Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 11 (11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Vertretet für den Derbandstag: 1. Kaufmann Pinczower-Beuthen (konservativ), 2. Kaufmann Metz-Licgnitz (liberal), 3. Kaufmann Arnold Wiener-Deutheu (jüd. Dolksp.), 4. Rechtsanwalt Martin Lentfchütz-HiNdenburg (liberal), 5. Kaufinann Alfred Scidenberg-Liegnitz (konservativ). Grsatzmänilcr: 1.?vabbiner Dr. Ochs-Gleiwitz (konservativ), 2. Rechtsanwalt Dr. Alfr. Wolff-Brcslau (Mittelpartci), 3. Dr. incb. Leo Cobn-Waldcnburg (jüd. Dolksp.), 4. Rechtsanwalt Walter Rcchnitz-Ratibor (liberal), 5. Dulius Herbst-Görlitz (liberal). oiu*lcid> wurde beschlossen für den Rtzt: Herr Zuslizrak Kocbmann-Gleiwitz (liberal) als ordentliches Mitglied, Herrn?vcchu-anwalt Martin Schindler, Hindcnburg (jüd. Dolksp.) als ersten Stellvertreter tmd Herrn Rechtsanwalt Dr.Scheycr- Lie§nitz (liberal) als zweiten Stellvertreter aufzustellen. * Da mir ein einziger Wablvorschlag vorlicgt, findet gemäß 23 der Wahlordnung eine Wabl nicht sondern cs gelten die. vorgcschlagcncn Bewerber in der Reihenfolge der Hüte als gewählt. Neue Veröffentlichungen öee Soncino-Gefellschast -er Zreun-e -es jü-ischen Buches Die'e vor sechs Jahren gegründete, nach der klassischen jüdischen Druckerfamilie des 15. und Ist. Jahrhunderts aus Soncino benannte Gesellschaft ersreut soeben wieder ihre Mitglieder durch eine Reihe erleiener Publikationen. Lektüre und Studium des vorbildlichen Drucke cntsühre» aus dem Alltag und entrücken den Kündigen in eine Welt abseits von Zweck- und Rechenhastigkeit. Ich gebe den höchsten Rang aus der Reihe der diesjährigen Veröffentlichungen dem edlen in italienischer Antiqua besetzten Quartband: „Franz Rosenzwcig — Ein Buch des Gedenkens", herausgegeben von Herrmann Meyer. Diese Sammlung ergänzt in glücklicher Weise die Franksurter Gcdenkschrift für Rosenzweig. Das GeLenkbuch der Soncino-Gesellichaft enthält eine» Beitrag von Simon unter dem Titel „Versuch über Rosenzweig". Die Rolle, die die ideengeichichllichen Forschungen Friedrich Meincckes, der Neu-Kantianismus Hermann Cohens, das große jüdisch« Wissen und die zerrissene Problematik von Rabbiner Nehemias Nobel in dem Werke Rosenzweigs gespielt haben, wird aui dielen Leiten zur vollkommenen Klarheit gebracht. Weiter such in dem Lammelband vertreten: Marti» Buber >Für die Lache der Treue), Gerhard Schalem (Diwre Askara) und mit Erinnerungen aller Art Bertha Badt-Strauß, Margarete Susmann, Jos. Prager, Viktor Ehrenberg und Hermann Badt. Hochinteressant ist ainh die zweite Gabe: Rahbinische Legenden von Gottlieb von Leon, ein Groß-Oktav-Bändchen, gelegt aus dem Cicero grad der Garamond-Antiqua und Garamond-Kursiv. Gottlieb von Leo» (1757—1832) ryar Kustos der Wiener Hofbibliothek: seine „Rabvinischen- Legenden" erschienen zuerst 1821 in Wien und waren seinen „verewigten Freunden" Michael Denis, Joh. Gottfried Herder und Johannes von Müller gewidmet. Diese sehr anziehende Sammlung, ein Gemisch von Midraschim und Herderscher Bolkspoesie, sollten nach der Absicht des Verfassers in de» Jahren' nach der Emanzipation eine Brücke