Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- 11 (9.11.1929)
- Date
- 1929-11-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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194 \ Breslauer Jüdische» Gemeindrblalt Nr. II fiu»wanü?rerfürsorge -es Hilfsvereins -er Deutschen Juden Die Auswandererfürsorge des Hilfsoereins der Deutschen Juden wird durch das Bqro seiner Zentrale in Berlin, den Bahnhassdienst am Schlesischen Bahnhof in Berlin, die Komitees in Hamburg und Bremen, di« Bahnhofsdienste in Stentsch und Osnabrück und Vertrauensleute im Reich« wahrgenommen. Im Jahre 1029 hat sich die Zahl der Auswanderer und Durchwanderet:, denen seine Fürsorge galt, stark erhöht, insbesondere was den Durchgangsverkehr auf dem Schlesischen Bahnhof in Berlin anbetrifft. Unter der Füi^orge des Hilfsoereins passierten: Berlin: Bahnhofsdienst des Hilfsvereins, Schlesischer Bahnhof, Aus- Und Rückwanderer 1. Januar bis 30. September 1929. 31642 Personen Ihren Weg nahmön über Stentsch: 1. Januar dis 30. September 1929 . . . 6867 Osnabrück . . . ,\.. 1233 - Hamburg, 1. Januar bis 30. September 1929 . . . 3400 Bremen: 1. Januar bis 31. August 1929 . 750 ' . - Im Büro der Berliner Zentrale fanden eingehende Beratung und Hilfe: Januar bis 30. September 19?9 . . . . a . ., 732 - Der Schlesische Bahnhof wird von Auswanderern aus osteuropäischen Staaten passiert, die nach ddxttschen, belgischen, französischen und holländifll>en Häsen zwecks Auswanderung nach Ueberfee gehen bzw. zurückwandern oder aber kontinentale Reiseziele erreichen wollen. Es handelt sich dabei um einzelne Reisende sowie um Auswimüerertransporte, die von Schifssgesellfchasten oder jüdischen Emigrationsoereinen organisiert werden. \ In dem großen Saale, den die Elsenbahnbehörden dem Hilfsverein zur Verfügung gestellt haben, wird den Passanten voriibergehend Unterkunft gewährt: sic erhalten auch dort Erfrischungen. Der Dienst aui dem Schlesischen Bahnhof wird durch drei vom frühen Morgen bis spät nachts tätige Beamte versehen. Den Auswanderern wird Beratung zuteil. Sie werden, wenn es sich als notwendig erweist, an zuständige Stellen, Behörden und Konsulate tri Berlin verwiesen? Es erfolgt ihre Ueberführung nach anderen Berliner Bahnhöfen. Mit. Angehörigen in Deutschland wie im Auslande werden Verbindungen herzustellen 'versucht. Gepäckangelegenhelten werden erledigt, insbesondereauch,, wo es sich um Gepäckrecherchen, liegengebliebenes oder verlorengegangenes Gepäck handelt. Ueberdies wird fksi( die -Isolierung und Behandlung Kranker gesorgt. Die Beamten überwachen auch ständig die den Schlesischen Bahnhof durchfahrenden Züge aus dem Osten und aus dem Westen.Xum durchreisenden Emigranten oder Rückwanderern, die des Rates unocher Hilfe bedürfen, beizuitehen. Namentlich wird für Frauen und Kin! getragen. * Das Berliner Büro sowie die Zweigstellen des HilfsvereinsXm Hamburg und Bremen lassen den Emigranten weitgehende indfmduelldx Fürsorge zuteil werden, und zwar durch Beratung, Besorgung von Pässen, Visen und Assidavits, durch Interventionen bei Behörden,^ Konsulaten, Schiffsgesellschasten wie bei den Angehörigen der Emigranten innerhalb und außerhalb Deutschlands. Der Hilfsverein übernimmt in besonders schwierigen Fällen die Kosten für längeren Aufenthalt in Deutschland, .für ärztliche Behandlung, Erholungskuren etc. ( Der Kampf gegen die Ausbeutung von Auswanderern durch betrügerische Elemente, die gerade in solchen Zeiten ihr Wesen treiben, in denen die Einwanderung nach den meisten Staaten außerordentlich erschwert ist, läßt sich der Hilfsverein angelegen sein. Durch Gewährung von Subventionen an jüdische Organisationen an der deutschen Ost- und Westgrenze erleichtert der Hilfsverein die Fürsorgearbeit an diesen Plätzen, was von wesentlicher Bedeutung -für di« geordnete Abwicklung des Durchgangsverkehrs der Emigranten nach Deutschland ist. Der Hilfsverein steht mit jüdischen Emigrationsgcsellschaften des Auslandes in ständiger enger Verbindung und ist internationalen Körperschaften für den Wandererschutz angeschlosien. In dem .^korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesenbringt er aufschlußreiches Material über wirtschaftliche Verhältnisse in den Einwanderungsländern, über Einreisebestimmungen, über Statistik der Durchwanderung etc, ' Durch seine Fürsorgetätigkeit trägt der Hilfsverein zur Entlastung jüdischer Gemeinden und Organisationen in Deutschland erheblich bei. .! Jüdische Persönlichkeiten in und aus Breslau Don Rabb. Dr. H e p p n e r, Gem.-Archivar. (Fortsetzung.) E g« r Rabbi,Benjam. Wolf, Sohn des am 15. Elul 1758 zu Prehburg verst. Rabbiners Akiba Eg. d. Aetteren. und durch s. Frau Rebecca Schwiegersohn des Breslauer Landrabb. Jizch. Jos. Teomim-Fränckel, war ein hervorrag. Talmudgelehrter u. leitete (um 1770) in Breslau «ine Jeschiwa (Tolmudhochschule), di« auch von seinem Neffen, dem späteren berühmten Posener Oberrabb. Akiba Eger, 5 Jahre lang, bis zu seiner Ueberstedelung nach Lissa, besucht wurde. Später war Wolf E. Rabb. in Zülz und in Leipnik (Mähren), woselbst er am 6. Tischri 1796 gestorben ist. (Dreschner im Jahrb. d. jüd. lit. Ges. 1904, 32.) Fabian Leo, geb. 1868 in Elbing, besuchte von 1887—1896 das Bresl. Rabb.-Seminar und war von 1900—1909 Bibliothekar, stelloertr. Rabb. ü. Schuldirig. in B r e s l a u , alsdann Direktor d. isr. Waisenanstalt und starb hier am 14. Februar 1918. (Aktenst. im Gem.-Archiv.) Falk Jak. Jehuda den Iehoschua, geb. um 1760, der „Dyhernsurther Raw", war viele Jahre, bis zu f. Tod« (30. Siwan 1838) Dajan in Breslau und ist auf dem Friedh. Claassenstraße Nr. 1428 beerdigt: neben ihm ruht s. Frau Sara, die Tollster des Rawitscher Rabb.-Präses Jehuda Naumburg und Enkelin des R. Meir Posner, des Berf. des i'KE rvs.' Einer s. Söhne, Iehoschua, war von 1843 bis zu s. Heimgange (3. 12. 1873) ebenfalls Rabb.-Ass. in Breslau, einer s. Schwiegersöhne war der Breslauer Talmudist u. Berf. des ”-'1 ■-|P’n (Leipzig 1927/29) Jak. Löbel Kroch (geb. 1819 in Rawitsch u. gest. 1897 in Leipzig), von s. Enkeln lind des. zu erwähnen: Rabb. Dr. Lcop. Treitel-Lauphenn (geb. in Bregjau), der verdienstvoll« Borst, der „Landschul" Georg und s. verst. Bruder, Justizrat Felix Hirschberg, und von s. Urenkeln: Rabb. Dr. Leop. Wreschner, Hoinburg v. d. H. (geb. in Breslau). Ein Schwiegersohn des Iehoschua Falk war der 1900 verst. Breslauer Dajan Schi« Lcwinski. (Gem.-Akt. u. Heppner im Bresl. Gem.-Bl. 1928, 10.) Aeder Jos. Jehuda b. Abrah., Vers, des 1867 in Breslau gedruckt, «rv j’C'tt 'c. war mehr als zwei Jahrzehnte, bis zu seinem, am 21.5.1876 erfolgten Tode Rabb.-Ass. der jüd. Gemeinde Breslau. Schon mit drei Jahren' verlor er, wie er in der Vorredes. Werkes berichtet, f. Vater, und s. Mutter Mattel war mit Ausbietung all ihrer Kräfte bemüht, ihn zu einem gottesiürchtigen und thorakunditzen Menschen zu erziehen. (Gem.- Akten.) T Francolin Isaak Assnr, Dr.,0pred., «chulmann u. Schriftsteller, der Reformbewegung angehörend, geb. in Breslau 15. l2. 1788 und gest. 1. 7. 1849 (beerb. Claassenstraße 1106), wirkte in Königsberg, dann als Direkt, der Bresl. Wilhelms-Schule und ist Vers, verschiedener Romane. Novellen u. a. Schriften. Frankel Zacharias, Dr., geb. 30. 9. 1801 in Prag, war zuerst Rabb. in Teplitz, dann 18 Jahre Oberrabb. in Dresden und bis zu s. Tode (13. Febr. 1875) über 20 Jahre der erste Direkt, d. Breslauer Rabb.