Gemeindeblail )» berücksichtigen und dcn jungen Mädchen die Möglichkeit geben, die Arbeit im barlswi.-tschastlichen Großbetrieb kennen zu lernen. Auch die Leitungen wirtschaftlicher Großbetriebe müssen zugleich immer wieder erneut darauf dingewiescn werden, daß berufsmäßige und seminaristische Ausbildung bis . zu einem-(felvissen Grade die praktisch«,» Erfahrungen ersehen, dann wird es oicllcichk allmählich gelingen, das Mißtrauen zu zerstreuen. Haushalt- Pflegerinnen kurz nach der Ausbildung erhalten ein Gehalt von 60 bis 70 AM. invnatlich bei freier Station, das im Laufe der Jahre.bis zu 150 RM. ansteigcn kann. Denn die Haushallpflegerin pädagogische und pflegerische . V, Begabung und Schulung hat, kann sie, oorausgcsetzt, daß sie die genügende Reife und pädagogische und menschliche Eignung hat, auch Leiterin oo» Mädchenheimen. Altersheimen oder Erholungsheimen rverden und so zu . einer außerordentlich befriedigenden Tätigkeit kommen. - c) Gewerbelehrerin. Die Ausbildung der Sewerbelehrerin ist sehr langwierig und sehr teuer. Die Stellen sind allerdings gut bezahlt und sehr befriedigend. Solange aber das Gesetz des hauswirtschaftlichen Dienstjahres nicht durchgeführt ist, was zwangsweise eine Vermehrung der bauswirtschaftlicben jüdischen Schulen mit sich bringen würde, ist die Anzahl der Stellen nur begrenzt. Aus diesem Grunde ist eine weitgehend«! Propagierung dieses Berufes nicht dringend. Die bisherige Ausbildung der Gewerbelehrerin ist von diesem Jahre an grundlegend geändert. Die Berufe der Hauswirtschaft»-, Handarbcitsoddr technischen Lehrerin verschwinden allmählich. Die Seminare werden noch aufrecht erhalten, damit Mädchen, die schon einer der Examina haben oder Dolksschullehrerinnen sind, zu ihrer Vervollkommnung noch die Eignung als Hauswirtschaft»- oder Handarbeitslehrerin erwerben können. Der Besuch dieser Seminare ist nur Mädchen, die schon ein Examen haben, gestattet. ' Beginnt man die Ausbildung jetzt, so ist nächst Lyceumsreife ein dreijähriger Besuch der „Höheren Fachschule für Frauenberufe" nötig. Die Ausbildung schließt mit einem Examen, einer Art Fachaditur. Danach muh man -^zivei Jahre Praktikum in verschiedenen Betrieben, die genau näher bestimmt sind, z. D. Krankenhaus, Kinderheim, Wäscherei, praktische Fabrikfürsorge, durchinachen. Aus diesem Grunde ist auch mit der Möglichkeit des Verdienstes ,t>zw. des Derdicncns de» eigenen Lebensunterhaltes nur für das eine Jahr, das in Heimen zuzübringen ist, zu rechnen. Rach dem zweijährigen Praktikum erfolgt nochmal der zweijährige Besuch des Seminars für Gewerbelehrerinnen, auch in Frankfurt oder Rheydt» der mit einer Prüfung adschließt. Die Gesamtausbildung dauert also etwa sieben Jahre, während der man sowohl für Unterhalt als auch zum Teil sehr erhebliches Schulgeld bezahlen muß. Die Bezahlung ist allerdings dementsprechend; die Gewerbelehrerin ist in Gruppe IX eingegliedert und erhält ein Änfangsgehalt von 350 bis 375 RM. d) Lehrerin der landwirtschaftlichen Hanshaltnngskund«. Dieser Beruf bietet jüdischen Mädchen in Deutschland geringe Berufsmöglichkeiten, da cs nur eine einzige jüdische wirtschaftliche Fcauenschule auf dem Lande gibt, die eine solche Lehrerin braucht und es ist nicht anzunehmen, daß in Deutschland noch mehr jüdische landwirtschaftliche Frauenschulen nötig »oerden. In nichtjüdischen Anstalten ist es für jüdische Mädchen schwer, Stellungen zu finden und dort zu leben, selbst wenn sie keinen Wert auf rituelle Lebensführung legen, da speziell die landwirtschaftlichen Frauenichulen häufig deutschchristlich eingestellt und jüdische Lehrkräfte nicht gern beschäftigen. Die Ausbildung schreibt zwei Jahre praktische Arbeit auf dem Lande vor, davon kann eins in einer wirtschaftlichen Fcauenschule (Wolfratshausen) oder anerkannten landwirtschaftlichen Haushaltungsschule abgeleistct werden. Darauf folgen zwei Seminarjahre in einer dazu berechtigten Schule, danach ein praktiscb-pädagogisch-soziales