zwischen jüdischem und christlichem Geist schlagen. Wertvoll sind auch die erweiterten und reichhaltigen beide» Mil leilungsheft« dxr Gesellschaft Nr. 5 und 6. ' Daraus kann hier nur aui den außerordentlichen Vortrag von Dr. Israel Auerbach hingewiesey werden: Lebendige jüdische Wissenschaft. Wie die Emanzipation auch -m Schwinden der guten Geister.des jiddischen Buches bedeutete, ist nie io eindringlich und bewegengeschildert worden. ' In dem gleichfalls veröffentlichten Jahresbericht der Geselljchast wird aus die hebräische Monumental-Bibel ausführlich hingewiesen, kne nach jahrelanger Vorbereitung jetzt zu erscheinen beginnt. Es ist erfreulich, daß diese „Soncino-Nachrschten" von jetzt ab erweitert vier- bis fünimal jährlich erscheinen iällen und daß sich die Herren Dr. Fritz Bamberger und Herrmann Mjeyer 'ist die Redaktion zur Verfügung gestellt haben, i Das Organ der Gesellschaft, die Soncino-Blälrer, find durch da. Doppelheft Juli 1930, das als „Festschrift für Heinrich Brody" erschein!, in glänzender Weise fortgesetzt worden. In dem Geist des berühmten Entdeckers und Erklärers hebräischer Poesie sind die wissenschaftlich wertvollen Beiträge der bekanntesten modernen jüdischen Gelehrten abgefaßl, allerdings nur den Spezialisten zugänglich, aber auch dem außenstehenden Liebhaber echter jüdischer Geisteskullur rin Ansporn und ein Wissensziel. Die Soncino-Gejellschast der Freunde des, jiidiichen Buches (Gc schäitssrelle Berlin iE 2. Kaiser-Wilhelm-Strahje 12) verdient uneingeschränkte Förderung durch jeden deutschen Juden jeder Richtung. Der Jahresbeitrag beträgt 25 Mark. Hierfür werden den Mit gliedern sämtliche Publikationen ohne weitere, Nachzahlung gelieferl. -Dr. y. Feuchtwanger. Freie jü-ische Volkshochschule Erössnungsvortrag von Herrn Professor Martin Buber. Die' Freie jüdische Volkshochschule «röffnete das^ 12. Jahr ihrer Arbeit mit einem Vortrag von Herrn Pros. Martin Buber über den „Ursprung des Messianismus". In be deutungsoollen Ausführungen legte Herr Pros. Buber dar, wie der - Glaube an einen Messias mit der Struktur der jüdischen Geschichte tief verbunden ist. Der Glaube o» den Messias ist der un-! bedingte Glarche an die Zukunft, die der Menschheit und der Well Sinn geben wird. Es ist der Glaube an eine Heilszeit, an das Reich Gottes aus Erden, herbeigesührt durch den Gesalbten Gottes. Dieser f Messiasglaube ist nicht von Aegypien oder Babylonien entlehnt und! HM auch nicht seines gleichen in de» anderen Weltreligionen. Denn in. oer persischen Religion, die von den Religionen des Altertums j 5er' jüdischen Religion am nächsten steht, bedeutet der Glaube an den Messias den Glauben an den Sieg des Lichts über die Finsternis, des: Guten über das Böse. Der Mensch tst Kampfwerkzeug und auch im Menschen selbst dauert der Kamps. Seele und Licht stehen aui einer | Seit«, Körper und Finsternis aui der anderen. Am Ende siegt das Licht. Dann ist die Welt etwas ganz anderes, ein rein Geistiges, während die körperliche Welt vernichtet ist. Hingegen im I u d e n t u m gibt es kein absolut Böses und Gutes. Gott schafft das Licht u n d die Finsternis. Nicht das