-Sem.: er hinterließ keine Kinder, lebt aber fort in s. zahlreich. Wissenschaft!. Werken. «Braun, Gesch. d. Rabb.-Sem., S. 28 ff.) Fränckel Jos. Jonas (Jizch. Jos.), geb. 1721 als Sohn des Rabb. Chajim Jona Theomim, heiratete mit 18 Jahren Treine, die Tochter eines reichen poln. Juden, war um 1740 Rabbiner in Krakau, kam dann nach Breslau, begründete hier eine ,F)andlung", die besonders Inländische Wall-, Leinen- und Seidenwaren nach Polen, Litauen und Rußland exportierte und wurde 1755 .Fönigl. geordneter Landrabb." mit einem Iahresgehalt von 444 Talern. Cr h>rt sich große Verdienste um die Gem., des. um die pn und die Anlegung des Friedh. Claafsenstraße erworben und war anfangs auch in seinen geschästl. Unternehmungen vom Glücke begünstigt. Sein Vermögen belief sich auf 100 000 Taler, und für das ihm am 11. 6. 1764 verliehene Gen.-Privileg zahlte er die Summe -öon 1455 Dukaten. Seine Wohnung befand sich in der Antonienstrcche; hier starb er am 16. Cheschwan -1793 und wurde aus dem Friedhof Claassenstraße Nr. 3249 beerdigt. Von seinen vier Töchtern waren verheiratet: Sara an Saul, den Rabb. in Frankfurt <r. O.. Rebecca an Benjam. Wolf fr in Breslau, den Oheim des berühmt. Rabbi Akiba Eger, Posen, d. Breslauer Rabb.-Ass. Lcwin Hcym. Barby, und Edel an Joel Wolf Freden Sohn des Dessauer und Berliner Rabb. David Fr.; Edel und Joel waxen die Eltern des Komm. R. Jonas Fr. (Heppner „Stamm- Numeranten^imBresl. Gem.-Bl. 1925, Nr. 1.) F r ä n ck e l Jonas^KoiNm.-Rct, Philanthrop, Vors, des Ob.-Vorst.- Kolleg, u. erster Vorst, der I. K. V. A., hinterließ sein großes Vermögen zur Errichtung wohltätiger u. gemeinnütziger Stiftungen (Rabb.-Seminar, Zufluchtsort, Hospital etc.). Er ist in B r e's l a u am 19. November 1773 geb. und am 27. 1. 1846 gest.; seine Ruhestätte befindet sich neben der seines Bruders David, Friedhof Claassenstraße Nr. 1687. Der in der Nähe dieses Friedhofes befiiÄiche „Fränckelplatz" führt f. Namen zu Ehren des Philanthropen. (Gem.-Akt., Brann. Rabb.-Sem., R a b i n, Jon. Fränckel.^Sonderdruck 1929, u. Mich. F r ä e n k e l. desgl.) F r a e n k e l Dr. Daniel, geb. 7. 11. 1821 in Sohrau O.S., Schüler Diesterwegs, prontoo. in Halle niit d. Dissert. „Erklärungen z. Proph. Habakuk", war zuerst Prediger u. Relig.-Lehrer in Frankfurt a. O., seit 1855 Rabb. in Rybnik, dann Relig.-Lehrer in Breslau, während der Erkrankung und nach dem Tode Ged. Tiktins dessen Vertreter und starb hier am 11. Nissan 1890. — Sein Lehrer u. Schwiegervater war der Berliner Rabb. Elchanan Rosenstein, sein Bruder d. Mitbegründer des Pankower Lehrlings Heims u. Repräs. der Berl. Gem.. Maurermstr. Joseph Fr., u. s. Söhne: der gebildet«, auch lit. tätig« Bresl. Kfm. Michael und die beiden folgenden: Martin u. Siegm. Fraenkel. — Die Reden, die Dr. Dan. Fr. bei der Enthüllung des Gedenksteins für Ged. Tittin und bei der Einführung des Nachfolg., Dr. Ferd. Rosenthal, gehalten hat. sind im Druck erschienen. Fraenkel Martin, Kfm., geb. 11. 10. 1863 in Rybnik O.-S. und gest. jn Breslau am 3. 8. 1928, war seit 1904 Schatzmeister und seit 1914 Bors, des Verb. z. Erzieh, hilfsbed. ifr. Kinder (Rehdigerheim), seit 1910 Vorst.-Mttgl. der I. K. V. A. und seit 1926 stellv. Vors., gehörte zum Kuratorium der Mora Leipz. Beth-hamidr. Stift, und war von 1916 bis zu s. Tod« konsero. Repräs. der hies. Synagogen-Gemeinde. Fraenkel Siegmund, Dr. ord. Un.-Pros., geb. 1855 in Frankfurt a. O. und gest. 1900 in Breslau, war ein Schüler Rökdeke« und ein ausgezeichneter Kenner d. Arabischen und Syrischen. Sein Hauptwerk ist das 1886 erschien. Buch: „Die aram. Fremdwörter im Arabischen". (I. L.) -