Jahr an einer zugelassenen Anstalt. Das letztere praktische Jahr wird gewöhnlich im Einverständnis mit der Anstaltslcitung abgeleistet. Das Gehalt beträgt im Anfang «a. 300 RM. e) Diätschwester oder Diätassistentin ist ein Beruf, für den erst in den letzten Jahren ein besonderer Ausbildungsgang festgelegt ist. Der Beruf baut entwedef auf der Schwesternausbildung auf oder seht wirtschaftliche Kenntnisse voraus. Ausdildungsmöglichkciten gibt es in verschiedenen itädtischen Krankenhäusern, z. B. im Krankenhaus in Hamburg und im Augufta-Hospstal, Berlin. Staatlich geprüfte Schwestern können einen Kursus für Diätj cd w c it e r n besuchen, der sechs Monate dauert und mit einer Prüfung obschließt. Das Schulgeld beträgt im Augusta-Hospjtal in Berlin 60 RM. monatlich, daneben müssen die Schwestern aber noch selbst für Kost und Logis sorgen^ da sie nicht im Krankenhaus wohnen können. Hauswirkschaftlich ausgebildete Kräfte können den Lehrgang der D i ä t - A s s i st e n t i n besuchen, der zwei Jahre dauert. Das Schulgeld beträgt im ersten Jahre in Berlin monatlich 30 RM., im zn'eiten wird! kein Schulgeld verlangt. Für Kost ulnd Logis müssen die Schülerinnen! selbst sorgen. Er wärt sehr wünschenswert,'daß auch jüdische Anstalten einen Kursus für Diätschwestern oder Diätassistentinnen einrichten, da durch die rituelle Küche für jede Diät noch spezielle Maßnahmen erforderlich sind. Wir glauben, daß eine solche Ausbildung begrenzt eine Derufsmöglichkeit für jüdische Mädchen bildet, und man bei der großen Rotlage heute jede Chance zu einem Beruf ausnutzen soll. Da abch ein gewisser Bedarf an beruflich, ausgebildeten Kräften in där nächsten Zeit voraussichtlich vorliegen wird, sollte man jungen Mädchen, dih den hauswirtschaftlichen Ärtuf ergreifen wollten, selbstverständlich des! Eignung, zu einer möglich st guten Ausbildung Unter Ableg.ung der v or g e-sch r i e b e n e n P r rifun g e n zu r a t e n. Für die ja leider recht kostspielige Ausbildung mühten, soweit erforderlich, Stipendiengelder in Anspruch genommen wirken können. Solch« Stipendiengelder würden in doppelter Weise produktiv wirken, einmal, indem sie die Berufsaussichten der Stipendiaten sicherstellen, andererseits, indem die bestehendcn Haushaltungsschulen dadurch finanziell gestützt werden, denn eine rentable Wirtschaftsführung der Haushaltungsschulen ist nur dann möglich, wenn alle Plätze eines jeden Lehrganges voll besetzt sind.! Wir können deshalb dem Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes nur empfehlen, dcn Fonds für Beiträge zu hauswirtschaftlichen Stipendien für das laufende Jahr wesentlich zu erhöhen. G r e t h e Bloch. jüdischer Persönlichkeiten in und aus Breslau b|'T*) Don Rabb. Dr. Heppner. Gew.-Archioar. (Fortsetzung.) Sachs Dr. Meyer, San.-Rat, Sohn des um d. Gemeinde u. die •'pn verdient. Dav. Salomo S., Schwager d. Weinkaufmanns Jonas Leon u. Großneffe d. Gelehrten u. Hebraisten Jakob b. Mos. Aron Jereslaw, wurde in Breslau am 26. 4. 1797 geb., ließ sich 1823 hier als Arzt nieder, trat 1827 in d. Brüd.-Ges. ein, war langjähr. Borst, der Gemeinde u. stand von 1834 bis zu seinem Tode (13. 7. 1864) im Dienste *t>er I. K.-B.-A. (Akt. im Gern.-Archiv). Sachs Eduard, Kfm., Gern.-Aeltefter u. Borsteher, geb. 16. 4. 1834 . in Lisia (Pos.) als Sohn von Wolf u. Esther S. (geb. Goldstaud), kam als vierjähr. Knabe mit f. Eltern nach Breslau, trat 1878 in di« Repräsentanz u. 1891 in d. Borst, der Gern, ein, dessen Vorsitz, er dreizehn Jahre lang bis kurz vor s. am 12. 4. 1925 erfolgten Tode war. 46 Jahre; hindurch gehörte er auch dem Borst, der I. K.-B.-A. an, war dreißig Jahre Bors, desselben, u. sein Wirken für die Gemeinde und die Kranken-! Anstalt war ein überaus segensreiches (Bresl. Gern.-Bl. 1925, 4). > Samosz Dav., hebr. Dichter, geb. 1790 in Kempen (Pos.), Bf. d bibl. Dram. „Pilegesch be-Gibah" (1818), von Ged. „Rsisse ha-Melizah" (1820) u. a., hat auch mehrere Jugendschriften von Ecnnpe ins Hebr. j ubers. u. ist in Breslau am 29. 