Böse steht Gott gegenüber, sondern d e r Mensch, der selbst bewähren und verwerfen kann. Die Vollendung der Welt ist von dem Mensche» abhängig. Jedem Menschen unmitteltwr ist Herbeiführung der Erlösung durch Heiligung des Alltags auierlegt. Das C h r i st e n t u m glaubt, daß die Erlösung schon vollzogen tzi. Eine Erlösung der einzelnen Seele aber ohne gleichzeitige Erlösung der Welt ist für das Judentum unvorstellbar. Die Erlösung ist nach Mischer Auffassung nicht nur Gnade, sondern kann nur im handeln, im Leben, nicht früher und nicht anders zuteil werden. Das Christenlum gab dem Messianismus eine cschatologifche^ jenseitige Fassung und schwächte ihn dadurch. Der Glaube des Judentums ist tätig und verantwortlich. ' Für den geschichtlichen Gang der Entwicklung des Mejsianis nius ist hervorzuheben, daß der Ursprung des Messianismus mit der Volks w erd ung Israels zusammen fällt. Israel wird zum Volk Ssurch den Auszug aus Aegypten unter Goties Königtum. Die Vorstellung eines Gotteskönigtums ist eine gemeinsemitische. Ein jeder semitische Stamm hatte einen Gott, der eigentlich die Königswürde inne hatte. Aber Israel allein hat es ernst genommen mit dem Königtum Gottes und gab diesem Königtum den menschheitlichen Inhalt des Reiches Gottes aus Enden. Die jüdische Geschichte hat ihre Einheit in üem Ernst des Berwirklichungswillens des Gottesreiches. - In zwei weiteren Vorträgen über die „F r ü h z e i t und K r i s i s des jüdischen Messianismus" führte Prof. Buber diesen Gezanken als den tiefsten Gehalt der israelitischen Richter- und Königs zeil durch unb .zeigte, wie sich im babylonischen Exil der Gedanke des gesalbten Statthalters im Reiche Gottes zur Idee des leidenden Knechtes Gottes wandelte: Der Gottesknccht in seiner Verborgenheit und.seinem Leiden führt die Erlösung herbei. Durch die ganze Geschichte Israels aeht die Reihe dieser leidenden Knecht« Gottes, die die Erfüller des göttlichen Willens sind und die Erlösung herbeiführen. Tief ergriffen folgte der große Hörerkreis diesen von seelischer Weihe erfüllten Gedankengängen Bubcrs. L. Bibliothek -er Spnagogen-Gemein-e, Knger 8 Neuanschaffungen im August und September 1930. Eidlitz, Walter: Die Gewaltigen. Novellen aus drei Jahrtausende». Wien 192«. 4469 Eidlitz, Waller: Kampf im Zwielicht. Ein« Dichtung. Wien 1926. 4465 i Eulenberg, Herbert: Der Opsertod. Eine Erzählung. Leipzig 1930. 4484 Budde, Karl: Karl Buddes Schrifttum /Festschrift). Gießen 1930. 6090,51 Dalman, Gustaf: Di« Worte Jesu. Mit Berücksichtigung des nach kanonischen Schrifttums und der aramäischen Sprache. Leipzig 1930. 7,678 Dienemann, Mar: Galuth. Berlin 1930. 3610, 52 Lassalle, Ferd.: Nachgelassene Briete und Schriften, Bd. 2—4. Berlin 1922—1924. 4446 Traub, Mich.: Jüdische Wandelbewegungen vor und nach dem Weltkriege. Berlin 1930. 4521 Abwehrblätter, Jahrgang 1929. Berlin. Gemeindeblatt Anhalt 1928/29. Dessau. Gemeindeblatt Saarbrücken 1928/29. Saarbrücken. Jeschurum 1929. Berlin. Neuanschaffungen im Oktober 1930. Abeles, Siegsried: Durch Welt und Zeit. Jüdisches Jugendbuch. Wie» 1930. 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