4. 1864 gestorben. Samuelsohn Dr. Bendix, geb. zu Brandenburg a. H. am 1 7. 1821, besuchte von Sekunda an d. sranz. Gymnasium in Berlin, stud. von 1844—48 an der dort. Unio. klass. Philologie u. neuere »Sprachen, unterrichtete von 1848—50 an der jüd. Gem.-Schule, bestand 1850 d. Äaatsprüsung für das höhere Schulamt, prornoo. 1852 zum Dr. phil. und würde in demselben Jahre Leiter der aus fünf Knaben- und vier Mädchen-Klassen bestehenden Relig.-Unt.-Anst. der Breslauer jSpn.=®emeint>e; TOid). 1863 übernahm er auch d. jüd. Relig.-Unt. an der städt. höh. Töchterschule zu Maria-Magdalena (jetzt Biktoriaschule) und 1872 am Elisabech-Gymn. zu Breslau. Hier ist er am 15. 7. 1898 gest.: treueste Pflichterfüllung, s. bescheidenes und freundliches Wesen werden im Nachruf ihm des. nachgerühmt. Seine Frau starb am 2. 10. 1898: ihr . Sohn war der hies. R.Ä. Dr. Ernst S. (Gem.-Arch. Aktenst. V Gn2sls>! Sandberg Ernst, Dr. Geh. San.-Rat, geb. am 12. 11. 1849 in Czempin (Pr. Pos.) u. gest. am 28. 7. 1917 in Breslau, einer der angesehensten und verdienstvollsten Aerzte unserer Stadt und Gemeinde, stand seit 1872 im Dienste der I. K.-B.-A., zuerst als Assistenz-, dann als Primärarzt und Leiter der ierneren Abteilung: feit 1915 war er auch Ehrenmitglied der I. K.-D.-A., der neben seiner umfangreichen Prrvatpraxis seine Lebensarbeit galt (A. Z. d. Jud. 1917, 32 u. 35). Scheye Simon, Reprösent. der Gemeinde und Mitgl. verschied.! Kommissionen, Borst.-Mitgi. der ~*n, Bors, der 18 Männer und der^" i3. Brüd.-Gefellschaft, ein Mann, der mit „reinen Händen und lauterem Herzen durch das Leben ging, ein gütiger und hilssbereiter Mensch", ^wurde am 24. Juli 1846 geb. und ist in Breslau am 4. April 191? gestorben. (Trauerreden von Prof. Guttmann und Dr. Rosenthal.) Schottländer Julius, Rittergutsbesitzer, geb. 26. 3. 1835. Ehrenmitgl. der I. K.-B.-A., von 1876—99 Repräsentant u. seit 1900 Borst.-Mitgl. d. Breslauer Syn.-Gemeinde, war einer der wohltätigsten Männer Breslaus und hat durch s. menschenfreundl. Schöpsungen (Alters- Bersorg.-Anst. Kirschallee) sich «in dauerndes Denkmal errichtet. Er starb am 1. 1. 1911 auf s. Besitzung Hartlieb und ist in Breslau beerdigt; fei» Sohn ist Dr. Paul Sch., Borst.-Mitgl. d. I. K.-B.-A. (Akt. im Gem.-Arch., Schreiber Jakob b. Jehuda a. Berlin, könrgl. Lott.-Einnehmer, einer der angesehensten Männer der Bresl. Gern., Mitgl. d. Brüd.-Gej seit 1818, Mitbegründer und erst. Borst, d. 2. Brüd.-Ges., Borst, d. D'n. starb hier am 10. Adar 1840. Zu seinem 70. Geburtstage (15. Nissan ■ 1833) wurden ihm von Vereinen u. Privaten nicht weniger als acht hebr! Gedichte (abgedruckt in Dav. Samosz °m '~>'v S. 45—54) gewidmet. Sein Sohn Moritz (geb. 1802, gest. 1872) u. der Mann s. im Alter von! '37 Jahren -»erst. Tochter Johanna, Sim. Boehm (geb. 1803 in Brieg. gest. 1843 in Breslau u. beerd. Claossenstraße 1201) spielten im Brest Gemeindeteben ebensalls eine Rolle. Eine Tochter von Mor. Schr. '(Auguste) heiratete 1843 d. bek. Schriftst. Berthold Auerbach, der sie als \ „ein edles, ganzes und reines Wesen, voll Charakterkrast und innigster \ Zartheit" schildert, dem sie aber schon, nachdem sie einem Knaben (August, das Loben gegeben hatte, nach kaum einjähriger Ehe entrissen wurde. — Jakob Schr. ruht auf Friedh. Claassenstrahe Nr. 1949 u. neben ihm seine Frau Riwka (Tocht. d. Mos. Bisenthal), gest. 9. 3. 1838. Bon seine» Urenkeln seien des. genannt: Geh. Rat Martin Hirschberg^kberswalde u. seine Schwester Fr. Rose Boehm-Brieg, die verdienstvolle Vorsteherin des dortigen Frauenvereins^ (Gem.-Akt.). J *) Bon dieser Arbeit erscheint (als Broschüre) ein berichtigter und vervollständigter, mst Abbildungen versehener Sonderdruck, für welchen der Verfasser (Antonienstraße 24) um freundliche Zusendung von Ergänzungen und Berichtigungen, sowie um gütige Ueberlastung von Klischees bittet.

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